Metro stoppt Kaufhof-Verkauf

veröffentlicht am 17.01.2012


Überraschende Wende im Verhandlungspoker um Kaufhof: Der neue Metro-Chef Olaf Koch hat die Verkaufspläne für die traditionsreiche Warenhaustochter auf Eis gelegt. Die aktuelle Lage am Kapitalmarkt biete "keine geeigneten Rahmenbedingungen" für einen derartigen Milliardendeal, begründete Koch am Dienstag in Düsseldorf den unerwarteten Schritt.

 

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Düsseldorf - Überraschende Wende im Verhandlungspoker um Kaufhof: Der neue Metro-Chef Olaf Koch hat die Verkaufspläne für die traditionsreiche Warenhaustochter auf Eis gelegt. Die aktuelle Lage am Kapitalmarkt biete "keine geeigneten Rahmenbedingungen" für einen derartigen Milliardendeal, begründete Koch am Dienstag in Düsseldorf den unerwarteten Schritt.


Es ist die erste einschneidende Entscheidung Kochs, der erst seit Jahresbeginn an der Spitze des Handelskonzerns steht. An der Börse sorgte der Verzicht auf das riskante Geschäft für einen Kurssprung der Metro-Aktie.


Koch sagte: "Aus heutiger Sicht können wir das Ertragspotenzial besser selbst heben als durch einen Verkauf." Daher habe der Metro-Vorstand beschlossen, die Verhandlungen über eine Abgabe des Kaufhofs "bis auf weiteres" einzustellen. An der grundsätzlichen Bereitschaft zur Abgabe des Unternehmens ändere sich jedoch nichts.


Ausschlaggebend für den Abbruch der Gespräche waren vor allem Zweifel an der Finanzierbarkeit des Milliardendeals. Angesichts der Fragilität der Märkte sei sie dem Konzern nicht 100-prozentig gesichert erschienen, sagte ein Unternehmenssprecher. Auch der größte Metro-Aktionär, die Unternehmerfamilie Haniel, unterstütze die Kehrtwende. "Haniel steht voll und ganz hinter diesem Schritt", sagte ein Sprecher der Familie.


Die Entscheidung dürfte Koch dennoch nicht leicht gefallen sein. Die Metro will sich seit Jahren von Kaufhof trennen, da das Warenhaus-Geschäft als "nicht internationalisierbar" gilt und damit nicht in das Portfolio des weltweit agierenden Konzerns passt. Verkaufsverhandlungen waren bislang stets an den Preisvorstellungen der Metro gescheitert, die früheren Angaben zufolge mindestens zwei Milliarden Euro für die Warenhaustochter haben wollte.


Zuletzt war allerdings Hoffnung aufgekeimt, den Verkauf dank des sich abzeichnenden Bieterwettkampfs zwischen dem österreichischen Immobilieninvestor Rene Benko und dem Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen doch noch über die Bühne zu bekommen. Vor allem mit Benko waren die Gespräche bereits weit fortgeschritten.


Von dem Österreicher war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Im Umfeld des Karstadt-Eigentümers wurde Kochs Schritt allerdings begrüßt. Beim bisherigen Verkaufsprozess sei der Rivale Benko einseitig bevorzugt worden. Es sei vernünftig, diesen misslungenen Verkaufsprozess abzubrechen und irgendwann einen neuen Versuch zu starten, hieß es.


Überschattet wurden die Verkaufsverhandlungen in den vergangenen Monaten durch die zuletzt schlecht laufenden Geschäfte bei der Metro. Nach vorläufigen Zahlen sank der Konzernumsatz im vergangenen Jahr um 0,8 Prozent auf 66,7 Milliarden Euro. Ausgerechnet bei Kaufhof war das Geschäft dabei besonders schwach. So ging der Umsatz der Warenhaustochter 2011 um 3,7 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro zurück. Im wichtigen Weihnachtsquartal lag das Minus sogar bei 4,6 Prozent.


Der Kurs der Metro-Aktie stieg nach Bekanntgabe der Entscheidung zeitweise um mehr als fünf Prozent.  (© AP)



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