Hessen verbietet zwei "Hells-Angels"-Gruppen
veröffentlicht am 30.09.2011

Das Land Hessen hat zum Schlag gegen kriminelle Rockerbanden ausgeholt: Innenminister Boris Rhein verbot zwei Ableger der umstrittenen "Hells Angels" in Frankfurt am Main. Bei den Clubs "Westend" und "Frankfurt" handele es sich um "lupenreines organisiertes Verbrechen", sagte der CDU-Politiker am Freitag in Wiesbaden. Beide Vereine hätten den Zweck, in ihrem Gebiet "kriminelle Macht zu entfalten und Gebiets- und Machtansprüche durchzusetzen".
Wiesbaden/Frankfurt - Das Land Hessen hat zum Schlag gegen kriminelle Rockerbanden ausgeholt: Innenminister Boris Rhein verbot zwei Ableger der umstrittenen "Hells Angels" in Frankfurt am Main. Bei den Clubs "Westend" und "Frankfurt" handele es sich um "lupenreines organisiertes Verbrechen", sagte der CDU-Politiker am Freitag in Wiesbaden. Beide Vereine hätten den Zweck, in ihrem Gebiet "kriminelle Macht zu entfalten und Gebiets- und Machtansprüche durchzusetzen". Ein Sprecher der "Hells Angels" kündigte an, die Rockergruppe werde gegen das Verbot klagen.
Das Ministerium wirft ihnen unter anderem Drogen- und Menschenhandel vor. Die Rockergruppen gelten nun als aufgelöst. Den etwa 90 Mitgliedern in Frankfurt sei der entsprechende Bescheid persönlich zugestellt worden, berichtete Rhein. An beiden Vereinsheimen hätten Polizisten die Schilder abgeschraubt. Die Gruppe "Westend", die laut Rhein zu einer der bedeutendsten in ganz Deutschland zählt, ist zudem durchsucht worden.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden am Donnerstag vier Lagerräume der "Hells Angels" wegen Verdachts der Hehlerei und Verstoßes gegen das Waffengesetz durchsucht. Die Fahnder suchten demnach auch in der Privatwohnung des" Hells-Angels"-Präsidenten nach verbotenen Gegenständen.
Rhein sagte, mit dem Verbot dürften die Kennzeichen der Vereine nicht mehr öffentlich verwendet werden. Zudem sei das Vermögen beschlagnahmt worden. Die Gründung von Ersatzorganisationen sei untersagt. Vom Verbot erhoffe er sich eine deutliche Schwächung der "Hells Angels". Durch die erzwungene Auflösung erlitten die Vereine große Machtverluste im Milieu. "Die Aktionsfähigkeit der ‚Hells Angels’ wird deutlich und massiv eingeschränkt", sagte der Minister.
Ein Sprecher der Rockerorganisation kündigte auf dapd-Anfrage Klage gegen das Verbot an. Der Anwalt der Ortsgruppe "Westend", Ulrich Endres, sprach von einem "Schnellschuss". Er glaube, das Verbot halte einer gerichtlichen Überprüfung nicht stand.
In Hessen hat die Gruppe noch drei weitere Ableger in Offenbach, Darmstadt und Hanau. Landespolizeipräsident Udo Münch sagte, die "Hells Angels" aus Frankfurt hätten das Recht, sich einer anderen nicht verbotenen Ortsgruppe anzuschließen.
In der Vergangenheit war das Innenministerium mehrfach wegen der Rockergruppe in die Schlagzeilen geraten. Ende 2010 waren fünf hessische Polizisten vom Dienst suspendiert worden, die interne Informationen an "Hells Angels"-Mitglieder weitergegeben haben sollen. Vor kurzem waren Vorwürfe gegen Rhein laut geworden, er habe selbst Kontakte zu den Rockern. Dem widersprach Rhein entschieden. Nach seinen Worten sind dem Verbot jahrelange Ermittlungen vorausgegangen.
Das Verbot der Frankfurter "Hells Angels" bleibt möglicherweise nicht das einzige in Hessen. Rhein sagte, die Sicherheitsbehörden würden die Rockerszeneweiter intensiv beobachten. "Sollte gegen das Verbot verstoßen werden, greifen wir hart durch", fügte er hinzu.
Auch in Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein wurden bereits Ortsgruppen der "Hells Angels" aufgelöst. In Hamburg ist die Rockergruppe seit 1983 vereinsrechtlich verboten. Auch Rheinland-Pfalz kündigte am Freitag an, ein Verbot von Rockerbanden zu prüfen. Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, plädierte für ein bundesweites Verbot der "Hells Angels". (© AP)




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