Berliner S-Bahn-Chef muss gehen - Eventuell wird die gesamte Geschäftsführung ausgewechselt
Berlin - Der Geschäftsführer der Berliner S-Bahn GmbH, Tobias Heinemann, muss gehen. Das erfuhr die Nachrichtenagentur AP am Donnerstagmorgen aus Bahnkreisen. Nach bislang unbestätigten Medienberichten wird sogar die gesamte vierköpfige Geschäftsführung der DB-Tochter ausgewechselt. Die Deutsche Bahn AG zieht damit die Konsequenz aus Versäumnissen bei Sicherheitsüberprüfungen der Züge, was seit Tagen zu erheblichen Ausfällen im Betrieb geführt hat, die auch am Mittwoch anhielten.
Erwartet wurde, dass die Bahn nach einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung am Nachmittag den Beschluss bekanntgibt. Ob weitere Mitglieder der vierköpfigen Geschäftsführung ihre Posten räumen müssen, wie der «Tagesspiegel» meldete, war nach AP-Informationen noch nicht ganz sicher, galt aber nicht als unwahrscheinlich. Technikchef Peter Büsing ist erst seit wenigen Wochen im Amt.
Nach einem Unfall am 1. Mai aufgrund eines Radbruchs hatte die S-Bahn-Führung umfangreiche Sicherheitsüberprüfungen zugesagt, aber nicht durchgeführt. Daraufhin hatte das Eisenbahn-Bundesamt am Montag mehr als ein Drittel der Züge der Baureihe 481 aus dem Verkehr gezogen. Ausfälle ganzer Linien und Verspätungen waren die Folge. Am Donnerstag verkehrten sechs Linien nach wie vor im 20- statt im 10-Minuten-Takt; zwei Linien fielen ganz aus. Die Internet-Informationen der S-Bahn waren teils irreführend. Auf den Bahnhöfen wurden häufig keine Ausweichmöglichkeiten durchgesagt. Die Fahrgäste mussten sich bei drückender Schwüle in überfüllte Züge quetschen.
Heinemann hatte noch am 26. Juni betont, die Überprüfungen würden «gestrafft» durchgeführt, und Verkehrsbehinderungen seien nicht zu erwarten. Das Vorgehen hatte der Bahn Vorwürfe aus Politik und Gewerkschaften eingebracht, sie vernachlässige aus wirtschaftlichen Gründen die Sicherheit. Genau dies nicht zu tun, hat der neue Bahnchef Rüdiger Grube seit Amtsantritt wiederholt zugesichert.