Home  >  Kultur  >  Musik

Blackmore's Night kommen zur Burgen-Sommertour - Repertoire von Mittelalter bis Rock und Pop

veröffentlicht am 01.07.2009


Mit der Zeit bekommt Ritchie Blackmore alles unter einen Hut: Seine Geschichte mit den Hardrock-Bands Deep Purple und Rainbow, seine Vorliebe für Renaissance, mittelalterliche Musik und vorzugsweise deutsche Burgen und Schlösser. Mit seiner Frau Candice Night hat er in zwölf Jahren Blackmore's Night etabliert und das musikalische Spektrum der Band von Lauten und Schalmeien bis zur rockigen E-Gitarre erweitert. Am 5.

 

Kommentare: 0

 

Frankfurt/Main - Mit der Zeit bekommt Ritchie Blackmore alles unter einen Hut: Seine Geschichte mit den Hardrock-Bands Deep Purple und Rainbow, seine Vorliebe für Renaissance, mittelalterliche Musik und vorzugsweise deutsche Burgen und Schlösser. Mit seiner Frau Candice Night hat er in zwölf Jahren Blackmore's Night etabliert und das musikalische Spektrum der Band von Lauten und Schalmeien bis zur rockigen E-Gitarre erweitert. Am 5. Juli beginnen Blackmore's Night in der Berliner Zitadelle ihre «Secret Voyage»-Sommertour.


Zu den Zeiten von «Smoke On The Water» ist Blackmore mit Deep Purple durch die größten Hallen der Welt gereist. «Das war überall genau dasselbe», sagt der nunmehr 64-jährige Gitarrist im AP-Gespräch. «Ob man in Frankfurt oder Hamburg gespielt hat, es war derselbe Ort. Ich mag Abwechslung.» Und die finde er in alten Burgen und Schlössern mit ihrer Geschichte und ihren exponierten Lagen. Hinter den dicken Mauern gebe es Ruhe und Stille. «Wenn ich auf einem Schloss bin und da nicht gerade eine Hochzeit stattfindet - das kommt hin und wieder vor und das ist dann Chaos - dann ist es so ruhig, dass diese Neutralität alleine schon Ideen hervorbringt. Die Stille spricht zu einem, zu mir macht sie das. Ich liebe Stille und finde es schwer, die zu finden. Hotels zum Beispiel sind die lautesten Orte der Welt.»


«Es ist lustig, Ritchie kennt sich mit deutschen Schlössern besser aus als viele Deutsche, mit denen ich gesprochen habe», mischt sich Candice, seine 38-jährige Frau ein. «Er versorgt die Tourveranstalter mit allen Informationen. Seit vielen Jahren schauen wir uns hier um, und wir lieben das Land.» Von deutschen Freunden hätten sie alles Wichtige über alte Instrumenten wie Schalmeien, Drehleiern und Rauschpfeifen gelernt. «Wir müssen für all das wirklich danken.»


Blackmore's Night spielen am liebsten vor 1.000 bis 2.000 Leuten, weil die Lieder mit den alten Instrumenten nicht so laut seien, erklärt Blackmore, der vom Musikmagazin «Rolling Stone» auf Platz 55 der «100 größten Gitarristen aller Zeiten» geführt wird. «Wir haben auch auf die harte Tour gelernt, dass das Bierzelt am weitest entfernten Ende der Bühne sein muss», sagt er. «Sonst sind die Leute versucht, im Zelt zu bleiben und dann schreien sie vielleicht und werden betrunken. Wenn wir versuchen, etwas Ruhiges zu spielen, ist es hoffnungslos. Aber wir haben auch sehr laute Abschnitte in unseren Konzerten.» Drei Stunden könnten die dauern und eine Bandbreite von mittelalterlich-klassischen Stücken bis hin zu Deep-Purple- und Rainbow-Stücken abdecken.


Dazu kommen Coverversionen von Popsongs wie «Can't Help Falling In Love» von Elvis Presley. «Das liebe ich an diesem Projekt: Wir können alles machen, was wir wollen», erklärt Blackmore. Wir können mittelalterliche Musik spielen oder einen Popsong oder einen Bluesrock-Song. Als ich bei Deep Purple war, ging das nicht; wir konnten nicht den Song von jemand anderen spielen, weil das als nicht richtig betrachtet wurde. Ich mag die Vielfalt, die wir haben. Ich mag viele Popsongs, und deshalb spielen wir sie.»


Das hat aber auch mit dem Lebensstil des seit vergangenem Oktober verheirateten Paars zu tun. «Wir leben bewusst in der Vergangenheit, denn wer mag schon in der Zukunft leben?» frotzelt Blackmore. «Das sieht nicht gut aus.» Candice erklärt genauer: «Ich mag aber moderne Melodien, wir sind nur nicht verrückt nach Cyber-Realität und Flugwut und Verkehrsrowdys und Stress und Druck, was Tag für Tag zuzunehmen scheint. Alles ist heute so übersensationalisiert, ich nenne es die 'Gib-Wasser-Dazu-Instant-Gesellschaft': Alles muss gleich sofort geschehen, augenblicklich, immer schneller. Vor zehn, 15 Jahren konnte man das Telefon aushängen und hatte Ruhe. Dann kamen Fax, Pager, Instant Messaging, E-Mail, Blackberry, YouTube - jeden Tag kommt mehr dazu. Die Menschen fühlen sich heute in der Stille so unwohl.»


Blackmore und Night haben ihr Leben in Long Island völlig anders organisiert. Man trifft sich in Restaurants, in denen man Gitarren und andere Instrumente im Kreis umgehen lässt und zusammen singt - im Sommer gerne auch am guten alten Lagerfeuer. «Ich denke, da kommen alle unsere Coverversionen her. Unser Freundeskreis wendet sich einfach dieser Schönheit zu. Etwa in einer schönen Sommernacht draußen im Wald zusammen sitzen und den Sternschnuppen zusehen, Kartoffeln am Lagerfeuer rösten, singen und spielen, ob nun mit der Blechflöte oder der Gitarre. Es ist die Rückkehr zu diesen einfachen Augenblicken. Und das sind doch die Momente, an die man sich immer gerne erinnert. Niemand hält so die Erinnerung an die Zeit in Ehren, die er mit seinem Handy verbrachte.»


Tourdaten: 05.07. Berlin (Zitadelle), 07.07. Kulmbach (Plassenburg), 11. Juli Bonn (Kunst- und Ausstellungshalle), 12.07. Heidelberg (Stadthalle), 17.07. Klosterbuch bei Chemnitz, 19.07. Burg Linn bei Krefeld, 25.07. Creuzburg bei Eisenach, 29.07 Füssen (Festspielhaus), 31.07. Kloster Hirsau/Calw bei Stuttgart.  (© AP)



Schreiben Sie ein Kommentar! 

Kommentar zum Thema "Blackmore's Night kommen zur Burgen-Sommertour - Repertoire von Mittelalter bis Rock und Pop"

  Max. 25 Zeichen
 
 
 
  Sicherheitscode

Nur Kleinbuchstaben und Zahlen

 
 

 

Twitter