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105-jähriger Heesters spielt Gott im "Jedermann"

veröffentlicht am 12.06.2009


Der 105-jährige Johannes Heesters spielt Gott. Der älteste aktive Schauspieler der Welt feierte am Donnerstagabend in Stuttgart im Alten Schauspielhaus Premiere in Hugo von Hofmannsthals Stück «Jedermann». «Ich spiele Gott als Mensch, der den Menschen Menschlichkeit beibringen möchte», sagte Heesters über seine Rolle vor der Premiere der Nachrichtenagentur AP.

 

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Stuttgart - Der 105-jährige Johannes Heesters spielt Gott. Der älteste aktive Schauspieler der Welt feierte am Donnerstagabend in Stuttgart im Alten Schauspielhaus Premiere in Hugo von Hofmannsthals Stück «Jedermann». «Ich spiele Gott als Mensch, der den Menschen Menschlichkeit beibringen möchte», sagte Heesters über seine Rolle vor der Premiere der Nachrichtenagentur AP. Beim Publikum kam sein Rollenverständnis gut an, denn es zollte ihm den stärksten Applaus.


Das Traditionsstück handelt von Reichtum und dem rechten Glauben. Weil sich die Menschen von ihm abwenden, schickt Gott den Tod auf die Erde, um seine Macht zu demonstrieren. Dieser soll nun Jedermann holen, der geizig und vergnügungssüchtig ist. Angesichts der Wirtschafts- und Finanzkrise ausgelöst von gierigen Bankern erhält das fast 100 Jahre alte Stück einen hochaktuellen Bezug.


«Es ist zwar ein alter Text, der aber mit dem Hier und Heute zu tun hat», sagte der Intendant der Schauspielbühnen Stuttgart, Carl Philip von Maldeghem. Auf den heutigen Kontext übertragen, könne man Jedermann mit einem Banker vergleichen, «der mit seiner eigenen Endlichkeit konfrontiert» werde. So ist der moderne Jedermann (Matthias Hermann) ein eiskalter Geschäftsmann, der in einem schwarzen Cabrio auf die Bühne fährt, auf dessen Motorhaube er sich später mit seiner Buhlschaft wälzt.


Heesters sagte: «Wir lernen aus dem Stück genau das, was wir auch aus der Finanzkrise lernen: Diese ewige Gier nach mehr und noch mehr stürzt alle ins Verderben.» Doch am Ende findet Jedermann zum Glauben und wird erlöst. An was glaubt Heesters? «Ich bin Katholik. Ich glaube an Gott, aber nicht an das ewige Leben», sagte er.


Von Maldeghem und der Regisseur Klaus Hemmerle wollten die Figuren mit besonderen Persönlichkeiten besetzen. So ist der Tod eine sexy Verführerin (Lisa Charlotte Friederich), der Glaube trägt ein Regencape und Gott wird eben ohne Rauschebart, dafür im weißen Smoking von Heesters gespielt. «Auf der Bühne geht ein Ruck durch ihn, allein von seiner sprachlichen Präsenz kann sich noch so mancher Schauspieler etwas abschauen», sagte von Maldeghem über den 105-Jährigen. Der Intendant hatte bereits zu Beginn seiner Stuttgarter Zeit mit Heesters zusammengearbeitet.


Damals hatte er das «Heesters»-Musical zu dessen 100. Geburtstag mit verantwortet. Nun schließt sich mit dem erneuten Engagements Heesters in Stuttgart der Kreis für von Maldeghem, der zur nächsten Spielzeit nach Salzburg wechselt.


Für Heesters selbst, der in der Stuttgarter Inszenierung auch den armen Nachbarn mimt, ist die Rolle als Gott nicht neu. 2004 spielte er ihn bereits in einer «Jedermann»-Inszenierung vor dem Kölner Dom. Sechs Tage die Woche steht Heesters nun bis zum 24. Juli in Stuttgart auf der Bühne. Danach will er sich erst einmal eine Pause gönnen: «Dann ist auf jeden Fall erst mal wieder meine Frau an der Reihe.» Die Schauspielerin und Malerin Simone Rethel feiert am Montag ihren 60. Geburtstag.  (© AP)



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