|
11. Juli 2009
Protestbewegung im Iran verliert an Schwung
Die Opposition im Iran ist keine einheitliche, geschweige denn einige Bewegung. Manche Demonstranten würden wohl gerne die Herrschaft der Mullahs zu Fall bringen, aber sie sind in der Minderheit. Die Reformpolitiker wie Mussawi sind indessen Teil des Systems und wollen es auch erhalten. Doch ihre systemimmanenten Reformbestrebungen haben in der Vergangenheit kaum Veränderungen gebracht. So äußerten sich vor allem junge Menschen sehr enttäuscht über Mohammed Chatami, den relativ liberalen Präsidenten der Jahre 1997 bis 2005.
Mussawi und andere Reformer haben die Demonstrationen nach der Präsidentenwahl wohl als Hebel gesehen, um die Herrschaft des Klerus und des Hardliners Ahmadinedschad ein wenig aus den Angeln zu heben. Aber sie wollen auf keinen Fall riskieren, dass der Protest der Straße außer Kontrolle gerät, wie der Iran-Experte Aliresa Nader aus Washington betont: «Sie wollen das System nicht stürzen.»
So waren es denn am Donnerstag hauptsächlich junge Menschen, die wiederum spontan ihrem Ärger über den Ausgang der Präsidentenwahl Luft machten. Dass es so viele waren, dürfte sie in ihrer Entschlossenheit bestärkt haben, den Sicherheitskräften zu trotzen. Und dabei erhielten sie auch Unterstützung aus der Bevölkerung. So waren viele Anwohner und Ladenbesitzer bereit, den Demonstranten schnell Unterschlupf zu bieten, wenn diese von Polizisten oder Bassidsch-Milizionären bedrängt wurden.
Doch ob solche Gesten ausreichen, eine Massenbewegung gegen die Regierung auf die Beine zu stellen, bleibt mehr als fraglich. Und die Behörden scheinen dies erkannt zu haben. Jedenfalls hielten sich die Sicherheitskräfte am Donnerstag merklich zurück, obwohl sie vorher noch damit gedroht hatten, jede Menschenansammlung zu zerschlagen. Offenbar wollten sie verhindern, dass die Opposition im Falle einer Eskalation neuen Zulauf erhält. Denn so langsam scheint der Protestbewegung von selbst die Luft auszugehen.

|