Gewinner und Verlierer
veröffentlicht am 30.07.2011

Der Rote Teppich ist eingerollt, es ist - zugegeben glamouröser - Alltag eingekehrt bei den Bayreuther Festspielen. Nach einer echten und vier Wiederaufnahme-Premieren gab es beim Publikum in der vergangenen Woche eindeutige Gewinner und Verlierer: Das meiste Kopfschütteln und anhaltende Missfallensbekundungen erhielt Sebastian Baumgartens Neuinszenierung des "Tannhäuser". Der große Gewinner am Grünen Hügel heißt Klaus Florian Vogt, der strahlende Lohengrin in einer rundum gelungenen Inszenierung von Hans Neuenfels.
Bayreuth - Der Rote Teppich ist eingerollt, es ist - zugegeben glamouröser - Alltag eingekehrt bei den Bayreuther Festspielen. Nach einer echten und vier Wiederaufnahme-Premieren gab es beim Publikum in der vergangenen Woche eindeutige Gewinner und Verlierer: Das meiste Kopfschütteln und anhaltende Missfallensbekundungen erhielt Sebastian Baumgartens Neuinszenierung des "Tannhäuser". Der große Gewinner am Grünen Hügel heißt Klaus Florian Vogt, der strahlende Lohengrin in einer rundum gelungenen Inszenierung von Hans Neuenfels.
Der 41-jährige Tenor Vogt sorgte für ungläubiges Staunen über seine helle, kraftvolle und mitreißende Stimme. "Wie der junge Peter Hofmann", hörte man das Publikum in den Pausen raunen: Athletisch, blond, gut aussehend und so hoch emotional, dass hier und da eine Träne der Ergriffenheit floss
Die "Werkstatt Bayreuth", das neuerliche Arbeiten der Regisseure an ihren Inszenierungen jedes Jahr, ist das Besondere an den Arbeitsbedingungen am Grünen Hügel. So gibt es auch 2011 in den bereits bekannten Inszenierungen ausgetauschte Besetzungen, kleine Änderungen bei den Regiei-Einfällen, manchmal auch eine straffere Erzählweise. Es gibt also immer wieder Neues zu entdecken, was offenbar auch die Kanzlerin neugierig macht, die nach dem großen Auftritt zur Eröffnung am 25. Juli fast unbemerkt in die eine oder andere Aufführung huschte.
Wie immer mit Spannung erwartet: Die einzige Neuinszenierung der Saison. Sebastian Baumgarten, der junge Berliner Regisseur Brecht'scher Schule und von vielen Opern-Puristen gefürchteter Denkonstrukteur, hatte sich mit dem holländischen Aktionskünstler Joop van Lieshout zusammengetan. Heraus kam ein "Biogas-Gebräu", bei dem nichts zusammenpassen wollte - das Bühnenbild mit Alkoholator, Biogastank und kitschigem Venusberg nicht zur Geschichte und die Sängerbesetzung nicht zu einem Kulturereignis von weltweiter Bedeutung. Da wird in den kommenden Jahren noch viel "Werkstatt Bayreuth" auf Baumgarten zukommen.
Er kam, sang und siegte: Den Startenor Jonas Kaufmann als Lohengrin zu ersetzten, sahen viele Hügel-Besucher mit Skepsis. Klaus Florian Vogt war zwar nach seinen gefeierten Auftritten in den "Meistersingern" in Bayreuth kein Unbekannter mehr, doch das Starpotenzial eines Kaufmann wurde ihm im Lohengrin nicht zugetraut. Falsch: Er sang besser, er bewegte sich besser, er ließ seiner Partnerin Annette Dasch mehr Raum zur Entfaltung. Und Regisseur Neuenfels führte die beiden Stars souverän durch die ergreifende Inszenierung. Diesem schönen, tragischen Liebespaar wünscht man noch so manchen Sommer in Bayreuth. Trost für alle Kartenlosen: Am 14. August gibt es diesen einzigartigen "Lohengrin" unter freiem Himmel und kostenlos in Bayreuth als Live-Übertragung zu erleben.
Zum letzten Mal wurde am Dienstag die Inszenierung der "Meistersinger" von Festspielchefin Katharina Wagner wiederaufgenommen. Nach fünf Jahren Laufzeit werden die Kulissen am Ende der Saison eingepackt. Bis zuletzt wurde das Publikum nicht warm mit dieser eigentlich fantasievollen, bildstarken Deutung des deutschnationalen Werkes ihres Urgroßvaters Richard Wagner. In diesem Jahr machte es auch der Wegfall von Vogt als Walther von Stolzing nicht leichter, Feuer und Flamme für die Inszenierung zu sein.
Wenn man die Zahl der - meist unerfüllten - Kartenwünsche als Gradmesser für die Popularität einer Aufführung nimmt, so ist Stefan Herheims "Parsifal" der Liebling am Hügel. Am Donnerstag war die Produktion von 2008 erneut zu erleben und faszinierte mit seinen vielen Anspielungen auf die deutsche Geschichte wie am ersten Tag. Daniele Gatti am Pult des Festspielorchesters hat ebenfalls sehr an Format gewonnen und trumpfte auf. Das galt auch für den jungen Letten Andris Nelsons im "Lohengrin". Gut möglich, dass jetzt ein - meist vergeblicher - Ansturm auf die "Lohengrin"-Karten einsetzt. (© AP)





