(Update 3) - Pariser Gericht genehmigt Ermittlungen gegen IWF-Chefin Lagarde

veröffentlicht am 04.08.2011


Wegen einer Affäre aus ihrer Zeit als französische Finanzministerin steht IWF-Chefin Christine Lagarde einen Monat nach ihrem Amtsantritt im Zentrum von Ermittlungen. Ein französisches Gericht ordnete die Untersuchung am Donnerstag an. Es geht dabei um Lagardes Rolle in einem privaten Schiedsverfahren zwischen dem umstrittenen Geschäftsmann Bernard Tapie und der staatlichen Bank Crédit Lyonnais.

 

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Paris - Wegen einer Affäre aus ihrer Zeit als französische Finanzministerin steht IWF-Chefin Christine Lagarde einen Monat nach ihrem Amtsantritt im Zentrum von Ermittlungen. Ein französisches Gericht ordnete die Untersuchung am Donnerstag an. Es geht dabei um Lagardes Rolle in einem privaten Schiedsverfahren zwischen dem umstrittenen Geschäftsmann Bernard Tapie und der staatlichen Bank Crédit Lyonnais.


Tapie bekam 2008 eine stattliche, aus Steuergeldern finanzierte Millionenentschädigung wegen Ungereimtheiten beim Verkauf des Sportartikelherstellers Adidas in den 90er Jahren, an dem der Geschäftsmann die Aktienmehrheit hielt. Damals war Lagarde französische Finanzministerin. Ein Staatsanwalt verdächtigt Lagarde des Amtsmissbrauchs, weil sie die Abfindung zuließ. Konkret lauten die Vorwürfe auf Beihilfe zur Veruntreuung öffentlicher Gelder und Beihilfe zum Betrug.


Lagardes Anwalt Yves Repiquet sagte, seine Mandantin mache sich keine Sorgen wegen der Ermittlungen, sondern begrüße diese. "Wir werden den Dingen auf den Grund gehen", sagte er nach einem Telefonat mit der IWF-Chefin. "Es wird nicht mehr den leisesten Zweifel geben."


Für die Aufnahme der Ermittlungen entschied am Donnerstag eine Kommission des Gerichtshofs der Republik, der sich ausschließlich um mögliche Vergehen von Regierungsmitgliedern kümmert. Die Ermittlungen werden vermutlich mehrere Monate dauern. Anschließend wird entschieden, ob der Fall vor einem Sondergericht verhandelt wird. Im Falle einer Verurteilung drohen Lagarde bis zu zehn Jahren Haft.


Die Möglichkeit von Ermittlungen gegen Lagarde wegen der Affäre um Tapie stand bereits vor ihrer Ernennung zur IWF-Chefin im Raum. Der Fall Tapie sei diskutiert worden und der Vorstand sei zuversichtlich, dass Lagarde ihre Pflichten als IWF-Direktorin erfüllen können werde, teilte der Währungsfonds am Donnerstag mit.


Lagarde trat vergangenen Monat die Nachfolge von Dominique Strauss-Kahn im Amt des Direktors des Internationalen Währungsfonds (IWF) an, nachdem dieser wegen Vergewaltigungsvorwürfen zurückgetreten war.


Die Entscheidung des Gerichts "bestätigt die Existenz von Anomalien und Unregelmäßigkeiten bei der Handhabung des Falls", teilte der Oppositionsführer der französischen Sozialisten, Jean-Marc Ayrault, am Donnerstag mit. "All das verdeutlicht die Verwechslung von politischen, wirtschaftlichen und finanziellen Interessen, die seit der Wahl von Nicolas Sarkozy an der Spitze des Staates regiert." Lagarde ist Mitglied von Sarkozys Regierungspartei UMP.  (© AP)



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