Mehr wissen: Google will Nutzerdaten verschiedener Dienste verschmelzen
veröffentlicht am 25.01.2012

© Google Inc.
Google will alle Daten seiner Nutzer verknüpfen. Ab dem 1. März sollen neue Datenschutzbestimmungen und Nutzungsbedingungen in Kraft treten, die es dem Suchmaschinenriesen erlauben, alle bei Google-Diensten Gmail, Youtube oder Google+ erhobenen Daten eines Nutzers zu einem Profil zu kombinieren, wie der Konzern am Dienstag mitteilte.
Los Angeles - Google will alle Daten seiner Nutzer verknüpfen. Ab dem 1. März sollen neue Datenschutzbestimmungen und Nutzungsbedingungen in Kraft treten, die es dem Suchmaschinenriesen erlauben, alle bei Google-Diensten Gmail, Youtube oder Google+ erhobenen Daten eines Nutzers zu einem Profil zu kombinieren, wie der Konzern am Dienstag mitteilte. Datenschützer beobachten das Vorhaben allerdings mit Sorge.
Die über 70 verschiedenen Datenschutzbestimmungen und Nutzungsvereinbarungen der verschiedenen Google-Dienste sollen auf eine zentrale Datenschutzerklärung und rund ein Dutzend weitere verschiedene Nutzungsbedingungen reduziert werden. Nach wie vor werden gesonderte Regelungen für den Google-Browser Chrome oder den Bezahldienstleister Wallet gelten.
Durch die Umstellung werde Google seinen Nutzern "unkomplizierter und intuitiver" Suchergebnisse und Informationen liefern, während Anzeigenkunden ihre Werbung zielgerichteter an die Kunden bringen könne, pries Google die Veränderungen an.
"Durch das Zusammenspiel eurer Daten über verschiedene Google-Dienste hinweg können wir euch noch bessere Services bieten: Wir können die Suche verbessern, indem wir herausfinden, wonach ihr wirklich sucht", teilte Google auf einer Informationsseite über die neuen Datenschutzrichtlinien mit.
Ist ein Nutzer beispielsweise eine Stunde lang bei Google auf der Suche nach Skateboards, könnte er das nächste Mal, wenn er sich auf Youtube einloggt, Empfehlungen für Videos mit Skatboarder-Legende Tony Hawk erhalten. Daneben könnte dann die Anzeige eines Skater-Shops gleich um die Ecke stehen.
Den nun angekündigten Veränderungen ging die Schließung des ersten von Google gestarteten Versuchs voraus, ein soziales Netzwerk in Konkurrenz zu Facebook zu etablieren. Nach seiner Einführung vor weniger als zwei Jahren wurde der Google-Dienst Buzz zum Gespött der Internetgemeinde, weil er per Voreinstellung die am häufigsten kontaktierten E-Mailadressen der Nutzer veröffentlichte. Dabei enthüllte er bei einigen Nutzern, dass sie intensive Kontakte zu Konkurrenzfirmen ihres Arbeitgebers oder zu Ex-Partnern unterhielten.
Inzwischen hat Google sein Netzwerk Google+ in den Kampf gegen Facebook geschickt. In den ersten sieben Monaten haben sich laut Google 90 Millionen Nutzer dort angemeldet. Um noch stärker für Google+ zu werben, hat Google Empfehlungen zu Menschen und Unternehmen mit einem Konto in dem sozialen Netzwerk in die Trefferliste seiner Internetsuche aufgenommen. Sofort wurde Kritik laut, Google nutze seine marktbeherrschende Stellung aus, um weiteren Traffic auf seine eigenen Seiten zu lenken.
Im vergangenen Jahr einigte sich Google mit der US-Regulierungsbehörde FTC auf eine Vereinbarung, die es Google verbietet, irreführende Angaben darüber zu machen, wie das Unternehmen persönliche Nutzerdaten verarbeitet. Darüber hinaus wurde Google verboten, die Daten ohne Einwilligung des Nutzers weiterzugeben. Google erklärte sich außerdem mit einer halbjährlichen Überprüfung seines Datenschutzes einverstanden.
Einige Kritiker vermuten, Google versuche, mit seinen neuen Bestimmungen der Regulierungsbehörde zuvor zu kommen. Google hoffe mit der einheitlichen Datenschutzvereinbarung zu verhindern, dass die Behörde aktiv wird, sagte Jeff Chester, Direktor der Bürgerrechtsgruppe Center for Digital Democracy.
Google, ebenso wie Facebook und alle anderen beliebten Internetdienstleister, will so viele Informationen über seine Nutzer sammeln, wie möglich. Diese helfen ihnen dabei, mehr Anzeigen zu höheren Preisen zu verkaufen, indem sie den Werbekunden auf die Kunden maßgeschneiderte Werbung anbieten können. Die Wahrscheinlichkeit, dass Nutzer auf eine Anzeige reagierten, sei um 27 Prozent höher, wenn sie personalisierte Anzeigen bekommen. Und auch für die Nutzer hat das laut Google einen Nutzen: "So ist vielleicht trotz guter Neujahrsvorsätze ein Fitnessstudio nicht so euer Ding – entsprechende Anzeigen also auch nicht." (© AP)




Cloud-Service: Startschuss für Google's GDrive fällt
Bing & Co. chancenlos: Google hält nun 96 Prozent Marktanteil in Deutschland
US-Verbraucherschützer klagen gegen Googles neue Regeln
Google und Facebook entfernen Inhalte von Websites in Indien

