Friedliche Haie auf Fehmarn
veröffentlicht am 04.07.2009

Ein Schwarm wendiger Silberflossenblätter und ein Paar glupschäugiger Makrelen tummeln sich im Drei-Millionen-Liter-Aquarium, als sich plötzlich ein großer Schatten ins Blickfeld der Besucher schiebt. Langsam, geradezu majestätisch gleitet «Sharkeline», der Star des Meereszentrums in Burg auf Fehmarn, die große Panorama-Scheibe entlang: eine geschätzte 200 Kilogramm schwere und gut drei Meter lange Sandtigerhai-Dame. Die Besucher beobachten das riesige Tier ehrfurchtsvoll und zücken ihre Digitalkameras.
Fehmarn - Ein Schwarm wendiger Silberflossenblätter und ein Paar glupschäugiger Makrelen tummeln sich im Drei-Millionen-Liter-Aquarium, als sich plötzlich ein großer Schatten ins Blickfeld der Besucher schiebt. Langsam, geradezu majestätisch gleitet «Sharkeline», der Star des Meereszentrums in Burg auf Fehmarn, die große Panorama-Scheibe entlang: eine geschätzte 200 Kilogramm schwere und gut drei Meter lange Sandtigerhai-Dame. Die Besucher beobachten das riesige Tier ehrfurchtsvoll und zücken ihre Digitalkameras.
«Sharkeline» und Co. sind wohl die ungewöhnlichsten der knapp 13.000 Einwohner auf Fehmarn. Im nach Angaben des Betreibers größten tropischen Aquarium Deutschlands leben mehrere große Haiarten in friedlicher Eintracht miteinander und sogar mit ihren natürlichen Beutefischen. «Die Besucher sollen sehen, dass Haie zwar perfekte Räuber sind, vor denen man Respekt haben sollte, dass es aber grundsätzlich friedliche Tiere und nicht etwa blutrünstige Monster sind», sagt Aquarienleiter Thomas Ulrich.
Neben drei Sandtigerhaien ziehen ein Zitronenhai, mehrere Ammenhaie und Schwarzspitzen-Riffhaie im Hai-Aquarium ihre Kreise. Das Sandtigerhai-Weibchen mit dem irreführenden Namen «Homer» stiehlt «Sharkeline», der größten Bewohnerin und Chefin im Becken, regelmäßig die Show. Sie sieht aus, als bräuchte sie dringend eine Zahnspange: Ihr Oberkiefer ragt so weit aus dem Maul hervor, dass sie den Besuchern eindrucksvoll ihre zahlreichen Zahnreihen präsentiert. «Homer hat buchstäblich mal ihr Maul zu weit aufgerissen», sagt Ulrich.
Fast alle Haiarten können ihr Gebiss ausklinken, um ihre Beute besser packen zu können. Normalerweise renken sich die Kiefer durch Gähnen wieder ein, manchmal klappt das aber nicht mehr. Da «Homer» keine Schmerzen oder Probleme beim Fressen hat, kann die Haifischdame mit diesem kleinen Schönheitsfehler eigentlich gut leben. Vielleicht ist sie aber deshalb so zickig, wie Ulrich sagt: «Die Haie haben durchaus eigene Charaktere - manche sind frech und neugierig, andere vorsichtig oder vollkommen träge.»
Nachwuchs ist erstmal nicht in Sicht, denn Sandtigerhai-Männchen «Ben» ist noch nicht geschlechtsreif. Die späte Geschlechtsreife und die damit verbundene schlechte Reproduktionsrate verstärken die ohnehin schwerwiegende Gefährdung zahlreicher Haiarten. «Selbst wenn wir sofort sämtliche Haiarten unter Schutz stellen würden, könnte es für viele schon zu spät sein», sagt Ulrich.
Jedes Jahr würden rund 200 Millionen Haie getötet. Dabei spielen sie als Gesundheitspolizei der Meere für das gesamte Ökosystem eine wichtige Rolle, da sie vor allem kranke und verletzte Tiere fressen.
Das Salzwasser, in dem die rund 1.500 tropische Meeresbewohner aus 250 Arten leben, stammt nicht etwa aus der nahen Ostsee, sondern wird eigens hergestellt. Dazu wird Leitungswasser durch aufwendige Verfahren absolut keimfrei gemacht und dann ein Spezial-Meersalz zugesetzt: Rund 40 bis 50 Tonnen werden davon jährlich benötigt.
Ausgezeichnete Wasserqualität ist auch eine Voraussetzung für die lebenden Korallen in den kleineren Aquarien. Diese bieten einen natürlichen Lebensraum für Seepferdchen, Rochen, Riesenzackenbarsche und natürlich auch die orange-weiß-schwarz gestreiften Clownfische, die Vorbilder für den Film-Fisch «Nemo».
Der 44-jährige Ulrich kam über seine Leidenschaft für Aquaristik zu seinem Job. Zunächst sei er als Besucher ins Meereszentrum gekommen, habe dann ein bisschen ausgeholfen und 1997 schließlich den Kfz-Betrieb gegen die bunte Unterwasserwelt eingetauscht, erzählt der gelernte Techniker. Bereut hat er diesen Schritt nie: «Der einzige Nachteil, wenn man sein Hobby zum Beruf macht: Man muss sich ein neues Hobby suchen», sagt er schmunzelnd. Besonders stolz ist er auf das 1.000-Liter-Aquarium mit Seepferdchen, deren Haltung und Zucht extrem anspruchsvoll ist.
Die Baby-Seepferdchen wachsen in der Bauchtasche ihrer Väter heran, aus der sie eines Tages zu hunderten heraussprudeln. Der winzige, nicht einmal einen Zentimeter große und hoch empfindliche Seepferdchen-Nachwuchs wird in Aufzuchtbecken gebracht, wo er durchgehend alle zwei Stunden mit speziellem Plankton gefüttert werden muss. Schon eine versäumte Fütterung kann Ulrich zufolge alle Bemühungen zunichte machen. Die Futterkosten für die gut zwei Dutzend Seepferdchen und ihren Nachwuchs sind demzufolge ebenso hoch wie die der dreizehn Haie im größten Aquarium. (© AP)




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