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"Geste der Versöhnung" in Bayreuth

veröffentlicht am 26.07.2011


Nach dem "Angelus" von Franz Liszt herrschte Totenstille, Dirigent Roberto Paternostro ließ seinen angespannten Musikern lange Zeit zur Konzentration, einige wurden noch rasch einen Seufzer der Anspannung los. Dann war es so weit: Die ersten Takte aus Richard Wagners "Siegfriedidyll" erklangen in der Stadthalle von Bayreuth und damit spielte das Israel Chamber Orchestra aus Tel Aviv zum ersten Mal die Musik Wagners. Und es spielte sie am Dienstag so beseelt und warm in der Stadt, die in der Ideologie der Nationalsozialisten eine besondere Rolle einnahm.

 

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Bayreuth - Nach dem "Angelus" von Franz Liszt herrschte Totenstille, Dirigent Roberto Paternostro ließ seinen angespannten Musikern lange Zeit zur Konzentration, einige wurden noch rasch einen Seufzer der Anspannung los. Dann war es so weit: Die ersten Takte aus Richard Wagners "Siegfriedidyll" erklangen in der Stadthalle von Bayreuth und damit spielte das Israel Chamber Orchestra aus Tel Aviv zum ersten Mal die Musik Wagners. Und es spielte sie am Dienstag so beseelt und warm in der Stadt, die in der Ideologie der Nationalsozialisten eine besondere Rolle einnahm. Es wurde ein großer Triumph für die Musiker. Rund 700 Besucher feierten das gelöste Orchester minutenlang, und die Musiker beglückwünschten sich gegenseitig.


Eine "Geste der Versöhnung", lobte Bayreuths Oberbürgermeister Michael Hohl (CSU) vor Beginn der Aufführung die Reise der Gäste. Schon vor dem Konzert gab es daher großen Applaus für das Orchester, das einen "langen und steinigen Weg" gegangen war, um schließlich mit der Musik Richard Wagners in die Öffentlichkeit zu treten, wie Paternostro vor dem Konzert betont hatte. "Dies ist ein besonderes Ereignis, weil es die Ängste und emotionale Auseinandersetzung in der israelischen Gesellschaft im Gedächtnis trägt", erklärte der Orchestervorstand. Richard Wagner und Bayreuth - "zwei wichtige Namen, die zwischen uns stehen, zwischen Israelis und Deutschen".


Das Orchester begann seinen Auftritt noch sehr angespannt und mit der israelischen Nationalhymne. Es folgt ein Werk eines zeitgenössischen israelischen Komponisten, Svi Avni, der in Deutschland geboren wurde und vor dem Zweiten Weltkrieg nach Israel emigirierte. Danach gab es Gustav Mahler und Felix Mendelssohn-Bartholdy zu hören. Bariton Dietrich Henschel sorgte mit seinen Rückert-Liedern für einen ersten Höhepunkt des Konzerts. Ein Mann mit Blumen und Kerze in der Hand, auf dem Kopf eine Kippa, stürmte an den Bühnenrand und bedankte sich bei dem Sänger.


Nach dem "Siegfried-Idyll", einer Fantasie über Themen aus der Oper "Siegfried", die Wagner am Weihnachtsmorgen für seine Frau Cosima im Treppenhaus aufführen ließ, gab es neben dem nicht enden wollenden Applaus auch Blumen für den Dirigenten in den Nationalfarben Israels, an denen kleine deutsche und israelische Fähnchen hefteten. Und Paternostro bedankte sich seinerseits bei der Chefin der Bayreuther Festspiele, Katharina Wagner, einer Urenkelin des Komponisten, für ihr Engagement am Zustandekommen dieses denkwürdigen Konzertes.


"Ein sehr bewegendes Konzert - einfach wunderbar", sagte Zuhörerin Marlies Günter, die bereits bei den beiden Proben dabei war. Sie lobte die Musiker für ihren Mut, neue Wege zu gehen. Und ihr Ehemann Paul freute sich besonders über die Aufzeichnung des Konzerts. "Fünf Kameras eines japanischen Teams nehmen alles auf. Vielleicht wird man es dann mal auf DVD bekommen", sagte er.  (© AP)



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