Abtreibungen erhöhen nicht das Risiko für Angst und Depressionen
veröffentlicht am 20.01.2012

Abtreibungen machen der Psyche offenbar weniger zu schaffen als allgemein angenommen. Das Risiko für psychische Probleme steigt nach einer neuen britischen Erhebung nicht mit der Beendigung einer ungewollten Schwangerschaft. Die Forscher werteten im Auftrag der Gesundheitsbehörden 44 Studien aus aller Welt aus den Jahren 1990 bis 2011 aus.
London - Abtreibungen machen der Psyche offenbar weniger zu schaffen als allgemein angenommen. Das Risiko für psychische Probleme steigt nach einer neuen britischen Erhebung nicht mit der Beendigung einer ungewollten Schwangerschaft. Die Forscher werteten im Auftrag der Gesundheitsbehörden 44 Studien aus aller Welt aus den Jahren 1990 bis 2011 aus. Erfasst waren davon mehrere Millionen Frauen.
Für Frauen, die sich keine Schwangerschaft wünschten, waren die seelischen Folgen wie Angstgefühle oder Depressionen bei einem Abbruch laut der Analyse des britischen Zentrums für Geistige Gesundheit NCCMH nicht schlimmer, als wenn sie das ungeplante Kind zur Welt brachten. Dies bedeute eine Rückversicherung, dass Abtreibungen per se keine mentalen Gesundheitsprobleme hervorriefen, erklärte NCCMH-Direktor Tim Kendall.
Grundlegend angepackt werden müsse aber das Problem ungewollter Schwangerschaften: Psychische Schwierigkeiten seien offenbar damit verbunden, nicht mit der Beendigung solcher Schwangerschaften. "Wir sollten untersuchen, wo genau die Probleme bei den ungewollten Schwangerschaften liegen", betonte Kendall. "Wir müssen versuchen, diesen Frauen früher Hilfe zu bieten."
Etwa elf bis zwölf Prozent aller Frauen leiden an Angstgefühlen, Depressionen oder ähnlichen psychischen Problemen. Bei Frauen, die ungewollt schwanger wurden, steigt die Zahl nach Angaben Kendalls auf rund ein Drittel. Ob sie dann abtrieben oder nicht, scheine die Rate nicht zu beeinflussen.
Am ehesten ließen sich den Wissenschaftlern zufolge psychische Probleme nach einem gewünschten Abort vorhersehen, wenn die Frauen bereits vor ihrer Schwangerschaft ähnlich gelagerte Schwierigkeiten hatten. Möglicherweise hätten sie bereits ein größeres Risiko gehabt, gegen ihren Willen schwanger zu werden.
Ärzte sehen die Analyse als Aufruf, dass betroffene Frauen nach Schwangerschaftsabbrüchen stärker betreut werden müssten. Und dass sie vor einem solchen Eingriff darauf vorbereitet werden müssten, welche Bandbreite an emotionalen und psychischen Reaktionen ihr Körper in petto halten könne. (© AP)




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