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Preiswerter Impfstoff könnte Afrika vor Meningitis schützen

veröffentlicht am 04.09.2010


Erstmals könnte eine Impfung Epidemien von Hirnhautentzündung in Afrika verhindern. Damit könnten Ärzte endlich die Oberhand gewinnen im Kampf gegen die gefährliche Erkrankung, die vor allem Kinder trifft. Bei Meningitis infizieren Viren oder Bakterien jene Auskleidung, die das Gehirn und Rückenmark umgibt.

 

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London - Erstmals könnte eine Impfung Epidemien von Hirnhautentzündung in Afrika verhindern. Damit könnten Ärzte endlich die Oberhand gewinnen im Kampf gegen die gefährliche Erkrankung, die vor allem Kinder trifft. Bei Meningitis infizieren Viren oder Bakterien jene Auskleidung, die das Gehirn und Rückenmark umgibt. Die Krankheit, die oft durch Meningokokken verursacht wird, sucht regelmäßig über 20 Länder in Afrika südlich der Sahara heim, von Senegal bis nach Äthiopien. Im vergangenen Jahr registrierten Mediziner dort rund 80.000 Fälle, darunter mehr als 4.000 tödliche Verläufe.


Die Industriestaaten impfen seit Jahren gegen Meningitis. Aber in den Entwicklungsländern können die bislang verfügbaren Vakzinen die Ausbreitung der Infektionen nicht aufhalten: Zum einen dauert ihre Wirkung dafür nicht lange genug an. Zudem können sie nicht bei Kindern unter zwei Jahren eingesetzt werden also ausgerechnet bei der am stärksten gefährdeten Altersgruppe. Bislang impfen Gesundheitsbehörden nur in akuten Krisensituationen nach dem Ausbruch einer Epidemie.


Nun hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine neue Impfung zugelassen, die solche Krankheitswellen im Keim ersticken soll. «Das kommt einer Revolution bei der Kontrolle von Meningitis sehr nahe«, sagt Daniel Berman von der Organisation Ärzte ohne Grenzen. «Mit dieser Vakzine können wir vorher planen, Ausbrüche zu verhindern.« Die Initiative zu dem Impfstoff entstammt einer Partnerschaft zwischen WHO, dem indischen Serum-Institut und der Organisation Path, die von der Bill & Melinda Gates Stiftung finanziert wird.


Das Präparat richtet sich gegen Meningitis vom Typ A, die in Afrika über 90 Prozent der Ausbrüche verursacht. Nun bestätigte die WHO, dass der Wirkstoff sämtliche Qualitätsanforderungen erfüllt. Damit können andere Organisationen wie etwa das Kinderhilfswerk UNICEF den Stoff, der etwa 30 Cents pro Injektion kostet, zum Einsatz in armen Ländern kaufen.


Eine Meningitis ist hoch ansteckend und überträgt sich durch Niesen, Husten oder das Leben in beengten Behausungen. Infizierte leiden an steifem Nacken, Kopfschmerzen, hohem Fieber und Erbrechen. Selbst wenn die Krankheit früh erkannt und behandelt wird, sterben mehr als zehn Prozent der Patienten binnen zwei Tagen. 20 Prozent der Überlebenden entwickeln dauerhafte Nachwirkungen wie Hirnschäden oder Hörverlust.


Nun wollen Gesundheitsexperten die Impfung zunächst in jenen drei Ländern einführen, die am stärksten unter der Krankheit leiden: Burkina Faso, Mali und Niger. Dafür brauchen sie nach Schätzung von Berman noch umgerechnet gut acht Millionen Euro. Zusätzlich benötigt werden weitere 360 Millionen Euro, um den Impfstoff für jene weiteren 22 Länder zu kaufen, in denen er am dringendsten gebraucht wird.


«Das klingt nach viel Geld, aber verglichen mit dem Gegenwert und dem Nutzen für die öffentliche Gesundheit ist diese Impfung ziemlich preiswert«, sagt der Meningitis-Experte William Perea von der WHO. «Wir geben Hunderte Millionen Euro aus, um das Ölleck im Golf von Mexiko zu stopfen. Da kann mir niemand erzählen, dass wir kein Geld für etwas haben, was einen wirklichen Durchbruch für das Gesundheitswesen bedeutet.«


Tatsächlich können die gewaltigen Meningitis-Epidemien die Gesundheitssysteme afrikanischer Staaten komplett lähmen. «Während dieser vier bis fünf Monate müssen Gesundheitsmitarbeiter alles andere stehen und liegen lassen und sich ausschließlich den Meningitis-Patienten widmen«, sagt Perea.


Nun will die WHO mindestens 80 bis 90 Prozent der Bevölkerung in den Meningitis-Gebieten impfen. Diese Durchimpfungsrate sollte auch jene Menschen schützen, die die Vakzine nicht bekommen. Aber eine solche Kampagne erfordert Experten zufolge einen ungeheuren finanziellen und organisatorischen Kraftakt. «Die genaue Wirkung davon kann niemand vorhersagen«, betont Perea. «Aber wenn wir es schaffen, die gesamte Region abzudecken, könnte Meningitis bald Geschichte sein.«  (© AP)


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