IWF sagt für Europa Rezession voraus
veröffentlicht am 24.01.2012

Von Christian Grimm
Washington/frankfurt - Von Christian Grimm
DOW JONES NEWSWIRES
Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Wachstumsprognose für das laufende Jahr abgesenkt. In seinem "World Economic Outlook" rechnet der IWF für 2012 nur noch mit einer Zunahme der weltweiten Wirtschaftsleistung um 3,25 Prozent, was einer Kappung der September-Prognose um ein dreiviertel Prozent entspricht. "Die Finanzierungsbedingungen haben sich verschlechtert, die Wachstumsaussichten eingetrübt und die Abwärtsrisiken liegen höher", schrieb der Währungsfonds zur Begründung. Für Europa sagt der IWF eine leichte Schrumpfung der Wirtschaft voraus.
"Die Wachstumsaussichten sind mittelmäßig und es könnte noch schlimmer werden", sagte IWF-Chefökonom Olivier Blanchard. Er führt die abgebremste Konjunktur hauptsächlich auf die Sparpolitik der Regierungen weltweit und die geringere Kreditvergabe der Banken an die Unternehmen zurück. Das größte Risiko besteht nach Ansicht des IWF, wenn sich die Staatsschuldenkrise in Europa zu einer zweiten Bankenkrise ausweiten und die Versorgung der Wirtschaft mit Krediten zum Erliegen kommen würde.
Die Eurozone wird nach der neuen IWF-Prognose im laufenden Jahr in eine milde Rezession abrutschen, weil die Staatsschuldenkrise die Realwirtschaft in Mitleidenschaft gezogen hat. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Euroraumes wird um 0,5 Prozent schrumpfen, nachdem die IWF-Volkswirte im September noch eine Zunahmen um 1,1 Prozent vorhergesagt hatten. Auch die USA, Japan und die Schwellenländer könnten sich dem Abwärtstrend nicht entziehen. Für die größte Volkswirtschaft der Welt hat der IWF seine September-Zahlen zumindest nicht nach unten korrigieren müssen. Er geht von einer Steigerung des BIP bis Ende Dezember um 1,8 Prozent aus.
Im vierten Quartal 2011 haben sich nach IWF-Einschätzung die Risiken für die Weltwirtschaft deutlich vergrößert, obwohl sich die Realwirtschaft robust gezeigt hat. Der Ausstoß in den Industrienationen kletterte überraschend und die Verbraucher in den USA gaben wieder mehr Geld aus. Die Erholung nach dem verheerenden Erdbeben in Japan war stärker als erwartet. Doch diese Anzeichen für eine Aufhellung haben aus IWF-Sicht nicht die Kraft, einen Aufschwung zu tragen.
Hauptgrund hierfür ist die schwächelnde Konjunktur in den Schwellenländern, in denen der Großteil des Wachstums entsteht. Sie schalten einen Gang zurück und werden statt 6,75 Prozent nur noch um 5,75 Prozent zulegen können. "Die Schwellenländer sind klar angeschlagen, es gibt aber keine Katastrophe", sagte IWF-Chefvolkswirt Blanchard. Für China senkte der Währungsfonds seine Prognose auf 8,2 Prozent BIP-Wachstum ab, nachdem im letzten Ausblick 9 Prozent erwartet worden waren. Die aufstrebenden Länder kämpfen mit sinkender Nachfrage aus den wohlhabenden Industrieländern und kurzfristigen Kapitalabflüssen.
Um eine schärfere Wirtschaftskrise zu verhindern, fordert der IWF die Politik auf, drei Punkte anzugehen: Eine nachhaltige Konsolidierung der Staatshaushalte, eine bessere Liquiditätsversorgung der Märkte und eine gelockerte Geldpolitik. Die Staats- und Regierungschefs müssten Vertrauen zurückgewinnen, dass sie es mit ihrem Kurs ernst meinten. "Die Sanierung der Haushalte muss aber mit Augenmaß erfolgen, nicht zu langsam, aber auch nicht zu schnell", sagte Blanchard. Er unterstützte die EZB in ihrer Politik, den Markt mit Liquidität zu fluten und die Leitzinsen niedrig zu halten.
-Von Christian Grimm, Dow Jones Newswires,
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