Mehr Studenten braucht das Land
veröffentlicht am 08.09.2010

Deutschland steuert auf einen massiven Fachkräftemangel zu. Das geht aus einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervor, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Die Oppositionsparteien forderten von der Regierungskoalition mehr Investitionen in die Bildung.
Berlin - Deutschland steuert auf einen massiven Fachkräftemangel zu. Das geht aus einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervor, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Die Oppositionsparteien forderten von der Regierungskoalition mehr Investitionen in die Bildung. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) hob hingegen die Erfolge in der Bildungspolitik hervor.
In dem jährlich erhobenen Bildungsmonitor bewerteten die OECD-Statistiker die Bildungssysteme von 17 Mitgliedsländern sowie Chiles und Chinas. Dabei zeigte sich Deutschland als Land mit der geringsten Studienneigung. Auch bei den Bildungsausgaben landete die Bundesrepublik mit nur 4,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes auf einem der letzten Plätze. Auch sieht die OECD eine große Gefahr in mangelnden Grundkompetenzen von Schulabgängern. Gute Noten vergab die OECD vor allem für die berufliche Ausbildung, auch wenn hier ein Drittel der Schulabgänger ohne Abitur erst in staatlich finanzierten Übergangsmaßnahmen landeten, anstelle in einer Ausbildung. Die Organisation forderte, dass vor allem die finanziellen und institutionellen Anreize zur Aufnahme eines Studiums in Deutschland verbessert werden müssten.
"Wir können es uns schon aus volkswirtschaftlichen Gründen nicht leisten, dass junge Erwachsene sich aus finanziellen Gründen gegen ein Studium entscheiden", sagte die stellvertretende SPD-Vorsitzende und nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft am Dienstag in Berlin. Es sei ökonomisch nicht sinnvoll und außerdem sozial ungerecht, Studiengebühren zu erheben. In diesem Zusammenhang sprach sich die SPD-Politikerin auch gegen das Stipendiengesetz der Regierung aus, da dieses die ungerechte Situation noch verschärfe. Eine Veränderung bedürfe mehr finanzieller Mittel für die Bildung, vor allem fehle es an "deutlich mehr Studienplätzen und einem starken BAföG", betonte Kraft.
Auch die Linke-Bildungsexpertin Rosemarie Hein kritisierte die Bildungspolitik der Bundesregierung. "Die Bundesrepublik bekommt abermals bescheinigt, dass sie im Vergleich zu anderen OECD-Ländern zu wenig in Bildung investiert," erklärte Hein und sprach sich gleichzeitig für rasche Maßnahmen im Bildungsbereich aus. Es sei an der Zeit, die "notwendigen Bildungsreformen einleiten, statt ständig an einem löchrigen Teppich herumzuflicken", forderte die Linke-Politikerin. Vor allem bei den Lücken im Lesen, Schreiben und Rechnen bei Schülern einfacher und mittlerer Bildungshintergründe sieht Hein Handlungsbedarf.
Die Bildungspolitische Sprecherin der Grünen, Priska Hinz, wirft der Bundesregierung Untätigkeit vor. "Der Fachkräftemangel spitzt sich in Deutschland immer weiter zu. In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Erwerbsfähigen mit Hochschulabschluss jährlich nur um 0,9 Prozent gewachsen", erklärte Hinz. Diese geringe Zahl müsse auch die Regierung zum Handeln bewegen. Zudem sei es "beschämend ", dass "laut OECD-Bericht die Ausgaben für Bildung zwischen 2000 und 2007 gesunken sind", erklärte Hinz. Auch wenn die Ausgaben inzwischen erhöht worden seien, gelinge der Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) kein sinnvoller Einsatz des Geldes.
Schavan verwies hingegen darauf, dass der Anteil der Studienanfänger in Deutschland von nur 26 Prozent im Jahr 1995 auf mittlerweile 43 Prozent gestiegen sei. Auch seien durch Maßnahmen wie den Hochschulpakt die Bildungsaufwendungen auf 10 Prozent des BIP gestiegen, wobei Deutschland eine andere Berechnungsgrundlage als die OECD verwende. Schavan hob hervor: "die Jugendarbeitslosigkeit ist in Deutschland halb so hoch wie im internationalen Schnitt." Daher sehe sie die "berufliche Bildung als Flaggschiff im deutschen Bildungssystem". (© AP)




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