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Inhaftierter Vater schweigt nach Hungertod der dreijährigen Sarah

veröffentlicht am 12.08.2009


Nach dem Hungertod der dreijährigen Sarah aus dem mittelfränkischen Thalmässing hüllt sich der verhaftete Vater in Schweigen. Der 29-Jährige verweigere seit einer ersten kurzen Vernehmung bei der Polizei jede Aussage, sagte der Leiter der Nürnberger Justizpressestelle, Thomas Koch, am Mittwoch. Gegen die Eltern des Mädchens war am Dienstag Haftbefehl wegen Totschlags durch Unterlassen ergangen.

 

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Nürnberg - Nach dem Hungertod der dreijährigen Sarah aus dem mittelfränkischen Thalmässing hüllt sich der verhaftete Vater in Schweigen. Der 29-Jährige verweigere seit einer ersten kurzen Vernehmung bei der Polizei jede Aussage, sagte der Leiter der Nürnberger Justizpressestelle, Thomas Koch, am Mittwoch. Gegen die Eltern des Mädchens war am Dienstag Haftbefehl wegen Totschlags durch Unterlassen ergangen.


Laut Koch hat das Kind wohl über einen längeren Zeitraum hinweg nichts mehr zu essen bekommen. Die «Bild»-Zeitung berichtete, Sarah habe zuletzt nur noch acht Kilogramm und damit etwa die Hälfte einer normal ernährten Dreijährigen gewogen. Sie soll in einem vier Quadratmeter großen, dunklen Zimmer untergebracht gewesen sein.


Die Ermittlungen der Polizei konzentrieren sich nun auf die Verwandten der Familie. Sie würden ebenso wie Mitarbeiter des Jugendamtes als Zeugen vernommen, sagte Koch. Zudem sollen Unterlagen der Behörde gesichtet werden.


Sarahs Vater, der laut Staatsanwaltschaft als Lkw-Fahrer arbeitet, sitzt in Untersuchungshaft. Die Mutter des Mädchens liegt nach einer Notoperation auf der Intensivstation in Nürnberg. Sie sei bislang nicht ansprechbar, sagte Koch.


Wie der Sprecher des Nürnberger Polizeipräsidiums, Peter Grimm, sagte, hat die 26-jährige Mutter vor ihrer Operation noch vom Tod ihrer Tochter erfahren. Der Ehemann habe die junge Frau am Montagnachmittag ins Krankenhaus gebracht, wo er in ihrem Beisein verhaftet wurde. Grimm betonte, die Erkrankung der Frau stehe in keinem Zusammenhang mit dem Tod des Mädchens. Die 26-Jährige sei seit längerem erkrankt.


Die dreijährige Sarah war am Montagmorgen in einer Nürnberger Klinik an den Folgen einer Mangel- und Unterernährung gestorben. Sie wies aber keine Anzeichen von Misshandlung auf. Die Eltern hatten am Samstag den Rettungsdienst gerufen, der das Mädchen ins Krankenhaus brachte.


Die Familie war zum Jahreswechsel 2004/2005 nach Thalmässing im Landkreis Roth gezogen. Aufgrund einer Vorgeschichte - zwei Kinder aus einer früheren Beziehung der 26-Jährigen wurden in einem Heim untergebracht - kümmerte sich das Rother Jugendamt um die Familie, wie Jugendamtsleiter Manfred Korth der AP erklärte. Es habe die Möglichkeit bestanden, dass die junge Frau mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert sein könnte. Neben der dreijährigen Sarah hat das Paar noch einen vier Jahre alten Sohn. Er ist nach Angaben der Behörden wohlauf und wird derzeit von den Großeltern versorgt.


Bis April 2007 habe ein Sozialpädagoge die Familie jede Woche zweimal für jeweils zwei Stunden besucht. Dabei habe er festgestellt, dass die Kinder normal ernährt waren, jedoch nicht so entwickelt, wie es für das Alter normal gewesen wäre. Hinweise auf eine Vernachlässigung habe es aber zu keinem Zeitpunkt gegeben, betonte Korth. Deshalb habe der Pädagoge die Familie später nur noch vereinzelt besucht, zuletzt im November 2008.


Danach soll die stark übergewichtige Mutter bis zu 70 Kilogramm abgenommen haben. Wie es in dieser Zeit zu der tödlichen Vernachlässigung der kleinen Tochter kommen konnte, sei ihm selbst ein Rätsel. «Ich kann mir nur vorstellen, dass das ganze System zusammengestürzt ist», sagte Korth.


Bedauerlicherweise habe sich aus dem Umfeld der Familie niemand an das Jugendamt gewendet. Die Behörde habe von dem starken Gewichtsverlust der Frau erst nach dem Tod von Sarah erfahren. «Sonst wären wir sofort hingefahren», erklärte er.  (© AP)



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