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Wagner hat auch treue Freunde in Hawaii

veröffentlicht am 28.07.2009


60 Jahre alt, so alt wie die Bundesrepublik Deutschland, wird in diesem Jahr auch die «Gesellschaft der Freunde von Bayreuth e. V.». Mit derzeit 5.250 Mitgliedern aus über 40 Ländern in aller Welt sind die «Freunde» nicht nur einflussreich und unverzichtbar für die alljährlichen Richard-Wagner-Festspiele auf dem Grünen Hügel, sondern eine der größten und finanzstärksten Mäzenatengesellschaften in Deutschland.

 

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Bayreuth - 60 Jahre alt, so alt wie die Bundesrepublik Deutschland, wird in diesem Jahr auch die «Gesellschaft der Freunde von Bayreuth e. V.». Mit derzeit 5.250 Mitgliedern aus über 40 Ländern in aller Welt sind die «Freunde» nicht nur einflussreich und unverzichtbar für die alljährlichen Richard-Wagner-Festspiele auf dem Grünen Hügel, sondern eine der größten und finanzstärksten Mäzenatengesellschaften in Deutschland.


Seit September letzten Jahres sind die «Freunde» mit einem Anteil von 25 Prozent auch Miteigentümer der von ihnen seit 1949 geförderten Kulturinstitution. Die anderen Anteile entfallen zu gleichen Teilen auf den Bund, den Freistaat Bayern und die Stadt Bayreuth. Erstmals in ihrer Geschichte hat sich am Dienstag der nun deutlich bedeutsamer gewordene Verein mit seiner neuen Führung öffentlich vorgestellt. Der im Mai fast unbemerkt gewählte neue Vorsitzende Peter Gloystein, früher Zweiter Bürgermeister in Bremen, stellte Lage und Ziele einer Mäzenatenorganisation vor, die eine kurioses Problem hat: Sie muss wachsen, um finanziell noch leistungsfähiger zu werden.


Doch sie darf auch nicht zu sehr wachsen, weil sie sonst die Kartenwünsche ihrer Mitglieder, von denen natürlich viele die Festspiele live erleben wollen, einfach nicht mehr befriedigen kann. Die derzeitige Stagnation bei der Mitgliederzahl, die Gloystein nicht in Abrede stellte, hat also nicht nur negative Seiten. Allerdings übt die neue Festspielleitung der Halbschwestern Eva Wagner-Pasquier und Katharina Wagner Druck auch auf die «Freunde» aus, ausreichende Finanzmittel für dringend benötigte neue Räumlichkeiten und technische Einrichtungen im und um das Festspielhaus zur Verfügung zu stellen.


Gloystein kündigte an, 2010 werde deshalb ein Jahr «sehr hoher Zuwendungen» seitens der «Freunde» werden, in der Vereinskasse sei allerdings noch «einiges Geld». Die neue Führung will gleichwohl erhebliche Anstrengungen unternehmen, um potente Sponsoren für die Unterstützung der Festspiele zu gewinnen und hat dazu einen spezielle GmbH gegründet. Inwieweit solche Aktivitäten möglicherweise mit der eigenständigen Sponsorensuche der Festspielleitung kollidieren könnten, wurde aus den Äußerungen Gloysteins nicht klar.


Ein besonderer Schwerpunkt soll der Verjüngung des von Überalterung bedrohten Vereins gelten. Derzeit sind nur 250 Mitglieder Jugendliche. Weltweit kann sich die Mäzenatenvereinigung auf eine teilweise dichtes Netz von Richard-Wagner-Verbänden stützen, einen besonders rührigen gibt es Gloystein zufolge übrigens auf dem sehr fernen Hawaii. Von der Mitgliederversammlung in Bayreuth am Vortag mit immerhin 600 Teilnehmern am dritten Tag der 98. Festspiele berichtete Gloystein von regen Kontroversen um das Für und Wider des sogenannten «Regietheaters», das schon lange die Wagnerianer spaltet.


Positiv griff der neue Vorstand den Vorschlag auf, im kommenden Jahr nach der dann anstehenden Premiere der Neuinszenierung von «Lohengrin» eine öffentliche Diskussion über die Interpretion von Regisseur Gans Neuenfels zu veranstalten. Denn die Festspiele brauchen nach Meinung vieler Beobachter nicht nur mehr Geld, sondern auch mehr intellektuelle Kontroversen. Zu diesem Vorschlag nickte auch sehr zustimmend der langjährige Vorsitzende der «Freunde», Karl Gerhard Schmidt. Der gescheiterte Bankier war am Vortag zum Ehrenmitglied ernannt worden - übrigens erst das zweite in den 60 Jahren dieses außergewöhnlichen Vereins.  (© AP)



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