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Influenza-Untersuchung vor der Praxistür

veröffentlicht am 22.07.2009


«Menschen, die eine Schweinegrippe bei sich für möglich halten, haben keinen Zutritt zur Praxis.» Seit Anfang der Woche prangt ein Schild mit dieser Aufschrift an der Praxistür des Hannoverschen Arztes Dr. Helmut Beermann. Möglicherweise mit der neuen Influenza infizierten Patienten will der Allgemeinmediziner ärztliche Hilfe dennoch keineswegs verweigern: «Bitte vier mal Klingen und im gebührenden Abstand draußen warten!», empfiehlt das Schild weiter.

 

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Hannover - «Menschen, die eine Schweinegrippe bei sich für möglich halten, haben keinen Zutritt zur Praxis.» Seit Anfang der Woche prangt ein Schild mit dieser Aufschrift an der Praxistür des Hannoverschen Arztes Dr. Helmut Beermann. Möglicherweise mit der neuen Influenza infizierten Patienten will der Allgemeinmediziner ärztliche Hilfe dennoch keineswegs verweigern: «Bitte vier mal Klingen und im gebührenden Abstand draußen warten!», empfiehlt das Schild weiter.


Wenn das spezielle Influenza-Klingelsignal ertönt, zieht sich der Arzt die Handschuhe über, legt den Mundschutz an und geht persönlich zur ersten Untersuchung nach draußen vor die Praxis. «Ich mache dann eine Kurzanamnese vor der Tür», sagt er. Wenn sich dabei der Influenza-Verdacht erhärte, werde die Tür seines Wartezimmers geschlossen und der betroffene Patient daran vorbei direkt in ein separates Behandlungszimmer geführt. «Ich muss mich selbst und die anderen Patienten vor einer Infektion schützen», betont Beermann.


Vier Patienten mit Verdacht auf neue Influenza hat der Allgemeinmediziner seit Montag bereits draußen vor der Praxis einer Erstuntersuchung unterzogen. In allen vier Fällen konnte er allerdings sogleich Entwarnung geben. «Keiner der Patienten hat die typischen Symptome», sagt der Arzt. Die neue Grippe beginne immer sehr schnell ohne vorangehende Erkältungssymptome und zudem meist mit mehr als 38 Grad Fieber. Das abschreckende Schild an der Praxistür finden die meisten Patienten nach Angaben des Arztes «prima».


Rund jeder vierte an der neuen Influenza erkrankte Bundesbürger ist momentan ein Niedersachse, obwohl in dem Bundesland zwischen Harz und Nordsee nur jeder zehnte Deutsche zu Hause ist. 1.818 nachgewiesene Fälle der Schweinegrippe zählte das Robert-Koch-Institut bis einschließlich Dienstagnachmittag bundesweit, allein 516 Fälle das niedersächsische Landesgesundheitsamt. Von den kranken Niedersachsen steckten sich zwar die meisten auf Auslandsreisen an - nur 63 in Deutschland. Von den 135 in der Region Hannover erkrankten Patienten haben sich immerhin 22 daheim infiziert.


Der Präsident des niedersächsischen Landesgesundheitsamtes, Matthias Pulz, hält denn auch den Grundgedanken für richtig, der hinter dem zunächst abschreckenden Praxisschild steckt. «Allerdings kann man das gleiche auch dezenter erreichen», meint er. Patienten mit Influenza-Befürchtungen werde empfohlen, zunächst in der Arztpraxis anrufen. «Der Arzt kann dann am Telefon mit dem Patienten einen Zeitpunkt zur separaten Behandlungen vereinbaren», sagt Pulz.


Besonders von Wartezimmern, in denen sich ja bereits kranke und geschwächte Menschen aufhalten, soll man Pulz zufolge Influenza-Infizierte fernhalten. «Gerade bei geschwächten Menschen kann die eigentlich milde verlaufende Infektion zu schwereren Erkrankungen führen», sagt der Präsident des Landesgesundheitsamtes.


Auch die Ärzte müssten sich bei der Untersuchung der möglicherweise Infizierten und bei der späteren Behandlung durch Mundschutz und Handschuhe vor Ansteckung bewahren. In Niedersachsen habe man bereits mehrere Praxen von Ärzten, die Infizierte ohne Schutz untersucht hätten, vorübergehend schließen müssen. «Beim Abstrich können aus dem offenen Mund Viren übertragen werden», betont Pulz.


Für die relativ hohe Zahl der Infektionen in Niedersachen hat der Chef des Landesgesundheitsamtes eine relativ einfache Erklärung. Zwischen Harz und Nordsee starteten die Schüler in diesem Jahr bereits am 24. Juni in die Sommerferien. Kein anderes Land war früher dran. Entsprechend zeitig starteten die Familien ihre Urlaubsreisen. Von den 516 erkrankten Niedersachsen haben sich allein 363 in Spanien, vor allem auf Mallorca, infiziert. «In zwei, drei Wochen sieht die Verteilung der Infizierten ganz anders aus - dann werden auch andere Bundesländer stark wachsende Infektionszahlen haben», prognostiziert Pulz.


Für besonders gefährlich hält der oberste niedersächsische Amtsarzt die neue Influenza nicht. «Die Sterblichkeit liegt bislang unter der einer normalen Grippe», sagt er. Man habe daher die Vorbeugemaßnahmen bereits gelockert. Familienangehörige oder Mitbewohner von Infizierten müssten nicht mehr automatisch zu Hause bleiben, sondern könnten weiter ihrer Arbeit nachgehen. Diese Kontaktpersonen müssten nur noch daheim bleiben, wenn sie in einer Schule, einem Kindergarten oder im medizinischen Bereich beschäftigt seien.  (© AP)



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