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03. Juli 2009
Evangelisch ist nicht gleich evangelisch
Am 13. Mai 1565 erschien Friedrich III. mit einer sechsköpfigen Delegation in der Katharinenkirche und entließ alle lutherischen Pfarrer und Kirchendiener nach einer kurzen Befragung, weil sie «nicht rechtgläubig» seien. Außerdem ordnete er an, alles aus der Kirche zu entfernen, was als sichtbarer Ausdruck des Glaubens diente: «Bilder, Gemälde, Altäre und was sonst an Kleidung oder anderem der äußerlichen Abgötterei gedient hat». Begründet wurde die Zerstörung mit dem Gebot aus dem 2. Buch Mose: «Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen.» Bis heute gilt ein besonders sparsam eingerichteter Kirchenraum als Hinweis auf calvinistische Einflüsse.
Damals wurden die Wurzeln gelegt für mehr als 250 Jahre erbitterter Streitigkeiten zwischen den beiden protestantischen Konfessionen, den Lutheranern und den Reformierten. Weiter verschärft wurde der Konflikt im Dreißigjährigen Krieg, als der schwedische König Gustav Adolf bei seinem Kriegszug durch Deutschland alles tat, um seine Lutheraner zu fördern.
Die Reformierten in der Tradition Calvins waren stets in Bedrängnis, was wohl einen Teil ihrer fundamentalistischen Neigungen erklärt. Auch in der Kurpfalz ging die Landesherrschaft 1685 wieder an die katholische Kirche. Viel weiter als bis Oppenheim ist Calvin nicht gekommen, gleich danach begannen die katholischen Herrschaftsgebiete von Mainz und Köln. Aber auch im Hunsrück war stellenweise kurpfälzisches Gebiet. Außerdem waren reformierte Christen im Siegerland, im Bergischen Land, am Niederrhein, in Ostfriesland, in der Umgebung von Bremen und in Teilen von Berlin und Brandenburg verbreitet.
Wie beim Abendmahl so gab es auch andere Formen der Religionsausübung, bei denen die Lutheraner den Katholiken näher standen als den Reformierten. So hatten sie ein ähnliches Taufverständnis wie die Katholiken und fast doppelt so viele Feiertage wie die Reformierten. Im Alltagsleben arrangierten sich die Menschen ungeachtet ihrer jeweiligen Konfession. Die Pfarrer betrieben bis weit ins 18. Jahrhundert hinein die Abgrenzung. weiterlesen >>

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