Die Berufswelt wird wieder etwas bunter
veröffentlicht am 27.07.2009

Auch in diesem Jahr wird die Berufswelt ein wenig bunter. Mit dem Start ins neue Ausbildungsjahr am 1. August können sich Schulabgänger erstmals in Berufen ausbilden lassen, die es so noch nicht gegeben hat.
Frankfurt/Main - Auch in diesem Jahr wird die Berufswelt ein wenig bunter. Mit dem Start ins neue Ausbildungsjahr am 1. August können sich Schulabgänger erstmals in Berufen ausbilden lassen, die es so noch nicht gegeben hat. In diesem Sommer gibt es drei neue Berufe: den Bergbautechnologen, den Industrieelektriker und den Werkfeuerwehrmann. Darüber hinaus wurden die Ausbildungen von vier Berufen modernisiert, wie Jorg-Günther Grunwald vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn erläutert.
Nach seinen Worten sind die Gründe für die Schaffung neuer Ausbildungsberufe vielfältig. Häufig gehe es darum, veränderten Anforderungen in der Wirtschaft gerecht zu werden oder auf langfristige Entwicklungen wie die Alterung der Gesellschaft zu reagieren. Was das im Einzelnen bedeutet, zeigt beispielweise die neu geschaffene Ausbildung zum Bergbautechnologen beziehungsweise zur Bergbautechnologin. Die weibliche Berufsbezeichnung ist in diesem Zusammenhang entscheidend, «denn erstmals ist dieser Beruf auch für Frauen geöffnet», sagt Grunwald. Bislang gab es die Ausbildung zum Bergmechaniker, die Frauen wegen der harten Arbeitsbedingungen nicht antreten durften.
«Es gibt aber neue Techniken, das meiste wird heute über Maschinen und Anlagen gesteuert», erläutert der Experte. Die Arbeit alter Prägung sei passé, es geben inzwischen einfach einen hohen Mechanisierungsgrad und viele automatisierte Arbeitsabläufe. Handlungsbedarf bestand auch wegen kontinuierlich sinkender Ausbildungszahlen. 1991 waren es nach Worten Grunwalds noch rund 1.500 Azubis, die Bergmechaniker werden wollten, zuletzt habe die Zahl bei 300 bis 400 gelegen. «Hier ging es auch darum, die Reißleine zu ziehen, damit kein Know-how verloren geht», betont er.
Angehende Bergbautechnologen werden künftig auch im Bereich der Tiefbohrtechnik geschult. Die Ausbildungsdauer wurde zudem von dreieinhalb auf drei Jahre verkürzt. Mögliche Einsatzorte sind nach Angaben Grunwalds neben den klassischen Bergbauunternehmen auch Betriebe, die auf Tiefbohrung spezialisiert sind, Untertagedeponien oder die Rohstoffgewinnung.
Richtig Zündstoff liefert die auf den ersten Blick unverdächtige zwei Jahre dauernde Ausbildung zum Industrieelektriker: «Dem ist eine sehr intensive Diskussion vorausgegangen», räumt Jorg-Günther Grunwald vom BIBB ein. Klaus Heimann von der IG Metall wird da noch deutlicher: «Wir empfehlen weder Auszubildenden noch den Betrieben, sich für diesen Beruf zu entscheiden.» Für den Berufsbildungsexperten der Gewerkschaft liegt der Wunsch der Industrie nach einem solchen Ausbildungsgang auf der Hand: «Hier sollen Kosten gespart werden. Es handelt sich schlicht um eine Schmalspurausbildung.»
Er kritisiert, dass den jungen Leuten lediglich vorgegaukelt werde, sie würden binnen kurzer Zeit umfassend ausgebildet. Tatsächlich fehle ihnen am Ende aber die für den anspruchsvollen Elektrobereich so nötige Prozesskompetenz. «Hier werden keine flexiblen Leute ausgebildet», sagt er. Vielmehr gehe es den Betrieben nur darum, für ihre Bedürfnisse kostengünstig Arbeitskräfte anzulernen.
Neu ist in der Berufswelt ab 1. August schließlich auch der Beruf des Werkfeuerwehrmanns, der für Brand- und Gefahrenschutz in großen Unternehmen und Werken zuständig sein soll. Hintergrund für die Neuerung ist auch hier die künftige Personalgewinnung. War es bislang für die betroffenen Betriebe üblich, Mitarbeiter für die Werksfeuerwehr einzustellen, die ihre Ausbildung im öffentlichen Dienst absolviert haben, sollen sie nun selbst die Möglichkeit haben, auszubilden. Auch hier gab es im Vorfeld wegen der unterschiedlichen Vorschriften der einzelnen Bundesländer eine kontroverse Diskussion, wie Grunwald erläutert.
Er hält die neue Ausbildung aber für sehr reizvoll: «Denn sie umfasst eine Reihe weiterer Qualifikationen - unter anderem die Schulung zum Rettungssanitäter.» Ob allerdings ein Werkfeuerwehrmann später auch mit einem nach Beamtenrecht ausgebildeten Feuerwehrmann gleichgestellt ist, liegt im Ermessen der Länder.
Neuerungen gibt es zum Start des Ausbildungsjahres auch für Schulabgänger, die Fotograf, Keramiker, Musikfachhändler oder technischer Modellbauer werden wollen. So ist beim Fotografen beispielsweise die Ausbildungsstruktur geändert worden, sie ist nun nach den Schwerpunkten Porträt-, Produkt-, Industrie- und Architekturfotografie sowie Wissenschaftsfotografie gegliedert. Der technische Modellbauer löst die bislang eigenständigen Ausbildungen zum Modellbauer (Handwerk) und Modellbaumechaniker (Industrie) ab.
Ob neue geschaffene Berufe auch gut angenommen werden, lässt sich nach Einschätzung Grunwalds nicht sofort sagen. «Man braucht sicherlich immer eine gewisse Startphase.» Grund zum Optimismus gibt ihm aber das Beispiel des Maschinen- und Anlagenführers, das zuvor auch heftig umstritten gewesen sei, im Anschluss aber breiten Anklang gefunden habe. Gewerkschafter Klaus Heimann sieht auch kein generelles Problem bei der Schaffung neuer Berufe oder der Überarbeitung von Ausbildungsgängen. Allerdings warnt er vor bloßem Berufebasteln. Denn die Rechnung, neue Berufe bedeuteten gleichzeitig mehr Ausbildungsplätze, gehe häufig nicht auf. (© AP)




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Das neue Ausbildungsjahr beginnt - Fragen und Antworten für Schulabgänger

