Bildungsstreik gegen Turboabitur und Studiengebühren
Berlin - Mit einem Bildungsstreik in der kommenden Woche wollen Schüler und Studenten gemeinsam gegen Studiengebühren, Verschulung der Universitäten und die verkürzte Oberstufe protestieren. Höhepunkt sollen am nächsten Mittwoch Demonstrationen in 80 Städten sein, zu der die Organisatoren 150.000 Menschen erwarten. Darüber hinaus sind Aktionen wie Besetzungen, Blockaden und symbolische Banküberfälle geplant. Ver.di-Chef Frank Bsirske stellte sich im Namen des Deutschen Gewerkschaftsbundes hinter den Protest und nannte Veränderungen im Bildungssystem überfällig.
Schüler und Studenten kritisierten vor allem, dass Rettungspakete für das Bankensystem und die Wirtschaft geschnürt, die Bildungseinrichtungen aber mit vergleichsweise wenig zusätzlichen Investitionen abgespeist würden. Bsirske sagte, das Bildungssystem sei «chronisch unterfinanziert» und benötige jährlich zusätzlich 30 bis 40 Milliarden Euro, die in Köpfe investiert werden müssten und nicht in Beton. Geld für Unis, Schulen und Kitas müssten Teil eines Konjunkturpakets III sein, forderte er.
Der emeritierte Professor Peter Grottian rechnete vor, dass die 10 Milliarden aus dem Konjunkturpaket II in Handwerkerrechnungen für die Sanierung von Gebäuden flössen. Die 18 Milliarden Euro aus dem Bund-Länder-Pakt für Hochschule und Forschung kämen der Exzellenzinitiative und der außeruniversitären Forschung zugute. Damit würden außerdem 275.000 neue Studienplätze finanziert, welche aber nur die große Zahl an Schülern auffängen, die nach dem «Turboabitur» zeitgleich mit den anderen Abiturienten in die Universitäten strömten.
Die Studenten forderten außerdem die Abschaffung von Bachelor- und Master-Studiengängen in der jetzigen Form. Der Hamburger Promotionsstudent Florian Wilde nannte diese vor einigen Jahren eingeführten Studiengänge ein verschultes, reglementiertes Schmalspurstudium. Er beklagte auch den zunehmenden Einfluss der Wirtschaft auf die Inhalte durch den Zwang der Unis zur Eintreibung von Drittmitteln. Grottian sprach von einer «McDonaldisierung» der Unis. weiterlesen >>