Beschäftigte kündigen Protest gegen Entlassungen bei NSN an
veröffentlicht am 31.01.2012

Die Beschäftigten von Nokia Siemens Networks (NSN) und die IG Metall kämpfen gegen den geplanten drastischen Stellenabbau bei dem deutsch-finnischen Gemeinschaftsunternehmen. Für Mittwoch sind an mehreren Standorten Proteste geplant. Die Münchner Mitarbeiter wollen vor das NSN-Vorstandsgebäude ziehen und dort gegen die geplante Schließung des Hauptsitzes demonstrieren.
München - Die Beschäftigten von Nokia Siemens Networks (NSN) und die IG Metall kämpfen gegen den geplanten drastischen Stellenabbau bei dem deutsch-finnischen Gemeinschaftsunternehmen. Für Mittwoch sind an mehreren Standorten Proteste geplant. Die Münchner Mitarbeiter wollen vor das NSN-Vorstandsgebäude ziehen und dort gegen die geplante Schließung des Hauptsitzes demonstrieren.
NSN streicht für seinen weltweiten Sanierungsplan fast jeden dritten Arbeitsplatz in Deutschland. 30 von 35 Standorten des angeschlagenen Netzwerkausrüsters hierzulande sollen geschlossen werden. Etwa 2.900 der derzeit 9.100 Stellen fallen weg, wie NSN am Dienstag in München mitteilte. Der größte Standort München werde geschlossen und das Geschäft auf Berlin, Bonn, Düsseldorf, Bruchsal und Ulm konzentriert.
Ein Großteil des Stellenabbaus ist bis Ende des Jahres geplant. Mögliche Geschäftsteilverkäufe seien nicht dabei berücksichtigt, teilte NSN mit. Firmensprecher Stefan Zuber sagte, NSN werde "fair und verantwortungsbewusst" mit der Lage umgehen. Betriebsbedingte Kündigungen seien aber "nicht ausgeschlossen". Die Hälfte aller Standorte habe weniger als zehn Mitarbeiter, erklärte Zuber.
Die IG Metall und der Gesamtbetriebsrat forderten die NSN-Führung auf, die Pläne sofort zu stoppen und über Alternativen zu verhandeln. Zudem kündigte die Gewerkschaft Widerstand an. "Wir wehren uns zusammen mit den Beschäftigten gegen diesen Kahlschlag", sagte der Unternehmensbeauftragte der IG Metall für NSN, Michael Leppek. Der Chef des NSN-Gesamtbetriebsrats, Georg Nassauer, sagte, die Mitarbeiter seien schockiert und wütend. "Wir Betriebsräte werden zusammen mit der IG Metall alles tun, um den Abschied von NSN aus Deutschland zu verhindern", erklärte er.
Auch Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) griff die Unternehmensführung scharf an. Der Stellenabbau sei für die Landesregierung nicht nachvollziehbar und ein bitterer Schlag. Der Schritt sei das Resultat einer "missglückten Unternehmensstrategie" und "klarer Managementfehler".
NSN betonte, Deutschland bleibe wichtig als Standort. "Wir müssen in Deutschland diesen schwierigen Schritt machen, um sicherzustellen, dass Nokia Siemens Networks ein wirtschaftlich nachhaltiges Unternehmen ist", sagte Deutschland-Chef Hermann Rodler.
Der Industriekonzern Siemens und der Handyhersteller Nokia hatten das Joint Venture 2007 gestartet. Doch das Unternehmen fand zu wenig Kunden für seine Hard- und Softwareprodukte und leidet seither unter der Konkurrenz vor allem aus China. NSN entwickelte sich schnell zum Sorgenkind der früheren Konkurrenten, machte fast durchweg Verluste und steckte zuletzt tief in den roten Zahlen. Selbst eine Geldspritze der Muttergesellschaften von einer Milliarde Euro im September brachte keine nachhaltige Besserung.
Im November kündigte NSN daraufhin massive Stellenstreichungen an. Bis Ende 2013 sollen weltweit rund 17.000 von 70.000 Jobs wegfallen. In einem Brandbrief an die Belegschaft schrieb Firmenchef Rajeev Suri damals, dass die Profitabilität "nach wie vor viel zu niedrig" sei und auch die Qualität noch nicht stimme. (© AP)




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