Frauen sind die schöneren Vampire
veröffentlicht am 22.06.2009

Blut ist bekanntlich ein ganz besonderer Saft. Für die ungarische Adlige Erzebet Bathory, die von 1560 bis 1614 lebte, bewahrheitete sich diese Erkenntnis auf grausige Weise. Denn die Schönheit aus vornehmen fürstlichen Geschlecht scheute nicht davor zurück, mit dem Blut jungfräulicher Mädchen gegen das Altern ihrer Haut zu kämpfen.
Frankfurt/Main - Blut ist bekanntlich ein ganz besonderer Saft. Für die ungarische Adlige Erzebet Bathory, die von 1560 bis 1614 lebte, bewahrheitete sich diese Erkenntnis auf grausige Weise. Denn die Schönheit aus vornehmen fürstlichen Geschlecht scheute nicht davor zurück, mit dem Blut jungfräulicher Mädchen gegen das Altern ihrer Haut zu kämpfen. Nur so glaubte die Witwe, attraktiv und begehrenswert für einen geliebten jüngeren Mann, den Grafen Istvan, zu bleiben. Der Preis dafür waren etliche tote Mädchen.
Erzebet Bathory ist keine Erfindung für die Leinwand, sondern eine historisch verbürgte Figur. Zwar gibt es keinen Zweifel, dass sie sich schwerster Verbrechen schuldig gemacht hat und deswegen 1611 zu lebenslanger Gefangenschaft auf ihrem Schloss verurteilt wurde. Ob ihre Gräueltaten allerdings ihrem perversen Schönheitsdrang oder bestialischem Sadismus geschuldet waren, ist unklar. Für die französische Schauspielerin Julie Delpy dient diese düstere Frau jedenfalls als Hauptfigur ihres selbst geschriebenen und selbst inszenierten Films «Die Gräfin», der ab dem 25. Juni in die Kinos kommt.
Die 39-jährige Französin, die schon seit ihrem siebten Lebensjahr vor der Kamera steht und sich seit einigen Jahren auch als Regisseurin betätigt, zeigt eine harte, macht- und standesbewusste Frau, die sich in der Welt der Männer zu behaupten weiß. Mit nur fünfzehn Jahren an einen Grafen verehelicht, der meist im Krieg gegen die Türken weilt, sorgt Erzebet für wachsenden Reichtum ihrer Familie, die zur mächtigsten des Landes wird. Die Mutter von drei Kindern ist dazu erzogen worden, keine Schwächen und Gefühle zu zeigen. Doch nach dem Tod ihres Mannes begegnet sie dem sehr viel jüngeren Istvan, in den sich die mächtige Gräfin heftig verliebt.
Auch Istvan ist in Leidenschaft zu der begehrenswerten, sexuell fordernden Gräfin entbrannt. Doch sein Vater, der düstere Graf Thurzo, kann nicht vergessen, selbst eine Abfuhr bei seinem Werben um Erzebet erhalten zu haben. Er sorgt deshalb für den Abbruch der Beziehung seines Sohnes zu der verhassten Frau. Die reagiert auf den Liebesentzug untröstlich und auch hysterisch. Denn die Gräfin bildet sich ein, ihre altersbedingt schwindende äußere Attraktivität sei der Grund für Istvans Abkehr von ihr. Mit dem Blut einer jungen Magd auf ihrem Schloss glaubt Erzebet eine Kosmetik gefunden zu haben, ihre Schönheit zu konservieren.
Das hat für etliche jungfräuliche Mädchen im Machtbereich der Gräfin in den folgenden Jahren tödliche Folgen. Zwar erspart der Film den Zuschauern allzu große Unappetitlichkeiten. Aber angenehm sind diese Blutorgien einer sadistischen Liebenden gewiss nicht. Was jedoch schwerer wiegt: Je länger der 98-minütige Film dauert, desto mehr drängt sich die Frage auf, was die aparte Französin dazu getrieben hat, sich eine solche Horrorgestalt als 'Heldin' ihres Films auszusuchen?
Delpy selbst hat dazu gesagt: «Der Zuschauer soll sehen, was für schreckliche Dinge die Bathory tut, aber auch Verständnis und Mitgefühl für sie aufbringen. Für mich besitzt die Bathory in ihrem Wahnsinn und ihrer ganzen Boshaftigkeit etwas zutiefst Humanes.» Abgesehen davon, dass das wohl für alle Verbrecher gilt, stellt sich die Frage, wen das interessieren sollte.
Irgendwie muss das auch Daniel Brühl, dem Darsteller des Istvan, durch den Kopf gegangen sein. Denn der junge Deutsche war noch in keiner Rolle so wenig überzeugend wie in dieser, zu der er offensichtlich keine Beziehung fand. «Die Gräfin» gehört zu den Filmen, die besser nie gemacht worden wären. (© AP)




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