Niederländische Regierung entschuldigt sich für Massaker von 1947
veröffentlicht am 09.12.2011

Mehr als sechzig Jahre haben die Bewohner eines indonesischen Dorfes auf eine Entschuldigung der Niederlande für ein Massaker während der Kolonialzeit gewartet. Am Jahrestag des Blutbads entschuldigte sich nun der niederländische Botschafter bei den Hinterbliebenen. Zehn von ihnen hatten gegen den niederländischen Staat geklagt - und Recht bekommen.
Rawagede/Indonesien - Mehr als sechzig Jahre haben die Bewohner eines indonesischen Dorfes auf eine Entschuldigung der Niederlande für ein Massaker während der Kolonialzeit gewartet. Am Jahrestag des Blutbads entschuldigte sich nun der niederländische Botschafter bei den Hinterbliebenen. Zehn von ihnen hatten gegen den niederländischen Staat geklagt - und Recht bekommen.
"Im Namen der niederländischen Regierung entschuldige ich mich für die Tragödie, die sich zugetragen hat", sagte der niederländische Botschafter Tjeerd de Zwaan vor Hunderten Dorfbewohnern in Rawagede. Dort waren am 9. Dezember 1947 bis zu 430 Jungen und Männer von niederländischen Soldaten erschossen worden. Die Soldaten suchten damals nach dem Anführer der Widerstands gegen die niederländische Kolonialherrschaft, Lukas Kustario. Als die Dorfbewohner sagten, sie wüssten nichts über seinen Aufenthaltsort, wurden fast alle Männer auf ein Feld gebracht und durch Kopfschüsse getötet. Ihre Leichen wurden in Massengräbern verscharrt.
Nach den Worten des Botschafters brach die Menge in Jubel und Applaus aus. "Es gibt mir das Gefühl, dass mein Kampf für Gerechtigkeit nicht sinnlos war", sagte eine Frau, deren Ehemann vom niederländischen Militär erschossen worden war. Sie war 20 Jahre alt und erst zwei Jahre verheiratet, als ihr Mann zu dem Reisfeld gebracht wurde und nie mehr zurückkam.
Die niederländischen Soldaten trafen in Rawagede kurz vor Morgengrauen ein und eröffneten das Feuer. Die aus dem Schlaf gerissenen Dorfbewohner flüchteten in Panik aus ihren Häusern. Die Männer wurden auf das Feld getrieben. Sie mussten sich in Reihen aufstellen, hinknien und die Hände auf den Hinterkopf legen. Dann wurden sie einer nach dem anderen erschossen.
Eine Witwe erinnerte sich, wie sie mit ihrem zweiten Kind schwanger war, als ihr 26-jähriger Ehemann zusammen mit etwa 60 Männern auf das Feld getrieben wurde. Sie fand seine Leiche in der letzten von drei Reihen. "Ich war so entsetzt, ihn dort mit den anderen Männern liegen zu sehen", sagte sie. "Es hatte geregnet. Ihr Blut hatte sich mit dem Wasser vermischt und bildete rote Pfützen um die Leichen. Ich bekomme dieses Bild nicht aus meinem Kopf. Ich habe immer noch Albträume deswegen."
Einige Männer hätten zu fliehen versucht, sich in Sümpfen und Plantagen versteckt. Doch sie wurden mit Hunden gejagt und schließlich auch erschossen. "Es war schrecklich. Aber ich habe es nun akzeptiert. Das war unser Schicksal", sagte die Witwe, sich die Tränen aus den Augen wischend. "Und natürlich müssen wir den Soldaten vergeben, die unsere Männer getötet haben."
"Wir wollten nie Rache. Wir wollten eine Entschuldigung und Entschädigung und letzten Endes haben wir das bekommen", sagte eine andere Frau, die ihr Baby im siebten Monat ihrer Schwangerschaft verlor, als sie von dem Tod ihres Mannes erfuhr.
Für die Gräueltaten zahlt die niederländische Regierung jedem der Kläger 20.000 Euro. Von den zehn Klägern sind allerdings drei bereits verstorben.
Schon 1948 verurteilten die Vereinten Nationen den Angriff als "willentlich und skrupellos", doch keiner der beteiligten Soldaten wurde je von derRegierung zur Rechenschaft gezogen. In einem niederländischen Bericht 1968 war zwar von einem "gewalttätigen Exzess" in Indonesien die Rede, doch es hieß nur, die Soldaten hätten eine "Polizeiaktion" durchgeführt. Der ehemalige Außenminister Ben Bot drückte sein tiefes Bedauern über Angriffe durch niederländische Streitkräfte in Indonesien im Jahre 1947 aus, doch die Regierung hatte sich nie offiziell bei den Angehörigen der Opfer von Rawagede entschuldigt. Im September dieses Jahres entschied ein niederländisches Gericht, dass der Staat verantwortlich für das Massaker war. (© AP)




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