Gedenken an Krieg zwischen Russland und Georgien vor einem Jahr
veröffentlicht am 07.08.2009

Ein Jahr nach Beginn des Krieges mit Russland um die abtrünnige Region Südossetien hat Georgien am Freitag der Opfer gedacht. Präsident Michail Saakaschwili legte auf einem Soldatenfriedhof in der Hauptstadt Tiflis einen Kranz nieder. Beide Parteien bezichtigen sich gegenseitig, den fünftägigen Krieg im August vergangenen Jahres provoziert zu haben.
Tiflis - Ein Jahr nach Beginn des Krieges mit Russland um die abtrünnige Region Südossetien hat Georgien am Freitag der Opfer gedacht. Präsident Michail Saakaschwili legte auf einem Soldatenfriedhof in der Hauptstadt Tiflis einen Kranz nieder. Beide Parteien bezichtigen sich gegenseitig, den fünftägigen Krieg im August vergangenen Jahres provoziert zu haben. Dabei wurden 390 Menschen getötet und Zehntausende vertrieben. Die Spannungen im südlichen Kaukasus halten weiter an.
In der Stadt Gori versammelten sich trotz anhaltenden Regens mehrere hundert Menschen an den Ruinen einer mittelalterlichen Burg zu einer Flaggenzeremonie. Die 50.000-Einwohner-Stadt im georgischen Kernland, rund 80 Kilometer westlich von Tiflis, wurde während des Krieges bombardiert. Saakaschwili wollte dort am Abend anlässlich des Jahrestags eine Rede halten.
Der russische Präsident Dmitri Medwedew verteidigte unterdessen den Militäreinsatz. Wann immer er die Ereignisse Revue passieren lasse, werde er sich bewusst, dass es «keine andere Wahl» gegeben habe.
Die Grenze zu Südossetien, dessen Unabhängigkeit Russland nach dem Krieg anerkannt hat, veranschaulicht die anhaltende Spannung in der Region. Rund 20 Kilometer nördlich von Gori haben die georgischen Streitkräfte in der Nähe der Grenze zahlreiche Kontrollpunkte errichtet. Beobachter der Europäischen Union überwachen das Gebiet. Um Südossetien im Blick zu behalten, müssen die EU-Beobachter jedoch ihre Ferngläser nutzen, da Russland sie nicht einreisen lässt. In der abtrünnigen Region sind tausende russische Streitkräfte stationiert.
Die EU hat ihren Einsatz zur Überwachung des Waffenstillstands bislang als Erfolg gewertet. «Auch wenn die EU-Beobachtermission unbewaffnet ist, gibt sie der Bevölkerung ein Gefühl der Sicherheit», sagte deren Chef Hansjörg Haber der «Berliner Zeitung». Gleichzeitig warnte der deutsche Diplomat vor wachsenden Spannungen in der Krisenregion. «Man spürt natürlich eine gewisse Nervosität auf allen Seiten. Die gegenseitigen Anschuldigungen werden lauter.»
Viele Menschen in der Region fürchten ein erneutes Aufflammen der Kämpfe. «Wir haben das Gefühl, die derzeitige Situation ist ziemlich gefährlich», sagt Lia Tabukaschwili aus Tiflis. Alle seien beunruhigt. «Wir können unser Vertrauen nur auf Gott und die internationale Gemeinschaft setzen», sagte Tabukaschwili.
Russland und Südossetien behaupten, Saakaschwili verfolge immer noch Pläne, Südossetien wieder zurückzuerobern. Die Georgier hingegen erklären, dass Russland Saakaschwili entmachten wolle, um eine weitere Annäherung des Landes an die NATO und die EU zu verhindern.
Am 7. August vergangenen Jahres überschritten russische Truppen die Grenze, nachdem die georgischen Streitkräfte eine Offensive gegen Südossetien eingeleitet hatten. Die russischen Panzer trieben die georgischen Streitkräfte in die Flucht und stießen tief in das georgische Kernland vor. Ein von der EU vermittelter Waffenstillstand beendete die Kämpfe nach fünf Tagen.
Nach Angaben der Hilfsorganisation World Vision leben in Georgien noch rund 26.000 Vertriebene in ärmlichen Verhältnissen in Flüchtlingslagern. (© AP)




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