Iranischer Oppositionsanhänger äußert Frust über Mussawis Verhalten - Website nach wie vor nicht zugänglich
veröffentlicht am 27.06.2009

Die Informationskanäle der Opposition im Iran werden immer beschränkter. Die Website des Präsidentschaftskandidaten Mir Hossein Mussawi, die als seine wichtigste Kommunikationsplattform gilt, war am Samstag nicht zugänglich. Das Internet-Angebot wurde nach Angaben eines Mussawi-Mitarbeiters am Freitag Ziel eines Hacker-Angriffs.
Kairo - Die Informationskanäle der Opposition im Iran werden immer beschränkter. Die Website des Präsidentschaftskandidaten Mir Hossein Mussawi, die als seine wichtigste Kommunikationsplattform gilt, war am Samstag nicht zugänglich. Das Internet-Angebot wurde nach Angaben eines Mussawi-Mitarbeiters am Freitag Ziel eines Hacker-Angriffs. Zuvor hatte Mussawi dort noch angekündigt, er wolle für künftige Demonstrationen vorab eine Genehmigung einholen.
Zumindest einige seiner Anhänger stehen Mussawis Verhalten offenbar skeptisch gegenüber. «Das Problem ist, dass wir niemanden haben, der uns führt», sagte ein 30-jähriger Bewohner von Isfahan am Samstag der Nachrichtenagentur AP. Seinen Namen wollte er aus Furcht vor Repressalien nicht nennen. «Wir warten auf eine neue Botschaft, aber Mussawi will nicht weitermachen, weil er im Grunde Teil des Systems ist.»
«Die Leute sind wütend und haben Angst», sagte er weiter. «Sie haben Angst vor der Zukunft, und sie sind wütend, weil sie mit ihrer Stimme keinen Wechsel herbeiführen konnten.» Der Widerstand gegen die Regierung werde anhalten, prognostizierte er. Allerdings wagten nur noch wenige, dem Regime offen auf der Straße die Stirn zu bieten. Dagegen würden die Leute in Isfahan und Teheran weiterhin nachts «Allah ist groß» von den Dächern rufen.
Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch berichtete am Samstag, Mitglieder der Bassidsch-Miliz gingen nun auch mit großer Härte gegen diese Form des Protests vor. Demnach dringen die Bassidschi nachts in die Wohnungen mutmaßlicher Mussawi-Anhänger ein. «Augenzeugen erzählen uns, dass die Bassidschi ganze Straßenzüge und Viertel sowie einzelne Wohnungen verwüsten, um die nächtlichen Protestrufe von den Hausdächern zu beenden», sagte Sarah Leah Whitson von Human Rights Watch.
Präsident Mahmud Ahmadinedschad griff unterdessen US-Präsident Barack Obama an. «Wir sind überrascht über Herrn Obama», sagte er in einer Ansprache, die das staatliche Fernsehen übertrug. «Sagten sie nicht, es gehe ihm um einen Wandel? Warum hat er sich eingemischt? (...) Ganz klar, sie haben einen Fehler gemacht.»
Obama hatte zunächst sehr zurückhaltend auf die Vorwürfe des Wahlbetrugs im Iran reagiert und wurde dafür in den USA und im Ausland kritisiert. Am Freitag lobte er allerdings den Mut der Demonstranten und verurteilte das gewaltsame Vorgehen der Behörden. Diese Gewalt sei «empörend», sagte er nach einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Washington.
Bei der Niederschlagung der Proteste wurden nach Informationen der Menschenrechtsorganisation Amnesty International auch Dutzende Journalisten festgenommen. Bis zu 30 Journalisten seien noch in Haft. Insgesamt nahmen die Sicherheitskräfte bei den Massenprotesten hunderte Regierungsgegner fest. Ausländischen Korrespondenten wurde verboten, auf die Straßen zu gehen, einige wurden ausgewiesen. (© AP)




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