Sexuelle Belästigung im Job wird oft verheimlicht
veröffentlicht am 21.05.2011

Die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders, geht von einer hohen Dunkelziffer bei der sexuellen Belästigung von Frauen aus. Es gebe eine "große Zahl" von Fällen, die nicht gemeldet würden, sagte Lüders der "Welt am Sonntag". "Im Job trauen sich viele Frauen nicht, ihre Kollegen oder Kunden offen zu beschuldigen."
Berlin - Die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders, geht von einer hohen Dunkelziffer bei der sexuellen Belästigung von Frauen aus. Es gebe eine "große Zahl" von Fällen, die nicht gemeldet würden, sagte Lüders der "Welt am Sonntag". "Im Job trauen sich viele Frauen nicht, ihre Kollegen oder Kunden offen zu beschuldigen." Bei der Antidiskriminierungsstelle hätten seit 2006 lediglich 65 Frauen wegen sexueller Belästigung am Arbeitsplatz Rat gesucht, berichtete die Zeitung.
Bei den gemeldeten Fällen ging es demnach nur selten um sexuelle Belästigung durch Kunden. In der Mehrzahl der Fälle habe es sich um anzügliche Bemerkungen oder körperliche Belästigungen durch Kollegen, Vorgesetzte oder den Arbeitgeber selbst gehandelt. "Der Arbeitgeber hat die Pflicht, die betroffenen Beschäftigten umfassend vor denjenigen zu schützen, die sie belästigen", sagte Lüders. Möglich seien Abmahnungen, Versetzungen oder auch die Kündigung. Bei Kunden könne der Arbeitgeber Verwarnungen aussprechen oder Hausverbot erteilen.
Wichtig sei, dass der Arbeitgeber geeignete Maßnahmen ergreift, sagte Lüders. "Er muss deutlich machen, dass er die Situation der Betroffenen ernst nimmt und hinter ihr steht." Bagatellisieren und Totschweigen könne hingegen "traumatische Folgen" für belästigte Frauen haben. (© AP)




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