Europa-Börsen sehr schwach
veröffentlicht am 21.11.2011

Kräftig im roten Bereich zeigen sich Europas Börsen am Montagmittag. Eine Flut schlechter Nachrichten zur Wirtschaftslage von China über Singapur bis Deutschland setzen die Märkte unter Druck. Dazu gesellen sich die bekannten Problem der Eurozone und nun auch wieder in den USA.
Frankfurt - Kräftig im roten Bereich zeigen sich Europas Börsen am Montagmittag. Eine Flut schlechter Nachrichten zur Wirtschaftslage von China über Singapur bis Deutschland setzen die Märkte unter Druck. Dazu gesellen sich die bekannten Problem der Eurozone und nun auch wieder in den USA. Der Euro-Stoxx-50 fällt gegen 12.32 Uhr MEZ um 2,5% oder 57 auf 2.180 Punkte, der Stoxx-50 gibt um 2,2% oder 48 auf 2.181 Punkte nach.
Die wichtigen Unterstützungen der Seitwärtsbewegung im Euro-Stoxx-50 bei 2.220 Punkten wurden nach unten durchbrochen. Händler rechnen nun mit einer Wiederaufnahme der Baisse.
Massive Konjunkturabschwächung droht - Global
Auf die Stimmung drücken schwächere Konjunkturdaten aus Asien. So ist der Export in Japan im Oktober deutlich stärker als erwartet zurückgegangen, das für den internationalen Transport wichtige Singapur rechnet mit einer nachhaltigen Wirtschaftseintrübung. In China hat der Vizepremier Wang vor einer langanhaltenden "globalen Rezession" gewarnt. "Bisher war immer nur von leichtem Abschwung die Rede", so ein Händler. Als Sahnehäubchen hat nun auch am Mittag die Bundesbank ihre Wachstumsprognose drastisch gesenkt. Sie rechnet 2012 nur noch mit einem Wachstum von 0,5% bis 1% nach zuvor noch 1,8%.
"Es sieht so aus, dass China als globale Wachstumslokomotive ausfällt", wertet ein Händler die Aussagen. Da die USA mit nur moderaten Wachstumsraten nicht einspringen könnten, dürfte sich das globale Wachstum weiter abschwächen. Hauptverlierer an Europas Börsen stellen danach die rohstoffnahen Basic Resources dar. Ihr Sektor fällt um über 4%. Minenwerte wie Rio Tinto, die stark für die chinesische Nachfrage profitieren, fallen um 4,8%. Auch Stahlwerte wie ArcelorMittal geben 4,3% nach.
Schuldengrenze der USA belastet wieder
Aus den USA drücken Nachrichten zur Verschuldungslage: "Zur Euro-Zonen-Krise könnte nun noch eine politische Krise in den USA kommen", so ein Händler. Dort steht die so genannte Super-Kommission bei der Suche nach Einsparungen über 1,2 Bill USD vor dem Scheitern. Diese Situation belaste besonders, weil sie zeige, dass das politische System in Washington beim Bewältigen der Krise nicht handlungsfähig sei, heißt es. Auch die Zeit drohe auszugehen: Angesichts des Thanksgiving-Feiertages am Donnerstag ende die Woche praktisch am Mittwoch.
Reaktion auf Wahlausgang in Spanien enttäuscht - Griechenland weigert sich
Enttäuscht zeigen sich Händler auch auf die Reaktion der Börse in Madrid auf das Wahlergebnis. Die spanischen Anleihen profitieren nicht vom Wahlsieg der konservativen Volkspartei, damit hat sich die Hoffnung auf eine Entspannung in der europäischen Schuldenkrise erst einmal zerschlagen. Spanische zehnjährige Anleihen rentieren weiter über 6,5%. Die Börse in Madrid fällt um 2,1%.
Auch Griechenlands Lage sorgt weiter für Verwirrung; die Auszahlung der nächsten Kredittranche ist weiter nicht in trockenen Tüchern. So weigert sich ND-Parteiführer Samaras, das von IWF, EU und EZB geforderte schriftliche Bekenntnis für die nötigen Reform- und Sparmaßnahmen bis zu den Neuwahlen abzugeben. Sollte sich dadurch die Auszahlung der Tranche verzögern, halten die Analysten der HSH-Nordbank den unkontrollierten Default des Landes für nicht ausgeschlossen. In Athen geben die Kurse um 2,9% nach.
Moody's belastet deutsches Finanzsystem - Banken leiden unter Krise
Ein negativer Kommentar von Moody´s belastet besonders deutsche Bankenwerte. Sie geben stärker als der europäische Sektor nach, der 2,7% im Minus liegt. Deutsche Bank verlieren 4,1% und Commerzbank 4,8%. Laut der Ratingagentur sind die Risiken erheblich gestiegen. Viele deutsche Banken hätten beträchtliche Engagements in europäischen Krisenstaaten und stützten ihre Finanzierung auf Großkredite aus Kapitalmarktquellen. Bei den anderen Bank-Titeln fallen Lloyds um 6%, BNP Paribas um 4,7% und Barclays um 4,5%.
Einen negativen Impuls für die europäischen Bankentitel liefert auch der erneute Anstieg der Prämien für Kreditausfallversicherungen (CDS). Im frühen Geschäft steigt der itraxx Europe Senior Financials um 15 Basispunkte auf 309/313 und notiert damit nur knapp unter seinem Rekordhoch vom 12. September bei 314 Basispunkten.
Ein möglicher Wechsel von Deutsche-Bank-CEO Josef Ackermann zu Zurich Financial Service spielt für die Aktie der Schweizer am Berichtstag kein Rolle. Das Papier gibt 1,9% auf 195,40 CHF nach, für den Sektor geht es im Stoxx-Universum 2,4% nach unten. Nach Einschätzung von Kepler ist die Wahrscheinlichkeit eines Wechsels groß.
Mit einer vollen Kasse will der niederländische Einzelhändler Ahold ein neues Sparprogramm anschieben und seine Kosten um 350 Mio EUR senken. Das laufende Aktienrückkaufprogramm und eine zukünftige Ausschüttungsquote von 40% bis 50% der Nettogewinne belasten nach Aussage eines Marktteilnehmers die Barmittel von rund 2,5 Mrd EUR kaum. Ahold verlieren nur 0,5% auf 9,39 EUR.
Enel verlieren nur optisch 5,4% auf 2,99 EUR. Der italienische Versorger zahlt 0,10 EUR Dividende aus. (© Dow Jones)







