Dutzende Tote bei Ausschreitungen in ägyptischem Fußball-Stadion
veröffentlicht am 02.02.2012

Bei Ausschreitungen in einem ägyptischen Fußball-Stadion sind am Mittwochabend mindestens 74 Menschen getötet und fast 250 weitere verletzt worden. Fans hatten nach dem Abpfiff eines Erstligaspiels in der am Mittelmeer gelegenen Stadt Port Said den Platz gestürmt. Einige warfen mit Steinen, Feuerwerkskörpern und Flaschen.
Kairo - Bei Ausschreitungen in einem ägyptischen Fußball-Stadion sind am Mittwochabend mindestens 74 Menschen getötet und fast 250 weitere verletzt worden. Fans hatten nach dem Abpfiff eines Erstligaspiels in der am Mittelmeer gelegenen Stadt Port Said den Platz gestürmt. Einige warfen mit Steinen, Feuerwerkskörpern und Flaschen. Spieler und Anhänger des Gästeklubs aus Kairo flüchteten in Panik. Die Ausschreitungen standen nach ersten Erkenntnissen nicht mit den politischen Unruhen in Ägypten in Verbindung, zeigten aber deutlich die Unfähigkeit der Behörden, für Sicherheit im Land zu sorgen.
Bereits während des Spiels hatten Fans des Gästeteams Al-Ahli mit provozierenden Plakaten die Zuschauer des heimischen Vereins Al-Masri gegen sich aufgebracht. Nach dem 3:1-Sieg gegen den Tabellenführer und Erzrivalen der ägyptischen Premier League stürmten die Al-Masri-Anhänger Sekunden nach dem Abpfiff das Spielfeld.
Nach Angaben von Augenzeugen sahen die Sicherheitskräfte der dann folgenden Gewalt nahezu tatenlos zu. Auch einige Spieler wurden offenbar verletzt, obwohl die Mannschaften schnell in die Kabinen gebracht wurden. Unter den Toten waren nach offiziellen Angaben aber auch mehrere Sicherheitskräfte.
Örtliche Rettungskräfte sprachen zunächst von bis zu 1.000 Verletzten. Das Innenministerium erklärte später jedoch, es seien 248 Menschen verwundet worden. Die Zahl der Toten lag nach offiziellen Angaben am Abend bei 74. Die meisten von ihnen seien an Kopfverletzungen und Erstickungen gestorben, sagte Hesham Sheiha vom ägyptischen Gesundheitsministerium. Die Staatsanwaltschaft ordnete sofortige Ermittlungen an. Zudem wird sich das Parlament am Donnerstag in einer Sondersitzung mit den Krawallen befassen.
Der Mannschaftsarzt des Kairoer Vereins Al-Ahli bezeichnete die Szenen als reinstes Chaos und forderte eine umgehende Untersuchung. "Das war eine Terror-Atmosphäre", sagte der Al-Ahli-Spieler Sayed Hamdi. Sein Teamkollege Mohammed Abu Trika erhob schwere Vorwürfe gegen die Polizei, die keine Anstrengungen unternommen habe, die Krawalle zu unterbinden. Nur 47 Personen sollen im Zuge der Gewaltausschreitungen am Abend festgenommen worden sein.
Wegen der dramatischen Szenen in Port Said wurden bis auf Weiteres alle Fußballspiele in Ägypten abgesagt. Bei einer anderen Partie in Kairo setzten Fans aus Wut über den Spielabbruch Teile der Tribüne in Brand. Verletzt wurde dabei aber niemand.
Im staatlichen Fernsehen wurde die Bevölkerung aufgerufen, Blut für die Verletzten zu spenden. Die Streitkräfte schickten unterdessen zwei Flugzeuge nach Port Said, um einige der besonders schwer verwundeten Opfer nach Kairo zu fliegen.
Bei den Vorfällen handelt es sich um die schlimmste Tragödie in einem Fußball-Stadion seit dem 16. Oktober 1996. Damals kamen bei Ausschreitungen in Guatemala bei einem WM-Qualifikationsspiel gegen Costa Rica 78 Menschen ums Leben. (© AP)




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