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Weitere Geständnisse: Sexualstraftäter mordete zwischen 1969 und 1984 bei Segeberg

veröffentlicht am 18.06.2011


Fünf Morde an jungen Frauen gehen auf das Konto eines mutmaßlichen Sexualstraftäters aus dem Kreis Segeberg in Schleswig-Holstein. Die erste Tat liegt mehr als 40 Jahre zurück. 27 Jahre nach dem Tod einer Schwesternschülerin war der Mann erst Anfang April überführt worden.

 

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Kiel - Fünf Morde an jungen Frauen gehen auf das Konto eines mutmaßlichen Sexualstraftäters aus dem Kreis Segeberg in Schleswig-Holstein. Die erste Tat liegt mehr als 40 Jahre zurück. 27 Jahre nach dem Tod einer Schwesternschülerin war der Mann erst Anfang April überführt worden. In den Vernehmungen hat er nun vier weitere Morde gestanden. "Es ist in allen Fällen von sexuellen Motiven auszugehen", sagte die Kieler Oberstaatsanwältin Birgit Heß am Freitag. Seine Opfer waren zwischen 15 und 22 Jahre alt.


Die Taten ereigneten sich nördlich von Hamburg und in einem Fall auch in der Stadt selbst. Seine Opfer wählte Hans-Jürgen S. spontan aus. "Er ist nicht mit der Zielsetzung losgefahren, jemanden zu töten", sagte der Leiter der Mordkommission, Stefan Winkler.


Der Mann ging immer nach dem gleichen Muster vor. "Das ganze Vorgehen war absolut heftig und einzigartig grausam", sagte Winkler. Zunächst habe er seine Opfer aus dem Auto heraus beobachtet und dann "überfallartig bei günstiger Gelegenheit angegriffen" und schnell getötet. Teilweise habe er die Leichen anschließend abtransportiert und an entfernten Orten abgelegt.


Alle fünf Opfer wurden erdrosselt oder erwürgt. Auf die sexuellen Handlungen des Mannes wollte die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen nicht eingehen. Zweifel an seinen Angaben haben die Fahnder nicht. Die Ermittlungen dauerten aber noch an, sagte Heß. Obwohl der 64-Jährige dies bestreitet, schließt die Polizei weitere Verbrechen des Mannes nicht aus. "Es wird bundesweit abgefragt", sagte Winkler.


Gestanden hat der Mann, zunächst im Juni 1969 die 22-jährige Jutta M. in der Nähe ihres Elternhauses in Norderstedt auf der Straße getötet zu haben. "Nachbarn wollen noch Schreie gehört haben", sagte Heß. Im Oktober 1969 fing er die 16-jährige Renate B. ebenfalls in Norderstedt auf dem Heimweg vom Tanzlokal ab und tötete sie. Im Juli 1970 tötete er in Hamburg-Langenhorn die 22-jährige Angela B.. 1973 tötete er wieder in Norderstedt die 15-jährige Ilse G..


Bereits nach seiner Festnahme hatte der Mann gestanden, die 18 Jahre alte Schwesternschülerin Gabriele S. im Februar 1984 vergewaltigt und erdrosselt zu haben. Schüler hatten die Leiche des Mädchens neun Tage nach ihrem Verschwinden in einer Fichtenschonung nahe Weddelbrook bei Bad Bramstedt entdeckt.


Zwar gingen die Ermittler bereits damals von einem Sexualmord aus. Bei der Aufklärung der Tat halfen aber erst 27 Jahre später verfeinerte DNA-Untersuchungsmethoden. Experten stellten damit tatrelevante Spuren fest. Danach suchte die Mordkommission mehr als 150 bereits damals bei den Ermittlungen in den Fokus geratene Personen auf. Eine Speichelprobe brachte den entscheidenden Hinweis.


Laut Oberstaatsanwältin Heß lebte der mutmaßliche Fünffachmörder von 1969 bis 1971 allein in Norderstedt. Später heiratete der Handwerker und zog nach Kaltenkirchen. "Der Mann hat ein Doppelleben geführt", sagte Winkler. Er werde keinesfalls als Bestie beschrieben. "Er hat gesagt, dass er reinen Tisch machen will." Die Ermittler prüften nun, ob er auch für den Tod dreier weiterer Frauen aus dem Raum verantwortlich sei. "Die passen genau in das Raster", sagte Winkler.


Han-Jürgen S. wurde bereits 1993 nach Anzeige einer Prostituierten in Hamburg wegen gefährlicher Körperverletzung und Vergewaltigung zu einer einjährigen Bewährungsstrafe verurteilt. Laut einer von seinen Anwälten verbreiteten Mitteilung empfinde er die Zeit von 1969 bis 1984 als "unfassbare Phase seines Lebens". Er habe sich seitdem immer weiter von seinen Taten distanziert und sei ein anderer Mensch geworden.  (© AP)



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