Mindestens 20 Tote bei erneuten Gefechten in Syrien
veröffentlicht am 03.02.2012

Bei Angriffen von Regierungstruppen auf Zivilpersonen sowie bei Gefechten zwischen Soldaten der Streitkräfte und Aufständischen sind in Syrien am Freitag mindestens 20 Menschen getötet worden. Im Viertel Daraja und den Bergen rund um die Hauptstadt Damaskus seien sieben Zivilpersonen getötet worden, teilten Aktivisten mit.
Beirut - Bei Angriffen von Regierungstruppen auf Zivilpersonen sowie bei Gefechten zwischen Soldaten der Streitkräfte und Aufständischen sind in Syrien am Freitag mindestens 20 Menschen getötet worden. Im Viertel Daraja und den Bergen rund um die Hauptstadt Damaskus seien sieben Zivilpersonen getötet worden, teilten Aktivisten mit.
In den Ortschaften Dschassem, Kfarschams und Nawa in der Provinz Daraa im Süden des Landes seien mindestens neun Soldaten getötet und mehrere andere verletzt worden, meldete das Syrische Observatorium für Menschenrechte. Unterdessen rückte eine Abstimmung des UN-Sicherheitsrats über eine Resolution gegen die Regierung von Präsident Baschar Assad in New York näher.
Nach übereinstimmenden Berichten der staatlichen Medien und Aktivisten kamen bei der Explosion eines am Straßenrand versteckten Sprengsatzes in der Provinz Idlib zwei Jungen ums Leben. Zwei weitere seien von Sicherheitskräften getötet worden, berichtete das Observatorium. Die Örtlichen Koordinationskomitees meldeten am Freitag landesweit 21 Tote.
Unterdessen wurde bekannt, dass die syrischen Streitkräfte bei der Niederschlagung der Proteste offenbar auch Kinder und Jugendliche festgenommen und gefoltert haben. Es seien mindestens zwölf Fälle dokumentiert, in denen Minderjährige unter unmenschlichen Haftbedingungen festgehalten worden seien, hieß es in einem am Freitag von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) in New York veröffentlichten Bericht.
"Die Kinder sind vom Horror des gewaltsamen syrischen Vorgehens nicht verschont geblieben", sagte die HRW-Direktorin für Kinderrechte, Lois Whitman. "Syrische Sicherheitskräfte haben Kinder in deren Häusern, Schulen und auf der Straße getötet, festgenommen und gefoltert. In vielen Fällen sind Sicherheitskräfte gegen Kinder genauso vorgegangen wie gegen Erwachsene."
In dem Bericht wurde ein 16 Jahre alter Junge aus der Stadt Tal Kalach nahe der libanesischen Grenze mit den Worten zitiert, er sei acht Monate lang in sieben verschiedenen Strafanstalten inhaftiert gewesen. Einmal sei er in seiner Zelle mit Handschellen für sieben Stunden an einem Arm an der Decke aufgehängt worden, sagte der Junge, dessen Name mit Alaa angegeben wurde.
In einem anderen Fall berichteten die Eltern eines 13-jährigen Jungen aus der Küstenstadt Latakia laut HRW, ihr Sohn sei im Dezember festgenommen und neun Tage lang inhaftiert worden. Dem Jungen sei unter anderem vorgeworfen worden, Fotos von Präsident Assad verbrannt zu haben. Er sei in Haft mit Zigaretten verbrannt und mit heißem Wasser übergossen worden. Ein erwachsener Ex-Häftling sagte HRW, einige Kinder seien im Gefängnis vergewaltigt worden.
In den Ortschaften Dael und Nawa im Süden des Landes gingen nach Angaben des Observatoriums am Freitag mehr als 20.000 Menschen gegen die Regierung auf die Straße. Sicherheitskräfte hätten in die Menge geschossen, um die Demonstration aufzulösen. Im Damaszener Vorort Rankus seien mindestens zwei Menschen von Sicherheitskräften erschossen worden.
Aktivisten hatten für Freitag zu landesweiten Protesten aufgerufen, um des 30. Jahrestags des Massakers von Hama zu gedenken. Im Februar 1982 hatte Assads Vater und Vorgänger Hafis einen Aufstand blutig niederschlagen lassen. Amnesty International geht von 10.000 bis 25.000 Toten aus.
Im UN-Sicherheitsrat intensivierten die Unterhändler ihre Verhandlungen über eine Resolution gegen die Gewalt in Syrien am Freitag erneut. Aus Kreisen des Außenministeriums in Washington hieß es, man sei "vorsichtig optimistisch". Vermutlich werde es am Wochenende zu einer Abstimmung über einen neuen Entwurf kommen, sagte eine Gewährsperson. Auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle sprach sich vor Beginn der Sicherheitskonferenz in München für eine rasche Resolution aus.
Ein am Donnerstagabend von Marokko vorgelegter Entwurf könnte auf Zustimmung treffen, da er die Bedenken Russlands aufgreife, sagte die Gewährsperson. "Nach unserer Sichtweise unterstützt diese Resolution das syrische Volk und die Arabische Liga." (© AP)




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