Bayrische Dorfgeschichten
veröffentlicht am 05.01.2012

Es ist Frühling in Bayern und allenthalben steht der Kirchputz an. Dabei findet die angehende Journalistin Lisa Wild eine Kiste mit menschlichen Knochen. Die Leute glauben, es könnten die Gebeine des Heiligen Ignatius sein.
Berlin - Es ist Frühling in Bayern und allenthalben steht der Kirchputz an. Dabei findet die angehende Journalistin Lisa Wild eine Kiste mit menschlichen Knochen. Die Leute glauben, es könnten die Gebeine des Heiligen Ignatius sein. Und geschäftstüchtige Dorfbewohner sehen bereits die Spenden sprudeln. Aber die folgenden turbulenten Ereignisse lassen Lisa etwas ganz anderes ahnen.
Lisas Großmutter nötigt sie, mit ihr die Kirche zu putzen, widerwillig macht sich die Jungjournalistin daran, im Orgelaufgang die alte Erntedankkrone abzustauben. Ihr ist nicht ganz geheuer, hatte sie doch im letzten Jahr schon zweimal eine Leiche gefunden. Ihre Vorahnung trügt sie nicht: Lisa stößt auf eine Kiste mit menschlichen Knochen.
Die Neuigkeit verbreitet sich wie ein Lauffeuer, das Dorf gerät in Aufruhr. Weil neben der Kiste auch eine kleine Statue des Heiligen Ignatius steht, kommt die Idee auf, bei den Knochen könne es sich um seine Gebeine handeln - Reliquien, die sich vermarkten lassen würden.
Aber zunächst müssen die Knochen gerichtsmedizinisch untersucht werden. Und da stellt sich heraus: Sie sind alles andere als heilig und jüngeren Datums. Lisa und Kommissar Max Sander, ihr Freund, ziehen den nahe liegenden Schluss - es sind wohl die Überreste einer ermordeten Person. Die Polizei zeigt wenig Lust auf Ermittlungen, und Max hat noch weniger Lust, seine Freundin Lisa über die Resultate zu informieren. Also recherchiert sie auf eigene Faust. Zumal nun auch noch der ehemalige Bürgermeister plötzlich spurlos verschwindet. Auch dafür findet sich keine Erklärung. Er lebte bei seiner Familie, litt an Parkinson und Alzheimer und war nicht imstande, das Haus allein zu verlassen.
Die Nachforschungen bringen Lisa viel Unbill: sie macht sich im Dorf mehr als nur unbeliebt und erhält sogar einen anonymen Drohbrief. Aus einem heimlich belauschten Gespräch zweier Männer muss sie schließen, dass sie zum Schweigen gebracht werden soll. Und zu allem Elend scheint ihr Freund Max einer anderen Frau nachzustellen.
Wo ist der alte Bürgermeister, wurde er etwa entführt? Und wessen Gebeine lagen im Knochenkistl in der Kirche? Am Ende lösen Max und Lisa die Rätsel - nach vielen Gerüchten, Intrigen, Geschwätz und Mutmaßungen.
Leider dauert es bis dahin ziemlich lange. Um ein Drittel eingedampft, mit etwas weniger Personal, wäre die Geschichte erheblich spannender. Der Krimi ist verpackt in deftige bayerische Dorfgeschichten, wer die mag, ist gut bedient. Und zum Glück ist Max ein "Preiss", Lisa muss also den bayerischen Dialekt für ihn übersetzen - ein guter Trick, ihn auch den Lesern verständlich zu machen. (Sonja Kolb) (© AP)





