Auf einen Blick: Fusion Deutsche Börse-NYSE vor dem Aus
veröffentlicht am 01.02.2012

Tag der Entscheidung in Brüssel. Knapp ein Jahr ist es her, dass Deutsche Börse und NYSE Euronext überraschend ihre Fusion ankündigten. Heute treffen sich in Brüssel alle 27 EU-Kommissare und werden das Vorhaben entsprechend der Empfehlung von Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia wohl stoppen.
Frankfurt - Tag der Entscheidung in Brüssel. Knapp ein Jahr ist es her, dass Deutsche Börse und NYSE Euronext überraschend ihre Fusion ankündigten. Heute treffen sich in Brüssel alle 27 EU-Kommissare und werden das Vorhaben entsprechend der Empfehlung von Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia wohl stoppen.
DER FALL: Der seit einem Jahr verfolgte Fusionsplan von NYSE Euronext und Deutscher Börse steht möglicherweise vor dem Aus, weil die EU-Kartellwächter das 17 Milliarden Dollar schwere Vorhaben blockieren.
DER HINTERGRUND: Die Verhandlungen der Börsenbetreiber mit der EU sind in eine Sackgasse geraten. Grund dafür ist ihre Marktposition im Derivatehandel. Aus Sicht der EU-Kommission kontrollieren sie in Europa zusammen 90 Prozent des börsennotierten Handels mit Futures. Die beiden Börsen möchten auch die direkten Finanztermingeschäfte der Banken einbezogen wissen. Dann, so argumentieren sie, läge ihr gemeinsamer Marktanteil bei Derivaten nur bei 15 Prozent.
WAS NUN: Die beiden Börsen werden sich wohl nicht äußern, bevor Brüssel nicht die endgültige Entscheidung bekannt gibt. Am Mittwoch treffen sich in Brüssel die 27 EU-Kommissare und werden das Vorhaben entsprechend der Empfehlung von Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia wohl stoppen. Bis zum 9. Februar müssen die Kommissare auf jeden Fall entschieden haben.
Im Falle der Ablehnung der Hochzeit der Börsen könnten Deutsche Börse und NYSE noch den Rechtsweg beschreiten und eine gerichtliche Überprüfung der Kommissionsentscheidung einleiten. Höchstwahrscheinlich wird das aber nicht geschehen, sagen Beobachter. Vielmehr dürften beide Seiten dann ihren Plan B für einen Alleingang aus der Schublade ziehen.
9. Februar: NYSE und Deutsche Börse bestätigen, dass sie fortgeschritten Verhandlungen über eine Fusion führen.
15. Februar: Deutsche Börse und NYSE Euronext veröffentlichen die genauen Details ihres Fusionsvorhabens.
2. März: Deutsche Börse und NYSE Euronext beginnen Gespräche mit der EU über ihr Vorhaben.
1. April: Nasdaq und ICE machen eine Gegenofferte für NYSE Euronext (Volumen: 11,3 Milliarden Dollar.
11. April: Der Board der NYSE weist das Angebot von Nasdaq und ICE zurück.
4. Mai: Deutsche Börse veröffentlicht die Tenderofferte für die Aktionäre von NYSE Euronext.
17. Mai: Nasdaq scheitert mit Übernahmeangebot an Wettbewerbsbedenken.
13. Juni: NYSE-Manager Larry Leibowitz sagt, die Fusion mit der Deutschen Börse ist nötig, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
16. Juni: Aufsichtsrat der Deutschen Börse beschließt eine Sonderdividende aus Anlass des Fusionsvorhabens.
29. Juni: NYSE Euronext und Deutsche Börse melden ihr Fusionsvorhaben bei der EU an.
4. August: EU startet vertiefte Prüfung des Fusionsvorhabens.
23. August: Transaktion wird von Committee on Foreign Investment in the United States gebilligt.
8. September: EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia meldet Bedenken an.
12. September: Deutsche Finanzaufsicht BaFin gibt die Fusion frei.
6. Oktober: Deutsche Börse bekommt von der EU die offizielle Auflistung der Bedenken.
19. Oktober: NYSE-Manager sagt: Der Fusionsprozess ist im Plan; Abschluss zum Jahresende.
21. Oktober: EU verschiebt das Datum für die vorläufige Fusionsentscheidung.
9. November: Deutsche Börse sagt: 97,04 Prozent des Kapitals haben Fusion mit der NYSE gebilligt.
20. Dezember: Deutsche Börse und NYSE machen Zugeständnis bei Derivate-Gebühren, um eine Genehmigung der EU zu bekommen.
22. Dezember: US-Justizministerium gibt die Fusion der beiden Börsen frei. (© Dow Jones)




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