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Mehr wissen: Abhörskandal schwächt Murdochs politischen Einfluss

veröffentlicht am 15.07.2011


Von seiner Rolle als politischer Königsmacher in Großbritannien und seiner Heimat Australien wird sich Rupert Murdoch wohl verabschieden müssen. Der Einfluss des milliardenschweren Medienmoguls leidet schon jetzt unter dem Abhörskandal bei der eingestellten Boulevardzeitung "News of the World". So bestellte ihn ein britischer Parlamentsausschuss ein - ein solcher Vorgang wäre noch vor zwei Wochen undenkbar gewesen.

 

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Washington - Von seiner Rolle als politischer Königsmacher in Großbritannien und seiner Heimat Australien wird sich Rupert Murdoch wohl verabschieden müssen. Der Einfluss des milliardenschweren Medienmoguls leidet schon jetzt unter dem Abhörskandal bei der eingestellten Boulevardzeitung "News of the World". So bestellte ihn ein britischer Parlamentsausschuss ein - ein solcher Vorgang wäre noch vor zwei Wochen undenkbar gewesen.


In der britischen Politik galt Murdoch über Jahrzehnte als einflussreichster Verleger und Wirtschaftsführer überhaupt. Politiker aller Parteien warben um seine Unterstützung und die Gunst seiner Zeitungen. Oft wurde er sogar als dauerhaftes Kabinettsmitglied bezeichnet. Doch nach dem Abhörskandal fürchten die Abgeordneten seine Macht nicht mehr.


In den USA ermittelt die Bundespolizei FBI wegen Vorwürfen, Journalisten von Murdochs News Corp. hätten versucht, Zugang zu Mobiltelefonen von Terroropfern des 11. Septembers 2001 zu bekommen. Allerdings ist der Verleger in die amerikanische Politik weit weniger eingebunden als in die britische oder australische, sodass der Skandal dort auch geringere Auswirkungen haben dürfte.


Murdoch baute seine Macht in Großbritannien in den 80er Jahren aus. Damals erlaubte Premierministerin Margaret Thatcher ihm den Kauf der "Times" und der "Sunday Times" zusätzlich zu seinen Zeitungen "The Sun" und "News of the World". Murdoch revanchierte sich und unterstützte in seinen Zeitungen die konservative Politik.


Auch nach Thatchers Rücktritt unterhielt der Verleger weiterhin Beziehungen zur Politik. Bei der Parlamentswahl 1992, als ein Sieg des Labour-Vorsitzenden Neil Kinnoch gegen Thatchers Nachfolger John Major möglich schien, titelte die "Sun": "Wenn Kinnoch heute gewinnt, macht dann bitte der letzte in Großbritannien das Licht aus". Die Schlagzeile verhalf nach Einschätzung von Beobachtern Major und den Konservativen zum Sieg.


Murdoch unterstützte schließlich Tony Blair von der Labour Partei, der von 1997 bis 2007 Premierminister war. Blair telefonierte mehrfach mit dem Verleger, bevor der 2003 die Entsendung britischer Soldaten in den Irak zusagte. Murdochs Zeitungen in der ganzen Welt lobten diesen Schritt.


Blairs Nachfolger Gordon Brown bemühte sich zunächst, Murdochs Einfluss zu beschneiden. Er nahm aber dennoch an der Hochzeit der Verlagschefin von News International, Rebekah Brooks, teil, die zuvor Chefredakteurin der "News of the World" war. In ihre Zeit fiel die Abhöraktion, die schließlich zur Einstellung der Zeitung führte: Journalisten hörten die Mobilbox des Handys einer getöteten 13-Jährigen ab und nahmen so auch Einfluss auf die Ermittlungen.


Murdoch besuchte auch den amtierenden konservativen Premierminister David Cameron kurz nach den Amtsübernahme im Mai. Cameron distanzierte sich in den vergangenen Tagen von dem Verleger und setzte einen Untersuchungsrichter ein.


In Australien, wo Murdochs Vaters Sir Keith Arthur Murdoch den Grundstein für das spätere Imperium legte, war der Junior ähnlich erfolgreich. Er gründete 1964 die Zeitung "The Australian" und gewann wie sein Vater auch politischen Einfluss. Heute entfällt auf die News Corp. 70 Prozent der australischen Leserschaft. Murdochs Zeitungen bieten Zweiflern des Klimawandels die größte Plattform im Land.


"Er unterhielt enge Beziehungen zu jedem Ministerpräsidenten in den vergangenen 30 Jahren", erklärte David McKnight, Autor einer Murdoch-Biographie. "Ich kenne kein anderes Land in der Welt, in der ein einziger Unternehmer solchen Einfluss hat."


In den USA, deren Staatsangehörigkeit Murdoch hält, reicht seine Macht nicht ganz so weit. Allerdings steuerte er mehrere stramm konservativ ausgerichtete Medien, darunter den Fernsehsender Fox News und die Zeitung "New York Post". Ihm gehört auch das "Wall Street Journal", dessen Kommentarseite eine einflussreiche konservative Stimme ist.


Murdoch spendet auch großzügig an die politischen Parteien, wobei die Republikaner bevorzugt werden. News Corp. überwies vor den Kongresswahlen im vergangenen Jahr 1,25 Millionen Dollar an die Republikanische Gouverneursvereinigung und eine Million Dollar an die amerikanische Handelskammer.


"Ich würde nicht sagen, dass sein Einfluss so groß ist wie in Großbritannien", erklärte Judd Legum vom liberalen Zentrum für Amerikanische Politik. "Aber eine solche Beziehung zu den einflussreichsten republikanischen Politikern ist beispiellos." Zahlreiche Republikaner seien auch bezahlte Mitarbeiter von Fox: der frühere Sprecher des Repräsentantenhauses Newt Gingrich, Exgouverneur Mike Huckabee und Sarah Palin, die sich 2008 um das Amt der Vizepräsidentin bewarb.


In Italien fordert Murdoch das Medienimperium Mediaset von Ministerpräsident Silvio Berlusconi heraus. Im Mai hielt Sohn James eine Rede auf einem Zeitungskongress in der Toskana und kritisierte, das Verleger staatliche Subventionen annähmen. Alles habe seinen Preis, erklärte er.


Auch in China will Murdoch sein Imperium ausbauen, kommt aber seit zwei Jahrzehnten nicht voran. Immer wieder besuchte er das Land, doch die staatlichen Kontrollbehörden machten ihm das Leben schwer. Die News Corp. renne in China gegen eine Mauer, beklagte Murdoch 2005. Die Behörden seien paranoid und wollten keine ausländischen Investoren im Mediensektor. Die chinesischen Behörden kritisierten, Murdochs Zeitungen veröffentlichten freizügige Inhalte, die mit den Vorgaben nicht vereinbar seien.  (© AP)



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