Deutschland und Euroraum laufen auf Arbeitsmarkt auseinander
veröffentlicht am 31.01.2012

© Bundesagentur für Arbeit
Die Arbeitsmärkte in Deutschland und im Rest Europas entwickeln sich in entgegengesetzte Richtungen. Während die Arbeitslosigkeit in Deutschland vor allem dank einer robusten Nachfrage aus dem Aus- und Inland nach deutschen Erzeugnissen und Dienstleistungen immer weiter sinkt, verharrt sie im Durchschnitt des Euroraums auf einem Rekordstand. Deutschland profitiert damit weiterhin von seiner in den vergangenen Jahren gestiegenen Wettbewerbsfähigkeit.
Frankfurt - Die Arbeitsmärkte in Deutschland und im Rest Europas entwickeln sich in entgegengesetzte Richtungen. Während die Arbeitslosigkeit in Deutschland vor allem dank einer robusten Nachfrage aus dem Aus- und Inland nach deutschen Erzeugnissen und Dienstleistungen immer weiter sinkt, verharrt sie im Durchschnitt des Euroraums auf einem Rekordstand. Deutschland profitiert damit weiterhin von seiner in den vergangenen Jahren gestiegenen Wettbewerbsfähigkeit.
Nach Mitteilung der Bundesagentur für Arbeit sank die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland im Januar auf Monatssicht saisonbereinigt um 34.000. Volkswirte hatten einen Rückgang um nur 10.000 prognostiziert. Zudem war der Rückgang der Arbeitslosenzahl im Dezember nach revidierten Angaben mit 25.000 noch etwas stärker als zunächst mit minus 22.000 angenommen. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote sank auf 6,7 Prozent. Das war der niedrigste Stand in der 1991 begonnenen gesamtdeutschen Datenreihe. Volkswirte hatten eine Bestätigung des Vormonatswerts von 6,8 Prozent prognostiziert.
Zwar erhöhte sich die Gesamtzahl der Arbeitslosen im Januar aus jahreszeitlichen Gründen auf 3,082 Millionen von 2,780 Millionen im Dezember, doch fiel dieser Anstieg wegen der bisher milden Witterung nicht so stark aus wie in den Vorjahren. "Das wird natürlich in den nächsten Monaten eine Gegenbewegung verursachen, dafür gibt es auch klare Hinweise von Frühindikatoren", sagte Alexander Krüger, Chefvolkswirt des Bankhauses Lampe. Gegenwärtig, so meint er, sei die Lage aber noch sehr robust.
Anders die Lage im europäischen Durchschnitt: In der Eurozone verharrte die Arbeitslosenquote im Dezember (neuere Daten sind noch nicht verfügbar) auf dem Allzeithoch von 10,4 Prozent - und darin ist schon die sehr niedrige Quote Deutschlands enthalten. Nach Berechnung der Internationalen Arbeitsorganisation beträgt die deutsche Arbeitslosenquote derzeit 5,5 Prozent. In Spanien, das unter dem Platzen einer Immobilienpreisblase leidet, liegt diese Quote bei 22,9 Prozent, in Portugal bei 13,6 Prozent, in Griechenland betrug sie im Oktober 19,2 Prozent. Frankreich verzeichnete immer noch eine Arbeitslosenquote von 9,9 Prozent und Italien von 8,9 Prozent.
Allerdings erklärt sich die in Deutschland gegen den europäischen Trend rückläufige Arbeitslosigkeit nicht alleine aus den vollen Auftragsbüchern der deutschen Unternehmen: Eine Rolle spielt dabei auch, dass die Beschäftigung seit Ende der Rezession 2009 steigt, während die Zahl der Erwerbsfähigen demografisch bedingt nicht zunimmt.
Jörg Zeuner, Chefökonom der Liechtensteiner VP Bank Gruppe, glaubt indes nicht, dass sich Deutschland dem europäischen Trend auf Dauer wird entziehen können. "Der Abschwung in Europa wird auch Deutschlands Arbeitsmarkt bald erreichen. Die nachlassende Auslandsnachfrage und die Zurückhaltung im Inland werden sich zunehmend in den Arbeitsmarktzahlen niederschlagen", prognostizierte er.
Commerzbank-Volkswirt Eckart Tuchtfeld äußerte sich etwas optimistischer: "Wir rechnen damit, dass der Arbeitsmarkt 2012 im Ganzen seitwärts tendieren wird", sagte er. Seiner Einschätzung nach wird sich die Arbeitskräftenachfrage zwar nicht von der schwachen wirtschaftlichen Entwicklung abkoppeln können, "deutlich steigen dürfte die Arbeitslosigkeit aber nicht", meinte er. (© Dow Jones)




Bundesbank: Euroraum würde Zahlungsstopp für Griechenland verkraften
(Update) - Wachstumsschere öffnet sich im Euroraum immer weiter
Experten heben Inflationsprognosen für Euroraum an
(Update) - Merkel pocht auf Einhaltung vereinbarter Regelungen im Euroraum



