Piusbruderschaft beharrt auf geplanter Priesterweihe
veröffentlicht am 15.06.2009

Ungeachtet der massiven Kritik katholischer Bischöfe in Deutschland hält die erzkonservative Piusbruderschaft an ihrer geplanten Priesterweihe im bayerischen Zaitzkofen fest. Die aktuelle «Notsituation» in der Kirche erfordere und rechtfertige entsprechende Notmaßnahmen, erklärte Pater Stefan Frey, Regens des Priesterseminars, am Montag in Stuttgart. Von einem Affront gegen die Einheit der Kirche könne keine Rede sein.
Stuttgart - Ungeachtet der massiven Kritik katholischer Bischöfe in Deutschland hält die erzkonservative Piusbruderschaft an ihrer geplanten Priesterweihe im bayerischen Zaitzkofen fest. Die aktuelle «Notsituation» in der Kirche erfordere und rechtfertige entsprechende Notmaßnahmen, erklärte Pater Stefan Frey, Regens des Priesterseminars, am Montag in Stuttgart. Von einem Affront gegen die Einheit der Kirche könne keine Rede sein.
Am Wochenende war bekanntgeworden, dass die Piusbruderschaft am 27. Juni in ihrem Seminar in der Nähe von Regensburg die umstrittenen Priesterweihen mit großem Aufwand mit einer Open-Air-Messe zelebrieren will. Wie das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» berichtete, wird der oberste Chef der Traditionalisten, Bernard Fellay, aus der Schweizer Zentrale nach Zaitzkofen anreisen, um die Weihe dreier Neupriester vorzunehmen. Weit über 1.000 Pius-Anhänger würden dazu erwartet.
Ohne auf Einzelheiten der Priesterweihe einzugehen, verteidigte die Piusbruderschaft am Montag in einer offiziellen Erklärung ihr Vorhaben. «Es geht um Sein oder Nichtsein des Christentums in Europa», erklärte Priesterseminarleiter Frey. Die Bruderschaft verwies auf die zurückgehende Zahl der Gottesdienstbesucher in der deutschen katholischen Kirche in den vergangenen Jahrzehnten. 1950 hätten rund 13 Millionen Katholiken regelmäßig den sonntäglichen Gottesdienst besucht; heute seien es weniger als zwei Millionen. Die Zahl der Priesterweihen in den deutschen Diözesen habe 2008 einen noch nie dagewesenen Tiefstand von weniger als 100 erreicht.
Die geplante Priesterweihe hatte den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, auf den Plan gerufen. Er hatte die Pläne als «Affront gegen die Einheit der Kirche» bezeichnet. Nach Ansicht der Deutschen Bischofskonferenz darf die Bruderschaft ohne einen vom Vatikan geklärten Rechtsstatus keinerlei bischöfliche oder sakramentale Handlungen vornehmen.
In der Erklärung vom Montag wies die Bruderschaft die Kritik zurück und hob hervor, die Weihen würden in der Absicht gespendet, der katholischen Kirche zu dienen. Die neugeweihten Priester würden wie alle Mitglieder der Piusbruderschaft das Amt des Papstes und die Autorität der Kirche anerkennen. «Wir wollen keine Parallelkirche, sondern innerhalb der einen, wahren katholischen Kirche das unschätzbare Gut der katholischen Tradition bewahren», schrieb Frey.
Die Rücknahme des Exkommunikationsdekrets gegen die vier Weihbischöfe der Bruderschaft durch Papst Benedikt XVI. wird in der Erklärung als «großherzige Geste» und vertrauensbildende Maßnahme für die bald beginnenden theologischen Gespräche mit den Vertretern des Vatikans gewürdigt. Bei diesen Gesprächen sollten «in einem voraussichtlich zähen Ringen die noch bestehenden Schwierigkeiten ausgeräumt werden».
Dass sich die «aufgebrachten Bischöfe» immer wieder auf das Kirchenrecht beriefen, konterte die Piusbruderschaft mit einem Vergleich: «Ein wertvolles Gebäude brennt lichterloh, eine Gruppe beherzter junger Männer eilt zur Brandstelle, um das Feuer zu löschen oder wenigstens einzudämmen und später mit dem Wiederaufbau zu beginnen. Aber die Ordnungshüter hindern sie daran mit dem Hinweis, sie hätten auf ihrer Fahrt die Geschwindigkeitsbeschränkung überschritten.» (© AP)




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