(Update) - Privatsender protestieren gegen Wulff-Exklusivinterview für ARD/ZDF
veröffentlicht am 04.01.2012

© Bundesregierung
Das Exklusivinterview von Bundespräsident Christian Wulff bei ARD und ZDF stößt bei Privatsendern auf scharfe Kritik. In einem Brief an Wulff legten ProSiebenSat.1, RTL, n-tv und N24 dagegen am Mittwoch Protest ein. Darin heißt es unter anderem, die Grundlagen des dualen Fernsehsystems verpflichteten auch private Rundfunkstationen zu einer umfassenden politischen Berichterstattung.
Berlin - Das Exklusivinterview von Bundespräsident Christian Wulff bei ARD und ZDF stößt bei Privatsendern auf scharfe Kritik. In einem Brief an Wulff legten ProSiebenSat.1, RTL, n-tv und N24 dagegen am Mittwoch Protest ein. Darin heißt es unter anderem, die Grundlagen des dualen Fernsehsystems verpflichteten auch private Rundfunkstationen zu einer umfassenden politischen Berichterstattung. "Diesem Informationsauftrag können wir durch Ihre heutige Entscheidung nicht gerecht werden." Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) kritisierte derweil, dass sich der Bundespräsident lediglich in einem Fernsehinterview zu Wort melde.
Wulff steht wegen eines umstrittenen Privatkredits und der versuchten Einflussnahme auf Journalisten unter Druck. Vertreter aus Opposition und Koalition hatten ihn zu einer Erklärung gedrängt. Anstatt im Schloss Bellevue vor die Presse zu treten, entschied sich Wulff für ein Interview mit ARD und ZDF. Es sollte am Mittwochabend ausgestrahlt werden.
RTL-Chefredakteur Peter Kloeppel sagte, er sei erstaunt über die Informationspolitik des Bundespräsidenten. "Auch im Sinne unserer vielen Zuschauer bedauere ich es sehr, dass RTL - anders als ARD und ZDF - keine Möglichkeit zu einem eigenen Interview oder zumindest einer Teilnahme an dem Interview eingeräumt wird", fügte er hinzu.
n-tv-Chefredakteur Volker Wasmuth sagte: "Natürlich steht es dem Bundespräsidenten frei zu reden, mit wem er will." Seine Entscheidung, dieses wichtige Interview alleinig zwei öffentlich-rechtlichen Sendern zu geben, "stellt allerdings eine enorme Benachteiligung für uns dar, und macht es uns in diesem Fall sehr schwer, unserem Informationsauftrag in vollem Umfang gerecht zu werden".
Die Sprecherin des Nachrichtensenders N24, Kristina Faßler, sagte, Wulffs Erklärung sei "von so breitem öffentlichem Interesse, dass die Entscheidung, nur ARD und ZDF zu bedienen und das duale System einfach zu ignorieren", weder nachvollziehbar sei noch dem Amt an sich gerecht werde. Sat.1-Sprecherin Diana Schardt sagte, das Interview verstoße gegen die Grundlagen des dualen Fernsehsystems. In dem Brief an den Bundespräsidenten habe Sat.1 gemeinsam mit anderen Privatsendern "ganz deutlich Protest eingelegt".
Der DJV-Vorsitzende Michael Konken beklagte, dass Wulff sich nur den Fragen von ARD und ZDF stellen wolle. "Von der Einflussnahme Wulffs auf die Berichterstattung war nach jetzigem Kenntnisstand ausschließlich die Tagespresse betroffen", sagte er. Aus Konkens Sicht sollte der Präsident deshalb für die Fragen aller Journalisten der Hauptstadtmedien zur Verfügung stehen.
Nach Ansicht des PR-Beraters und Kommunikationsexperten Klaus Kocks will Wulff mit dem Fernsehinterview die Kontrolle behalten. Mit dem exklusiv von ARD und ZDF geführten und vorab aufgezeichneten Interview wolle Wulff "eine kontrollierte Situation" schaffen, um unliebsamen spontanen Fragen aus dem Weg zu gehen, sagte Kocks der Nachrichtenagentur dapd.
Das Interview sollte am späten Nachmittag aufgezeichnet und um 20.15 Uhr im Ersten und im ZDF ausgestrahlt werden. Wulff wird von den Moderatoren Ulrich Deppendorf (ARD) und Bettina Schausten (ZDF) befragt. Der stellvertretende Chefredakteur Fernsehen im ARD-Hauptstadtstudio, Rainald Becker, sagte in der ARD, selbstverständlich würden auch anderen Sendern Auszüge des Interviews zur Verfügung gestellt. (© AP)




WAHL NRW/Hochrechnungen von ARD und ZDF im Vergleich
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