Schlecker-Mitarbeiter müssen noch lange bangen
veröffentlicht am 24.01.2012

Den 30.000 Beschäftigten der insolventen Drogeriekette Schlecker stehen Wochen der Unsicherheit und der Sorge um ihre Arbeitsplätze ins Haus. Bis zu einer Entscheidung über das Schicksal des Unternehmens könnten Monate vergehen, sagte am Dienstag der Berliner Insolvenzexperte Stefan Proske im dapd-Interview. Der Unilever-Konzern stellt unterdessen "Spiegel Online" zufolge die Lieferungen an Schlecker ein.
Berlin/Hamburg - Den 30.000 Beschäftigten der insolventen Drogeriekette Schlecker stehen Wochen der Unsicherheit und der Sorge um ihre Arbeitsplätze ins Haus. Bis zu einer Entscheidung über das Schicksal des Unternehmens könnten Monate vergehen, sagte am Dienstag der Berliner Insolvenzexperte Stefan Proske im dapd-Interview. Der Unilever-Konzern stellt unterdessen "Spiegel Online" zufolge die Lieferungen an Schlecker ein. Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di forderte die Einhaltung von Tarifverträgen im Insolvenzverfahren.
Unilever will Schlecker erst wieder beliefern, wenn der für die Kette eingesetzte Insolvenzverwalter die Bezahlung der Ware sicherstellen kann. "Unilever liefert derzeit keine Waren an Schlecker", sagte ein Unternehmenssprecher dem Internetportal "Spiegel Online". Man gehe aber von einer schnellen Klärung der Situation bei Schlecker durch den Insolvenzverwalter aus.
Unilever stellt Produkte der Körperpflege, Reinigungs- und Lebensmittel her. Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz hatte bereits nach seiner Bestellung am Montag Gespräche mit Lieferanten angekündigt.
Die Gewerkschaft ver.di verlangte unterdessen, den Erhalt der Schlecker-Arbeitsplätze und die Anwendung von Tarifverträge "zum Maßstab für eine erfolgreiche Sanierung" zu machen. Äußerungen des Insolvenzverwalters, wonach sich das Unternehmen tarifvertraglichen Regelungen verpflichtet sehe, wertete die Gewerkschaft als Signal für die Beschäftigten.
Allerdings sei das Sanierungskonzept nicht auf dem Tisch und auch noch nicht entschieden, ob die von Schlecker angestrebte Planinsolvenz mit Beteiligung des eigenen Managements zugelassen werde, sagte eine ver.di-Sprecherin.
Der Insolvenzexperte und Rechtsanwalt Proske rechnete damit, dass der vorläufige Insolvenzverwalter die drei Monate, in denen die Bundesagentur für Arbeit die rund 30.000 Schlecker-Beschäftigten bezahlt, voll ausnutze für Gespräche mit Gläubigern und möglichen Investoren. Erst Anfang April werde voraussichtlich das reguläre Insolvenzverfahren eröffnet. "Ob das dann eine Planinsolvenz wird, entscheiden die Gläubiger in der ersten Gläubigerversammlung", erklärte der Anwalt aus der Sozietät Wellensiek. Die Gläubiger könnten auch gegen eine Insolvenz in Eigenregie des Managements stimmen. Eine Entscheidung in diesem Punkt sei realistisch Mitte Mai zu erwarten. (© AP)




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