(Update) - US-Jobwachstum zieht im Januar überraschend kräftig an
veröffentlicht am 03.02.2012

Von Andreas Plecko
Washington/frankfurt - Von Andreas Plecko
DOW JONES NEWSWIRES
Der US-Arbeitsmarkt ist mit großem Schwung ins Jahr gestartet und hat die Erwartungen von Ökonomen klar übertroffen. Die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft stieg im Januar um 243.000, wie das US-Arbeitsministerium berichtete. Damit wurde der stärkste Zuwachs seit April des Vorjahres verzeichnet. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte hatten nur einen Stellenzuwachs um 125.000 erwartet. Zugleich wurden die Angaben für den Vormonat ein wenig nach oben korrigiert: Das Ministerium meldete für Dezember nun ein Stellenplus von 203.000, nachdem zunächst ein Anstieg um 200.000 gemeldet worden war.
"Mit dem starken Anstieg im Januar und den Revisionen sieht das Bild am Arbeitsmarkt nun deutlich freundlicher aus als noch im Dezember", erklärte Commerzbank-Ökonom Christoph Balz mit Blick auf die jährliche Datenrevision. "Der Stellenzuwachs stärkt den privaten Konsum." Der Privatkonsum macht rund zwei Drittel der US-Wirtschaftsleistung aus und ist deshalb als Triebfeder für einen nachhaltigen Aufschwung unverzichtbar.
Die positiven Zahlen vom Stellenmarkt sind auch für US-Präsident Barack Obama eine gute Nachricht, dessen Zustimmungswerte angesichts der schlechten Wirtschaftslage deutlich unter 50 Prozent gefallen waren. Im November stellt sich Obama zur Wiederwahl.
An Wall Street sorgten die starken Zahlen vom US-Arbeitsmarkt für ein kleines Kursfeuerwerk: Der Dow-Jones-Index legte um 1,2 Prozent zu, der S&P-500 verbesserte sich um 1,2 Prozent. Der US-Dollar stieg deutlich gegenüber Euro und Yen.
Die bei einer separaten Erhebung ermittelte Arbeitslosenquote fiel auf 8,3 Prozent, der tiefste Stand seit Februar 2009. Ökonomen hatten mit 8,5 Prozent eine Stagnation auf dem Vormonatsstand vorhergesagt. Der Rückgang in der Arbeitslosenquote beruhte eher auf einem Beschäftigungswachstum und weniger auf einem Rückgang der Erwerbsbevölkerung. Die Zahl der Arbeitslosen fiel dem Bericht zufolge auf 12,8 Millionen und damit den niedrigsten Stand seit drei Jahren.
Der Privatsektor der US-Wirtschaft, der rund 70 Prozent der gesamten Arbeitskräfte beschäftigt, schuf im Januar 257.000 Jobs. Im verarbeitenden Gewerbe entstanden 50.000 zusätzliche Jobs. In der Dienstleistungsindustrie, die üblicherweise als Wachstumsmotor für den Arbeitsmarkt fungiert, kamen per saldo 162.000 Arbeitsplätze hinzu. Im öffentlichen Bereich wurden 20.000 Stellen gestrichen.
Beobachter sagten, die jüngste Belebung des US-Arbeitsmarkts könnte eine wachsende Zuversicht in den Chefetagen der US-Unternehmen widerspiegeln, was die Bereitschaft zu Personalaufstockungen fördere. "Es scheint, dass die Dynamik, die die US-Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte erfasst hat, im neuen Jahr weiter trägt", sagte BNP-Paribas-Volkswirtin Julia Coronado. "Das steht im Einklang mit der globalen Entwicklung, die zuletzt einen Aufschwung in der Industrie und im Verbrauchervertrauen gezeigt hat."
Bei einer Anhörung vor dem Haushaltsausschuss des US-Repräsentantenhauses hatte Fed-Vorsitzender Ben Bernanke am Vortag noch einen eher pessimistischen Ton über die US-Wirtschaftsentwicklung angeschlagen: Die Erholung verlaufe frustrierend langsam, die Verbraucher verspürten einen heftigen Gegenwind, der Immobilienmarkt verharre in der Depression. Es werde eine lange Zeit dauern, bis der US-Arbeitsmarkt zu einer normalen Verfassung zurückfinde, sagte Bernanke.
"Nach dem letzten Sitzung der Federal Reserve und der Anhörung von Bernanke hat es so ausgesehen, als sei eine dritte Runde der quantitativen Lockerung eine ausgemachte Sache", sagte Ron Leven, Devisenstratege bei Morgan Stanley. "Wenn wir weiter solche Zahlen vom Arbeitsmarkt bekommen, dann könnte sich das ändern." Für den Fall einer ungünstigen Wirtschaftsentwicklung hatte Bernanke eine weitere geldpolitische Lockerung in Aussicht gestellt.
Nach Ansicht von Ökonomen bräuchten die USA aber über mehrere Jahre monatlich rund 200.000 zusätzliche Arbeitsplätze, um die Arbeitslosenquote auf das Niveau vor Beginn der Rezession zu senken. Dazu müsste das Wirtschaftswachstum auf eine Rate von deutlich über drei Prozent steigen, ein Niveau, das mit einer gesunden Wirtschaftserholung verbunden wird.
-Von Andreas Plecko, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 - 29725 300, konjunktur.de@dowjones.com (© Dow Jones)




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US-Jobwachstum zieht im Januar überraschend kräftig an
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