Freispruch für mutmaßlichen NS-Kriegsverbrecher gefordert
München - In einem der wohl letzten NS-Kriegsverbrecherprozesse hat die Verteidigung den Freispruch des angeklagten 90-jährigen früheren Wehrmachtsoffiziers gefordert. «Es lässt sich abschließend nichts aber auch gar nichts an Beweismitteln zusammentragen, dass die persönliche Schuld von Herrn Sch. erkennen lässt», erklärte Verteidiger Christian Stünkel am Freitag in seinem Plädoyer vor dem Münchner Landgericht.
Die Staatsanwaltschaft fordert eine lebenslange Haftstrafe. Sie wirft Josef Sch. 14-fachen Mord und versuchten Mord in einem Fall vor. Er soll als Kompanieführer des Gebirgspionierbataillons 818 im Juni 1944 in der Toskana die Ermordung von 14 italienischen Zivilisten befohlen haben. Der Prozess wird am 16. Juli fortgesetzt. Da einer der Verteidiger sein Plädoyer noch fortsetzen wird, ist unklar, ob dann auch ein Urteil fällt.
Allein das Eingebundensein in eine Armee oder in eine Befehlskette könne nicht zu einem Schuldspruch führen, sagte Anwalt Stünkel. Eine persönliche Schuld von Josef Sch. sei nicht festzumachen, stattdessen sei «lauter Zweifel» an seiner Täterschaft «mehr als berechtigt». Es gebe kein schriftliches Dokument, das einen Befehl von Josef Sch. dokumentiere. Viele Zeugenaussagen ließen Fragen offen.
Das Massaker an den 14 italienischen Zivilisten im Zweiten Weltkrieg sei nach so langer Zeit nicht mehr aufzuklären, sagte Verteidiger Klaus Goebel. Während viele Zeugen oder andere mutmaßliche Beteiligte schon verstorben oder nicht mehr verhandlungsfähig seien, müsse Josef Sch. «sozusagen als letzter Mohikaner» vor Gericht, kritisierte Goebel. Zugleich rechnete er vor, dass es im Zweiten Weltkrieg auch auf deutscher Seite zivile Opfer gegeben habe. weiterlesen >>