Zur Person: Ein Leben für die Polizei

veröffentlicht am 18.08.2011


BKA-Präsident Jörg Ziercke ist ein Mann mit ausgeprägtem Geschichtsbewusstsein. In seiner Zeit als Leiter der Polizei-Abteilung im schleswig-holsteinischen Innenministerium initiierte er eine kritische Aufarbeitung der NS-Vergangenheit der dortigen Landespolizei. Kaum beim Bundeskriminalamt angekommen, ließ das SPD-Mitglied trotz interner Widerstände erforschen, welche der Beamten an NS-Verbrechen beteiligt waren.

 

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Berlin - BKA-Präsident Jörg Ziercke ist ein Mann mit ausgeprägtem Geschichtsbewusstsein. In seiner Zeit als Leiter der Polizei-Abteilung im schleswig-holsteinischen Innenministerium initiierte er eine kritische Aufarbeitung der NS-Vergangenheit der dortigen Landespolizei. Kaum beim Bundeskriminalamt angekommen, ließ das SPD-Mitglied trotz interner Widerstände erforschen, welche der Beamten an NS-Verbrechen beteiligt waren. Doch bei allem Interesse für den Umgang mit der Vergangenheit: Als letzter BKA-Präsident wollte der hochgewachsene 64-Jährige nicht in die Geschichtsbücher eingehen.


Erbittert hatte Ziercke in den vergangenen Monaten gegen eine Fusion von Bundespolizei und Bundeskriminalamt gekämpft - Zerwürfnis mit dem früheren Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) inklusive. Mit Erfolg: Seit Ende Juni steht der Fortbestand des 1951 gegründeten BKA, das eine zentrale Rolle bei der Bekämpfung des Terrorismus spielt, als eigenständige Institution fest. De Maizieres Nachfolger Hans-Peter Friedrich (CSU) hat die Pläne für eine große Polizeireform endgültig gekippt. Die Zusammenlegung ist vom Tisch.


Der Eifer und persönliche Einsatz Zierckes in der Auseinandersetzung mit dem Bundesinnenministerium verwundern nicht. Bei seinem Amtsantritt im Februar 2004 hatte der gebürtige Lübecker seinen neuen Posten als persönlichen Traumjob umschrieben. Ein Gratulant habe ihn zum "schönsten, schwierigsten und aufregendsten Amt" beglückwünscht, das die deutsche Polizei zu vergeben habe, sagte Ziercke damals und fügte hinzu: "Ich glaube das, bis zum Beweis des Gegenteils."


Auch wenn sich Ziercke seit nunmehr knapp siebeneinhalb Jahren in den Mühlen der Interessenlagen von Politik und Sicherheitsbehörden aufreibt, der Beweis scheint bis heute nicht erbracht. Dafür ist er zu sehr Polizist. Wegbegleiter nennen ihn einen "Kriminalisten mit Leib und Seele", der das Handwerk des Polizisten von der Pike auf gelernt hat.


Nach dem Abitur kam Ziercke 1967 als Anwärter zur Bereitschaftspolizei. In den beiden folgenden Jahrzehnten durchlief er eine Reihe von Stationen in Schleswig-Holstein: Sachgebietsleiter für Datenverarbeitung im Landeskriminalamt, Fachlehrer Kriminalistik an der Landespolizeischule und Leiter der Kriminalpolizei in Neumünster. Im Jahr 1992 wechselte Ziercke ins Kieler Innenministerium und stieg dort drei Jahre später zum Leiter der Polizei-Abteilung auf. 2004 berief ihn der damalige Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) zum Präsidenten des Bundeskriminalamtes.


Ziercke gilt auch wegen seiner praktischen Erfahrung als ausgewiesener Fachmann. Trotz teils heftiger Kritik macht er sich seit seinem Amtsantritt für die Erweiterung der Kompetenzen des BKA stark - Stichwort Vorratsdatenspeicherung. Der 64-Jährige hatte sich wiederholt darüber beklagt, dass Dorfpolizisten teilweise mehr Befugnisse hätten als seine Behörde.


Ein Jahr will Ziercke auf jeden Fall noch im Amt bleiben. Unklar ist, ob er sich dann - nach mehr als 40 Jahren Polizeiarbeit - in den Ruhestand verabschiedet. "Die dauerhafte Grundmotivation erwirbt man in den ersten Berufsjahren, sie verliert sich nie", sagte Ziercke bei seiner Einführung beim BKA.  (© AP)



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