Obama beginnt Europa-Reise
veröffentlicht am 22.05.2011

Auf seiner am Montag beginnenden Europareise erwartet US-Präsident Barack Obama ein dichtes Programm. Vier Staaten in sechs Tagen, ein G-8-Gipfel, eine Übernachtung im Buckingham-Palast und ein Treffen mit entfernten irischen Verwandten sind geplant. Beherrschende Themen werden die Zukunft des Einsatzes in Afghanistan nach der Tötung Osama bin Ladens und die Revolutionsbewegungen in der arabischen Welt sein.
Washington - Auf seiner am Montag beginnenden Europareise erwartet US-Präsident Barack Obama ein dichtes Programm. Vier Staaten in sechs Tagen, ein G-8-Gipfel, eine Übernachtung im Buckingham-Palast und ein Treffen mit entfernten irischen Verwandten sind geplant. Beherrschende Themen werden die Zukunft des Einsatzes in Afghanistan nach der Tötung Osama bin Ladens und die Revolutionsbewegungen in der arabischen Welt sein.
Beginnen wird Obama seine achte Reise nach Europa jedoch am Montag mit einem entspannten Besuch in dem kleinen Dorf Moneygall, wo er auf entfernte Verwandte treffen soll, die aus der Linie seines Urgroßvaters mütterlicherseits stammen. In London werden der US-Präsident und seine Frau Michelle am folgenden Tag noch mit allem königlichem Pomp empfangen und dürfen sogar im Buckingham-Palast übernachten, bevor es dann tatsächlich um die großen politischen Herausforderungen für die USA und ihre europäischen Verbündeten geht.
Mit Spannung wird die Rede Obamas vor beiden Häusern des britischen Parlaments - die erste eines US-Präsidenten - am Mittwoch erwartet, vor allem nachdem die USA zuletzt in Libyen und auch in Afghanistan die Europäer drängen, mehr Verantwortung in Krisengebieten zu übernehmen. Großbritannien und die USA sehen sich weiterhin als enge Verbündete, doch Differenzen über den Truppenabzug aus Afghanistan oder die Rolle des britischen Ölkonzerns BP bei der Ölpest im Golf von Mexiko haben zu leichten Verstimmungen geführt.
Der Besuch Obamas erfolgt etwas mehr als einen Monat vor dem geplanten Beginn des schrittweisen Truppenabzugs der USA. Der Präsident hatte erklärt, dass die erste Reduzierung der Truppen bedeutend sein werde, fraglich bleibt aber, wie viele genaue Antworten er für die Europäer hat. Briten und Franzosen hoffen auf Details zum Zeitplan für den US-Truppenabzug und damit auch die Frage, wie die NATO bis Ende 2014 von einem Kampfeinsatz zu einer Ausbildungsfunktion übergehen wird.
Die Briten haben bereits ihren eigenen Zeitplan für den Truppenabzug festgelegt, die Franzosen erwägen, nach der Tötung Osama bin Ladens die Reduzierung ihrer Truppen zu beschleunigen. Auch in einem Einzelgespräch mit Premierminister David Cameron dürfte es um Afghanistan und den Kampf gegen den Terrorismus, aber auch um Libyen und die Weltwirtschaft gehen.
Beide werden am Donnerstag auf dem G-8-Gipfel in Frankreich erwartet, wo Obama hofft, weiterhin von seiner Grundsatzrede in der Woche zuvor zu profitieren, in der er seine Visionen für Demokratie und Stabilität in der arabischen Welt dargelegt hatte. Unter anderem soll darüber diskutiert werden, wie man vor allem Tunesien und Ägypten wirtschaftlich helfen kann, um Extremisten keinen Nährboden zu geben und einen stabilen Übergang zur Demokratie zu garantieren.
Von den G-8 dürfte allerdings kein großes Hilfspaket geschnürt werden, vielmehr werden die beiden Länder ihre Pläne für eine Demokratisierung und Stabilisierung präsentieren und die acht größten Industrienationen werden Möglichkeiten diskutieren, wie sie dazu beitragen können. Auch wenn es nicht auf der Gipfel-Agenda steht, dürfte auch die Zukunft des Internationalen Währungsfonds (IWF) und die Besetzung des Chefpostens nach dem Rücktritt von Dominique Strauss-Kahn ein Thema werden.
Am Rande des Gipfels in Deauville wird Obama schließlich noch Einzelgespräche unter anderen mit dem japanischen Ministerpräsident Naoto Kan - in einem ersten Treffen nach dem Erdbeben und dem Tsunami - und mit dem russischen Präsidenten Dimitri Medwedew führen. In den Gesprächen zwischen Obama und Medwedew dürfte es vor allem um das Unbehagen Russlands gegenüber dem Raketenschirm der NATO in Osteuropa gehen.
Bevor Obama seine Europareise beendet, wird er zum Abschluss noch Polen besuchen, um das wachsende Engagement seiner Regierung in den ehemaligen Ostblockstaaten zu unterstreichen. Unter anderem wird er mit dem ehemaligem Präsidenten Lech Walesa zusammentreffen, der nach einem Tunesienbesuch seine Eindrücke an Obama weitergeben will. In dem Gespräch könnte es auch um mögliche Lehren gehen, die aus dem Übergang zur Demokratie in den ehemaligen kommunistischen Staaten in Osteuropa für die bevorstehenden Veränderungen in Nordafrika gezogen werden könnten. (© AP)




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