Wirbel um kampfmüde US-Truppen am Hindukusch
veröffentlicht am 02.02.2012

Die USA wollen ihre Kampfeinsätze in Afghanistan schon im kommenden Jahr einstellen - ein Jahr vor dem vereinbarten Ende des internationalen Militäreinsatzes am Hindukusch. Mit seiner Ankündigung sorgte Pentagonchef Leon Panetta für Wirbel auf einem Treffen mit seinen NATO-Amtskollegen. "Ich verfolge diese Diskussion mit Erstaunen", sagte der deutsche Verteidigungsminister Thomas de Maizière am Donnerstag in Brüssel.
Brüssel - Die USA wollen ihre Kampfeinsätze in Afghanistan schon im kommenden Jahr einstellen - ein Jahr vor dem vereinbarten Ende des internationalen Militäreinsatzes am Hindukusch. Mit seiner Ankündigung sorgte Pentagonchef Leon Panetta für Wirbel auf einem Treffen mit seinen NATO-Amtskollegen. "Ich verfolge diese Diskussion mit Erstaunen", sagte der deutsche Verteidigungsminister Thomas de Maizière am Donnerstag in Brüssel.
Nach Beratungen der Afghanistan-Truppensteller war de Maizière bemüht klarzustellen, dass nichts überstürzt werde. "Es bleibt bei der Strategie, dass wir die Mission bis Ende 2014 durchführen, und bis dahin schrittweise abziehen." Dazu hätten sich alle NATO-Partner bekannt. "Und das gilt auch für deutsche Soldaten."
Ganz einstellen wollen die US-Truppen die Kampfeinsätze im kommenden Jahr auch noch nicht. "Hoffentlich können wir Mitte oder Ende 2013 einen Übergang von der Kampfrolle zur Ausbildung, Beratung und Unterstützung schaffen", hatte Panetta Reportern auf dem Hinflug nach Brüssel gesagt. "Das heißt nicht, dass wir nicht mehr kampfbereit wären. Sondern, dass wir nicht länger in der offiziellen Kampfrolle sind wie jetzt."
Dennoch schürten seine Bemerkungen die Sorge, die geschlossene Afghanistan-Allianz bröckele. Schließlich hatte auch der französische Staatschef Nicolas Sarkozy nach einem Anschlag mit vier getöteten Soldaten erst in der vergangenen Woche auf ein rascheres Ende der Kampfeinsätze gepocht. In Frankreich und den USA ziehen Präsidentschaftswahlkämpfe auf, und mit der eiligen Rückkehr vom Hindukusch ließe sich dabei punkten.
NATO-Generalskretär Anders Fogh Rasmussen gab sich aber zuversichtlich, dass die im November 2011 vereinbarte Lissabon-Strategie von niemandem infrage gestellt werde: "Alle Partner stehen zum Fahrplan." Allerdings sind die konkreten Schritte noch nicht vollständig festgeklopft.
Die Lissabon-Strategie sieht vor, dass die Sicherheitsverantwortung bis Ende 2014 vollständig in die Hand der Afghanen gelegt wird. Das geschieht in Etappen. Derzeit hätten einheimische Sicherheitskräfte schon bei 40 Prozent der Kampfeinsätze die Führungsrolle. Und bis Ende kommenden Jahres sollen sie in sämtlichen Provinzen das Kommando übernehmen, sagte Rasmussen. Er betonte in Richtung Washington aber, dass das Rückfahren der internationalen Rolle auf eine Assistentenaufgabe "koordiniert" werden und der tatsächlichen Sicherheitslage Rechnung tragen müsse.
Dass dabei alles "in die richtige Richtung" gehe, wie der NATO-Chef beteuerte, glauben nicht alle. Erst am Mittwoch war ein interner NATO-Bericht an die Öffentlichkeit gelangt. In dem heißt es, die Moral der Taliban sei auch ein Jahrzehnt nach Kriegsbeginn "sehr hoch", und die radikalislamischen Aufständischen seien sicher, dass sie die internationale Koalition besiegen und die Macht an sich reißen könnten. De Maizière bezeichnete den Bericht als "einseitig", weil er vor allem auf Aussagen von Gefangenen basiere.
Das kann aber nicht davon ablenken, dass die afghanischen Sicherheitskräfte inzwischen immer stärker von den Taliban durchsetzt sind. Seit 2007 gab es mindestens 35 Anschläge, bei denen die Täter afghanische Sicherheitskräfte waren oder deren Uniformen trugen. Und die Tendenz ist nach einer Zählung der Nachrichtenagentur AP stark gestiegen: Von sechs im Jahr 2011 auf 17 im vergangenen Jahr. (© AP)




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