Neuer Goldrausch in Kalifornien

veröffentlicht am 24.06.2009


In der kalifornischen Sierra Nevada liegt noch immer Gold, und mit der Wirtschaftskrise hat ein neuer Run darauf eingesetzt. Vom Goldrausch infiziert sind viele Arbeitslose aus allen Teilen der USA, die hoffen, im Westen ihr Glück zu machen. Ähnlich war es zuletzt während der Großen Depression in den 30er Jahren.

 

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Coloma/USA - In der kalifornischen Sierra Nevada liegt noch immer Gold, und mit der Wirtschaftskrise hat ein neuer Run darauf eingesetzt. Vom Goldrausch infiziert sind viele Arbeitslose aus allen Teilen der USA, die hoffen, im Westen ihr Glück zu machen. Ähnlich war es zuletzt während der Großen Depression in den 30er Jahren. Auch heute wird der Goldrausch von der Rezession geschürt, und auch der hohe Goldpreis treibt die Jagd nach dem Edelmetall an.


«Hoffnung gibt es immer. Nur zu Hause habe ich gerade keine mehr», sagt Steve Biorck, ein arbeitsloser Straßenbauer aus Tennessee. Er verbringt seine Tage jetzt damit, knietief in einem eiskalten Bach zu stehen und mit einer Pfanne Goldflocken aus Kieselsteinen zu waschen.


Goldsucher, die ein noch nicht von anderen beanspruchtes Gebiet ausfindig machen, erhalten gegen eine Gebühr von 170 Dollar (120 Euro) von der Behörde für Landverwaltung Zugang zu der Parzelle. Die meisten Ansprüche konzentrieren sich auf ein 200 Kilometer langes Gebiet mit steilen Granitformationen und schnell fließenden Wasserläufen, wo sich die Hauptader des Goldes in Kalifornien befindet.


Auch Don Wetter aus Michigan ist vom Goldfieber infiziert. Früher, als Soldat bei den US-Streitkräften, hat er Fort Knox in Kentucky bewacht, wo die Regierung ihre Goldreserven lagert. Heute hofft er, selbst fündig zu werden. Zu Hause in Troy arbeitete er als Baumpfleger. Doch die meisten seiner Kunden dort wurden selbst arbeitslos oder zogen weg.


Ziel vieler Goldwäscher ist der südliche Zufluss des American River, zwischen Sacramento und dem Lake Tahoe. Dort löste der Fund von Nuggets bei Sutters Mill 1849 eine Art Völkerwanderung nach Westen aus. Die Große Depression der 30er Jahre brachte dann eine weitere Welle von Goldsuchern nach Kalifornien. «Es ist schwierig, Ausrüstung auf Lager zu halten», sagt Albert Fausel, in dritter Generation Betreiber des Eisenwarenladens in Old Placerville. Er wurde im 19. Jahrhundert gegründet, um den ersten Goldwäschern Pickel, Pfannen und anderes Gerät zu verkaufen.


Damals lag der Preis für das Edelmetall bei 16 Dollar pro Unze. Heute kostet die Unze (rund 31 Gramm) etwa 960 Dollar. Die Dielen des Eisenwarenladens knarrten viele Jahre unter den Füßen von Ausflüglern, Wildwasserfahrern und Anglern. Jetzt gehören die Goldschürfer zu den größten Kunden. «Viele Leute sind ohne Job und wissen, wo die Goldlöcher sind», sagt Fausel.


Zwischen Oktober 2007 und September 2008 vergab die Behörde für Landverwaltung in Kalifornien 3.413 Genehmigungen zur Suche auf öffentlichem Land an Goldgräber. Im Haushaltsjahr 2006 waren es 1.986 Lizenzen. In diesem Jahr scheint der Trend anzuhalten. Viele Schürfer glauben, dass während des ersten Goldrauschs nur zehn Prozent des Goldes in der Sierra Nevada entdeckt wurde. Und sie hoffen darauf, regelrecht über begrabene Schätze zu stolpern.


«Dort drüben ging eine Dame, stieß mit den Zehen gegen einen Stein und hob einfach so einen Nugget auf», erzählt der 77-jährige Russ Kurz. Er weist auf eine Sandbank im American River bei Coloma. «Einmal habe ich meinen Hund ausgeführt und einen Stein aufgehoben. Dabei habe ich einen langen Nugget direkt aus dem Sand gezogen», sagt er. «Er war etwa 6.500 Dollar wert - und das war vor 13 Jahren.»


Brent Shock aus Jamestown zeigt den Neuankömmlingen, worauf sie achten müssen. Sandbänke, Risse im Gestein und Strudel hinter Felsbrocken sind demnach gute Stellen, um Rinnen zu installieren, in denen sich das Gold sammeln soll. Als beste Jahreszeit gilt das Frühjahr, denn die Schneeschmelze wühlt die Wasserläufe auf und fördert so möglicherweise neue Schätze zutage.


Die Goldfelder sind inzwischen so populär, dass Todd Osborne den seit den 60er Jahren bestehenden Rechtsanspruch seiner Familie auf ein Stück Land an einem abgelegenen Gebirgsbach regelrecht verteidigen muss. Ein handgemaltes Schild mit dem Bild eines Gewehrs und der Aufschrift «privat» vertreibt die meisten Eindringlinge. Vielen Neulingen ist aber schlicht nicht bewusst, dass Privatpersonen auch auf öffentlichem Land Ansprüche geltend machen können.


«Vor einigen Jahren war hier draußen niemand», sagt der 41-jährige Osborne. Seit dem vergangenen Jahr, als er als Baumpfleger nur noch wenige Aufträge bekam, betätigt er sich vollzeit als Goldwäscher. So hätten es auch seine beiden Großväter während der Depression gemacht. Reich geblieben seien aber vor allem jene, die den Goldgräbern Ausrüstung und Vorräte verkauften, sagt er. Eines der bekanntesten Beispiele dafür ist der Jeanshersteller Levi Strauss.  (© AP)



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