Frankfurt/Main - Evangelisch, lutherisch oder uniert? Die meisten Protestanten in Deutschland sind sich ihrer genauen konfessionellen Heimat nicht ganz sicher - ganz im Unterschied zum festgefügten Standort der katholischen Kirche. Die Ursachen dafür liegen in den Wirrungen der Konfessionsgeschichte vom 16. bis zum frühen 19. Jahrhundert und nicht zuletzt im Einfluss von Johannes Calvin, dessen Geburtstag sich am 10. Juli zum 500. Mal jährt.
Der erbitterte Streit zwischen den verschiedenen Richtungen der Reformation ist heute kaum noch nachvollziehbar. Im Zentrum stand das Abendmahl. Der Genfer Calvin und der Zürcher Ulrich Zwingli warfen Martin Luther vor, sich nicht deutlich genug vom katholischen Verständnis gelöst zu haben. Luther hielt an der «Realpräsenz» von Leib und Blut Christi in Brot und Wein des Abendmahls fest, worin die Calvinisten eine «vermaledeite Abgötterei», einen Götzendienst sahen.
Welche Folgen dieser Streit hatte, zeigte sich 1565 auf drastische Weise in der Kleinstadt Oppenheim zwischen Mainz und Worms. Die auf einer Anhöhe über dem Rhein gelegene Katharinenkirche, heute als schönstes gotisches Bauwerk zwischen Straßburg und Köln gerühmt, war damals Schauplatz eines beispiellosen Bildersturms.
Die ehemalige freie Reichsstadt gehörte da längst zur Kurpfalz. Kurfürst Friedrich III. war fest entschlossen, in allen seinen Landen die von den Lehren Calvins geprägte Kirchenordnung einzuführen, zusammen mit dem Heidelberger Katechismus von 1563, der wichtigsten Schrift des reformierten Bekenntnisses, wie die calvinistische Richtung in Deutschland genannt wurde. weiterlesen >>