Die Pleitewelle rollt und rollt
veröffentlicht am 08.09.2010

Trotz des kräftigen Konjunkturaufschwungs rutschen immer mehr Unternehmen in Deutschland in die Pleite. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen stieg nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im ersten Halbjahr um 2,0 Prozent auf 16.468. Der Verband der Insolvenzverwalter Deutschlands (VID) warnte am Mittwoch, vor allem kleinere und mittlere Unternehmen, insbesondere in Dienstleistung und Handel, stünden oft noch mit dem Rücken zur Wand.
Wiesbaden/Köln - Trotz des kräftigen Konjunkturaufschwungs rutschen immer mehr Unternehmen in Deutschland in die Pleite. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen stieg nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im ersten Halbjahr um 2,0 Prozent auf 16.468. Der Verband der Insolvenzverwalter Deutschlands (VID) warnte am Mittwoch, vor allem kleinere und mittlere Unternehmen, insbesondere in Dienstleistung und Handel, stünden oft noch mit dem Rücken zur Wand. "Auch wenn sich die Lage vor allem für Großunternehmen und die Automobilwirtschaft aufhellt: Für einen großen Teil der Unternehmen bleibt die wirtschaftliche Situation sehr angespannt", betonte der VID-Vorsitzende Siegfried Beck in Köln.
Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform erwartet für das gesamte Jahr deshalb sogar einen Anstieg der Insolvenzzahlen um mehr als drei Prozent auf mindestens 34.000 Firmenpleiten, wie ihr Experte Michael Bretz der Nachrichtenagentur dapd sagte. Der Konjunkturexperte betonte, es sei nicht ungewöhnlich, dass die Insolvenzentwicklung der Konjunkturentwicklung nur mit Verzögerung folge. Nach eineinhalb Jahren Wirtschafts- und Finanzkrise seien bei immer mehr Firmen die Kapitalreserven erschöpft. Wenn dann im Aufschwung zusätzliche Investitionen nötig würden, überfordere dies angeschlagene Unternehmen. Dies gelte umso mehr, wenn sich die Banken bei der Kreditvergabe als zögerlich erwiesen.
Nach einer aktuellen Studie von Creditreform sind in Deutschland nach der Krise rund 113.000 Unternehmen in ihrer wirtschaftlichen Stabilität so stark geschwächt, dass ihre geringe Zahlungsfähigkeit ihre Existenz gefährdet. Das sind immerhin 3,5 Prozent der 3,3 Millionen Firmen in Deutschland.
Die Höhe der voraussichtlichen offenen Forderungen der Gläubiger bezifferte das Statistische Bundesamt auf rund 21,2 Milliarden Euro, gut 13 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Einen kleinen Lichtblick konnten die Statistiker auch präsentieren: Im Juni sank die Zahl der Firmeninsolvenzen erstmals wieder gegenüber dem Vorjahresmonat um 1,3 Prozent auf 2.752. Grund für eine Entwarnung ist das nach übereinstimmender Einschätzung von VID und Creditreform jedoch nicht. Dies sei noch kein Anzeichen für eine nachhaltige Erholung, meinte VID-Chef Beck. Gerade die Branchen Handel und Dienstleistung machten teils tief greifende Anpassungsprozesse durch, die noch Monate in Anspruch nehmen könnten. Auch Creditreform rechnet nicht mit einer raschen Besserung. Vor allem im Einzelhandel, im Bau und in einigen Dienstleistungsbereichen seien nach wie vor erhebliche strukturelle Schwächen zu konstatieren.
Noch stärker als die Zahl der Firmenpleiten stieg im ersten Halbjahr die Zahl der Privatinsolvenzen. Sie lag mit knapp 54.000 Fällen um 11,6 Prozent über dem Vorjahreswert. Hier brachte auch der Juni kaum Entlastung, in dem die Zahl der zahlungsunfähigen Verbraucher um 10,2 Prozent auf 9.297 stieg. (© AP)




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