Reiserückkehrer schleppen Schweinegrippe ein

veröffentlicht am 23.07.2009


Die Schweinegrippe breitet sich auch in Deutschland sprunghaft aus. In nur 24 Stunden schnellte die Zahl um 637 auf 2.455 hoch, das sind dreimal so viel wie vor einer Woche. Die allermeisten neu Erkrankten sind Reiserückkehrer, wie das Robert-Koch-Institut am Donnerstag mitteilte.

 

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Berlin - Die Schweinegrippe breitet sich auch in Deutschland sprunghaft aus. In nur 24 Stunden schnellte die Zahl um 637 auf 2.455 hoch, das sind dreimal so viel wie vor einer Woche. Die allermeisten neu Erkrankten sind Reiserückkehrer, wie das Robert-Koch-Institut am Donnerstag mitteilte. Die Regierung setzt nun alles auf den Impfstoff, der bis Anfang Oktober bereitstehen soll. Zwei Drittel der Bevölkerung müssen aber noch länger warten, weil zunächst Menschen auf einer Vorrangliste geimpft werden.


Der vom RKI registrierte Anstieg der Fallzahlen ist inzwischen von Tag zu Tag steiler. In den 24 Stunden bis Dienstag, 15.00 Uhr, wuchs die Zahl um 263 auf 1.818, in den folgenden 24 Stunden bereits um die genannten 637 Fälle. Das RKI veröffentlicht die Zahl jeweils am folgenden Tag. Erst am 15. Juli waren deutschlandweit nur 834 Fälle der Neuen Grippe vom Typ H1N1 bekannt.


RKI-Präsident Jörg Hacker warnte dennoch abermals vor Panik. Die Zahlen nähmen europaweit zu, sagte er im MDR. «Es könnte durchaus sein, dass wir weiter höhere Fallzahlen bekommen und dann natürlich auch gelegentlich schwerere Verläufe. Das ist einfach eine Frage der Menge an Erkrankten.»


Die meisten neuen Fälle, nämlich 528, wurden bei Urlaubsrückkehrern diagnostiziert. Gezählt werden auch neue Fälle, bei denen nach Angaben des RKI selbst keine Labordiagnose durchgeführt wurde, die aber Kontakt zu laborbestätigten Erkrankten hatten. Die weitaus meisten Erkrankungen gibt es mit 943 in Nordrhein-Westfalen. In Niedersachsen sind es 516, in Baden-Württemberg 249 und in Bayern 224. Hamburg (16), Bremen (18) und Brandenburg (20) melden dagegen derzeit die wenigsten Fälle.


Bisher verlaufen die Erkrankungen meist leicht und werden mit antiviralen Mitteln wie Tamiflu behandelt. Letztlich in den Griff zu bekommen ist die Epidemie aber aus Sicht der Regierung nur mit Impfungen.


Man erwarte den Impfstoff Ende September oder Anfang Oktober, sagte Gesundheits-Staatssekretär Klaus Theo Schröder im Deutschlandfunk. Trotz der großen Eile werde das Serum genau getestet, um Risiken so gering wie möglich zu halten, versicherte er.


Die angekündigte Massenimpfung von 22,5 Millionen besonders gefährdeten oder für die Gesundheitsversorgung notwendigen Personen werde mehrere Wochen dauern. Danach könnten auch alle anderen Krankenversicherten in Deutschland sich impfen lassen. Wann sie dran kommen, konnte der Staatssekretär aber nicht vorhersagen.


Nach einer geplanten Verordnung der Regierung sollen zunächst chronisch Kranke - zum Beispiel Asthma-, Herz-Kreislauf- und Diabetes-Patienten - und Schwangere sowie Beschäftigte im Gesundheitswesen, bei Feuerwehr und Polizei an die Reihe kommen. «Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, um zügig durchzuimpfen», sagte der Staatssekretär.


Schröder verteidigte die Kosten, die sich für die gesamte Bevölkerung auf etwa zwei Milliarden Euro belaufen. «Wir brauchen natürlich den Impfstoff und er ist entwickelt worden», sagte er. Deutschland habe gute Konditionen herausgehandelt.


Auch rund um die französische Hauptstadt Paris wurden allein am Mittwoch 64 neue Fälle von Schweinegrippe bestätigt. In den arabischen Ländern raten inzwischen die Gesundheitsminister Alten, Kindern und chronisch Kranken von einer Pilgerfahrt nach Mekka ab. Zu einer völligen Absage der Hadsch konnten sich die in Kairo versammelten Minister aber nicht durchringen.


Erstmals zeigte sich in Kanada ein Schweinegrippepatient resistent gegen die verfügbaren Arzneien: Der 60-jährige in der Provinz Quebec sprach auf eine vorbeugende Behandlung mit Tamiflu nicht an. Seit Beginn der Schweinegrippewelle im April handelt es sich um den weltweit vierten Fall einer solchen Resistenz.  (© AP)



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