Urteil gegen Pfarrer wegen Kindesmissbrauch verschiebt sich

veröffentlicht am 19.01.2012


Das für Donnerstag erwartete Urteil gegen den wegen Kindesmissbrauchs angeklagten Pfarrer aus Salzgitter verschiebt sich. Der Vorsitzende Richter am Landgericht Braunschweig, Manfred Teiwes, kündigte den Urteilsspruch für den 26. Januar an.

 

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Braunschweig - Das für Donnerstag erwartete Urteil gegen den wegen Kindesmissbrauchs angeklagten Pfarrer aus Salzgitter verschiebt sich. Der Vorsitzende Richter am Landgericht Braunschweig, Manfred Teiwes, kündigte den Urteilsspruch für den 26. Januar an. Am Donnerstag, dem dritten Prozesstag, äußerte der Angeklagte erstmals Worte des Bedauerns über seine Taten im Gerichtssaal. Zuvor hatte er die Vorwürfe der Anklage zwar eingeräumt, aber keine Reue gezeigt.


Der 46-Jährige hatte gestanden, sich an insgesamt drei Jungen in den Jahren 2004 bis 2011 mehrfach vergangen zu haben. Betroffen sind zwei Brüder aus Salzgitter und ein Junge aus Braunschweig, die zum Zeitpunkt der Taten 9 bis 15 Jahre alt waren. Die Kinder und ihre Eltern hatten der Pfarrer beim Kommunionsunterricht kennengelernt.


Er baute Freundschaften sowohl zu den Eltern als auch zu den Kindern auf. Die Eltern ließen ihre Kinder bei dem Pfarrer übernachten und fuhren teilweise mit ihm zusammen in den Urlaub oder ließen ihre Kinder alleine mit dem Geistlichen wegfahren. "Wir haben ihm völlig vertraut", sagte die Mutter der betroffenen Brüder am Donnerstag als Zeugin. Mehrmals brach die 44-Jährige in Tränen aus.


Sie sagte, die Situation in der Kirchengemeinde sie für sie heute "gruselig". Sie werde von einigen Leuten gemieden und ihr sei sogar während der Messe die Kommunion verweigert worden. Ihre Söhne habe sie seit der Verhaftung des Priesters nie wieder mit in die Kirche genommen, aus Angst vor Hänseleien.


Nach dieser Aussage bat der Angeklagte um das Wort. Er sagte mit sehr leiser Stimme zu der Frau: "Ich möchte dich um Vergebung bitten." Die Bitte um Vergebung richtete er danach auch an die zweite Mutter, die den Prozess als Nebenklägerin verfolgt, und bat darum, seine Worte den Kindern auszurichten.


Die Mutter des Jungen aus Braunschweig hatte im Jahr 2006 ein Kontaktverbot gegen den Pfarrer erwirkt. Anlass waren damals der nach Meinung der Mutter überhandnehmende Einfluss des Geistlichen auf ihren Sohn. Die Frau schaltete deshalb eine Erziehungsberatungsstelle ein, deren Mitarbeiterin am Donnerstag als Zeugin gehört wurde.


Die Sozialpädagogin sagte, sie habe bereits 2006 den Verdacht gehegt, der Pfarrer könne den Jungen sexuell missbrauchen. Sicher sei sie sich aber nicht gewesen. Der Junge habe die Vermutung damals abgestritten. Er vertraute sich seiner Mutter erst als 17-Jähriger im Jahr 2011 an.


Für Donnerstagnachmittag wurden vor Gericht die Plädoyers der Staatsanwaltschaft, der Nebenklage und der Verteidigung erwartet. Einer Verständigung zufolge muss der Angeklagte mit einer Haftstrafe von sechs bis sechseinhalb Jahren rechnen.  (© AP)



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