Baden-Württemberg wechselt Lieferanten von Wattestäbchen
Stuttgart - In Baden-Württemberg hat der Irrtum der Polizei im Fall der Phantom-Täterin Konsequenzen: Die Ermittler haben den Lieferanten von Wattestäbchen gewechselt. «Es gibt eine entsprechende Verfügung. Bis auf weiteres verwenden wir nur noch Wattestäbchen von einer Firma», bestätigte die Sprecherin von Innenminister Heribert Rech (CDU) den «Stuttgarter Nachrichten». Demnach wurde der restliche Bestand von rund 4.000 Abstrichbestecken der Firma Greiner Bio-One (Frickenhausen) aus dem Verkehr gezogen. Stattdessen bezieht das Land jetzt zentral die Ware von der Firma Herenz (Hamburg).
Im März dieses Jahres war bekanntgeworden, dass Ermittler bei der Suche nach der Polizistenmörderin von Heilbronn monatelang eine DNA-Spur verfolgt hatten, die nicht von einer im In- und Ausland gesuchten Serientäterin, sondern in Wahrheit von einer Mitarbeiterin der Verpackungsfirma stammte. Daraufhin war bundesweit eine Debatte um die Beweiskraft von DNA-Spuren entstanden und zugleich eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe eingesetzt worden, die Standards prüfen soll, wie Verunreinigungen künftig vermieden werden können und falsche Spuren früher erkannt werden.
Die Bundesregierung erklärte laut «Stuttgarter Nachrichten» in einer Stellungnahme an die FDP, das grundsätzliche Problem sei auch in Zukunft nicht zu lösen. «Es gibt keine garantiert DNA-freien Produkte. Eine absolute DNA-Freiheit wird auch in Zukunft nicht zu erreichen sein.» Das bestätigte Dieter Cyll, Geschäftsführer der Firma Herenz in Hamburg, gegenüber dem Blatt: «Eine 100-prozentige DNA-Freiheit ist nicht möglich.» Selbst die Tatsache, dass die Wattestäbchen bei der Herstellung mit Äthylenoxid behandelt oder mit Strahlen sterilisiert würden, reiche nicht aus, um alle DNA-Spuren zu vernichten, die beim Wickeln des Baumwollköpfchens hinterlassen werden.