(Im Fokus) Biograf: "Christa Wolf ist nie mit der DDR fertiggeworden"
veröffentlicht am 01.12.2011

Die verstorbene Schriftstellerin Christa Wolf ist aus Sicht ihres Biografen Jörg Magenau die wichtigste literarische Stimme der DDR gewesen. "Wenn irgendetwas von der DDR-Literatur bleibt, dann sind das die Bücher von Christa Wolf", sagte der Kritiker und Autor am Donnerstag der Nachrichtenagentur dapd.
Berlin - Die verstorbene Schriftstellerin Christa Wolf ist aus Sicht ihres Biografen Jörg Magenau die wichtigste literarische Stimme der DDR gewesen. "Wenn irgendetwas von der DDR-Literatur bleibt, dann sind das die Bücher von Christa Wolf", sagte der Kritiker und Autor am Donnerstag der Nachrichtenagentur dapd.
Als Schriftstellerin und als Person sei Wolf "nie mit der DDR fertig geworden". Die Autorin habe sich auch nach der Wende mit dem Sozialismus auseinandergesetzt, "bis ins körperliche Leiden". Wolf hinterlasse ein geschlossenes Werk, das "ganz und gar mit der DDR und ihrem Untergang verbunden ist", sagte Magenau. Es sei aber gleichzeitig ihr Dilemma gewesen, dass sie nie über die DDR hinausgekommen sei. Nach der Wende habe Wolfs Bedeutung etwas abgenommen.
Das Revolutionäre an Wolfs Literatur sei für ihn die "subjektive Authentizität", mit der Wolf ihr Leiden am Sozialismus in ihren Büchern beschrieben habe. "Sie stand sehr stark als Person ein für das, was sie schrieb", sagte Magenau. Ihr Buch "Nachdenken über Christa T." sei ein für DDR-Verhältnisse "revolutionär persönliches Buch" gewesen. Für viele Menschen sei sie so zu einer wichtigen Projektionsfigur geworden.
In die Gespräche für die Biografie, die 2002 erschien, habe Wolf erst nach langem Zögern eingewilligt. Sie sei der Ansicht gewesen, dass das Buch erst geschrieben werden sollte, wenn ihr Leben und ihr Werk abgeschlossen seien. Am Donnerstag starb Wolf im Alter von 82 Jahren in Berlin. (© AP)




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